Preiserhöhung bei Solid-State Drives droht

Noch halten Verkaufspreise und HEKs für SSDs ein relativ stabiles Niveau. Das Erbeben in Japan hat aber die Lieferkette nachhaltig gestört, daher gilt eine Preiserhöhung als unausweichlich. Darin ist sich die Branche zwar einig, genau definieren kann die möglichen Auswirkungen derzeit jedoch niemand.

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Von
  • Karl Fröhlich

Seit Jahresanfang halten die HEKs für SSDs ein relativ stabiles Niveau mit einem sehr moderaten Abwärtstrend. Auf Grund der unklaren Situation in Japan steigen die Preise nun wieder an. Die Branche rechnet in den kommenden Wochen mit weiteren Aufschlägen und einer drohenden Allokation.

Die SSD-Branche sieht turbulenten Zeiten entgegen. Nach der Naturkatastrophe in Japan ist die Lieferkette nachhaltig gestört und selbst drei Wochen nach dem Erbeben sind die Auswirkungen auf den Markt noch ungewiss. Selbst Fabriken, die nicht direkt betroffen waren, arbeiten zum Teil nur eingeschränkt. So berichtete Toshiba beispielsweise, dass die Produktion vorübergehend gestoppt wurde und auch in der Verwaltung nur die nötigsten Aufgaben erledigt wurden, um Energie zu sparen. Toshiba ist nach Samsung der größte Hersteller von NAND-Flash-Chips. Auswirkungen auf den Markt sind daher unvermeidlich. "Kurzfristige Einschränkungen gibt es noch nicht", sagt Hormoz Vardeh, Business Unit Manager Storage bei Actebis Peacock, gegenüber heise resale. "Tendenziell ist damit zu rechnen, dass innerhalb der nächsten Wochen Flash-basierte Produkte knapper werden könnten und sich damit die Preise nach oben bewegen."

Einstimmig erklären Hersteller und Distributoren, dass es aufgrund der sich ständig ändernden Informationslage sehr schwierig sei, zu einer profunden Beurteilung zu gelangen. Einerseits unterscheiden sich die Lieferketten der einzelnen Produzenten, andererseits sind nicht alle gleichermaßen betroffen. Momentan seien valide Vorhersagen kaum möglich – man könne mehr oder weniger nur spekulieren.

"Wir erwarten aufgrund der Japan-Naturkatastrophe eine eher steigende Preisentwicklung", konstatiert Marina Schätzle, Marketing Assistant DACH & SE bei OCZ Technology. "In den nächsten zwei bis drei Monaten werden Flash-Chips knapp. Die NAND- und Wafer-Werke in Japan können vorerst die Nachfrage nicht decken, daher müssen SSD-Hersteller auf die übrigen Produzenten zurückgreifen."

Im Moment ist an der Preisfront allerdings noch keine eindeutige Richtung erkennbar. Im Vergleich zur KW 6 Anfang Februar sind bei Corsair beispielsweise die Preise zum Teil um bis zu 15 Prozent gestiegen. Kingstons V+100-Serie ist dagegen zwischen vier und 16 Prozent gĂĽnstiger geworden. GegenĂĽber der Vorwoche sind indessen fast alle HEKs leicht angestiegen.

Im heise resale Preisradar ist in der KW 13 die Vertex 3 mit 120 GByte und 6-Gbit-SATA (199,09 Euro netto) von OCZ Technology die meistgesuchte SSD, gefolgt von der Vertex 2 (120 GByte/138,62 Euro netto). Ebenfalls unter den Top 10 platzieren sich Intels X25-M G2 Postville (120 GByte/159,25 Euro netto) sowie die Crucial RealSSD C300 mit 128 GByte (154,62 Euro netto). Das Laufwerk kostete in der KW 6 im VK noch rund 162 Euro.

Über mangelndes Geschäft muss sich der Handel jedenfalls nicht beklagen. "SSDs erfreuen sich einer von Quartal zu Quartal kontinuierlich wachsenden Nachfrage, die sowohl im B2B- als auch B2C-Segment weiter anhalten wird", erläutert Christian Marhöfer, Geschäftsführer bei Kingston Technology Deutschland. "Am häufigsten werden Kapazitäten von 64 und 128 GByte nachgefragt, wobei wir im industriellen Bereich einen Trend zu kleineren Kapazitäten sehen."

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Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:

Actebis Peacock
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ecom GmbH
Ingram Micro GmbH

"SSDs werden immer mehr als echte Alternative zur herkömmlichen Festplatte wahrgenommen, auch bei eher konservativen Vertriebskanälen", sagt Actebis-Peacock-Manager Vardeh. "Die Verfügbarkeit ist aktuell nicht eingeschränkt. Tendenziell bewegen sich die Preise bei einigen Herstellern und Produktvarianten aufgrund diverser Unsicherheiten aber nach oben."

OCZ vermeldet wie auch Kingston und Samsung eine bis dato gute Verfügbarkeit. "Preislich haben sich die SSDs im ersten Quartal mehr dem Markt angenähert", erklärt OCZ-Managerin Schätzle. "Generell war das Preisniveau im vergangenen Quartal relativ stabil. Gegen Ende gab es bedingt durch die Katastrophe in Japan einen Preisanstieg, der jedoch durch den Wechselkurs (US-Dollar/Euro) etwas gedämpft wurde." (map)