Gimp stellt Objekte fast automatisch frei

Die aktuelle Entwicklerversion 2.3.3 der freien Grafik-Software Gimp verspricht Foto-Monteuren einen echten Leckerbissen: ein komfortables Freistellungswerkzeug, das Objekte nahezu automatisch aus ihrem Hintergrund herauslöst.

vorlesen Druckansicht 398 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Die aktuelle Entwicklerversion 2.3.3 der freien Grafik-Software GIMP verspricht Foto-Monteuren einen echten Leckerbissen: ein äußerst komfortables Freistellungswerkzeug, das Objekte nahezu automatisch aus ihrem Hintergrund herauslöst. Im Unterschied zu den bekannten Methoden muss der Nutzer das Objekt dabei lediglich grob umranden -- eine rechteckige Auswahl soll genügen -- und zusätzlich einige kleinere markante Zonen darin definieren. Auf Basis dieser großzügigen Abgrenzung versucht der Algorithmus anhand von Farb- und Helligkeitswerten zu entscheiden, welche der in der "Grauzone" befindlichen Pixel zur Objektfläche -- dem Vordergrund -- und welche zum Hintergrund gehören. Da das automatische Verfahren nicht immer perfekt arbeitet, kann der Nutzer die Form noch per Hand korrigieren.

Das eingesetzte Segmentierungsverfahren heißt SIOX ("Simple Interactive Object Extraction") und wurde am Zentrum für Digitale Medien (ZDM) der Freien Universität Berlin entwickelt. GIMP wäre damit das erste Bildbearbeitungsprogramm mit einem solch komfortablen Freistellungswerkzeug. Verbreitet sind derzeit vor allem die als Zauberstab bekannten Farbauswahl-Tools oder die kantensensitiven magnetischen Lassos. Selbst bei höher entwickelten Freistellern wie Corel KnockOut oder dem Photoshop-Extrahierer muss der Nutzer noch einige Mühe investieren, um die Randzone des Objekts möglichst exakt zu markieren. Von der Bedienung her mit SIOX vergleichbar, wenn auch technisch unterschiedlich, ist der von Microsoft Research entwickelte Grab-Cut-Algorithmus, der mit der Beta-Version des Vektorgrafikprogramms Acrylic bereits in die freie Wildbahn entlassen wurde.

Wer das neue Werkzeug schon jetzt ausprobieren möchte, muss sich entweder die GIMP-Entwicklerversion 2.3.3 (genannt "What The GIMP" nach dem Treffen einiger GIMP-Entwickler auf dem Hacker-Camp "What the Hack") selbst kompilieren oder mit einem Plug-in für die aktuelle Gimp-Version 2.2 experimentieren. Nach Angaben der Entwickler lieferte das Steckmodul bei der Hälfte der Testfotos schlechtere Ergebnisse als die Einbau-Variante -- wofür Einschränkungen der Plug-in-Schnittstelle verantwortlich seien. In ersten Versuchen zeigte sich das Plug-in einer einfachen Situation wie dem Foto eines dunkel gekleideten Skifahrers auf der Piste durchaus gewachsen, bei abwechslungsreicheren Hintergründen überzeugte das Ergebnis noch nicht. (Peter König) / (atr)