Glasfaser-Anschluss für Schnäppchenjäger

Die Deutsche Telekom startet ein viertes Ausbaugebiet mit Fiber-to-the-Home in Potsdam.

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Von
  • Richard Sietmann

Nach einem Pilotversuch in Dresden-Striesen und den zwei Ausbauvorhaben in Hennigsdorf und Braunschweig hat die Deutsche Telekom am Dienstag in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam den Ausbau ihres Zugangsnetzes mit Glasfaser-Hausanschlüssen gestartet. Noch in diesem Jahr sollen mehr als 3700 Gebäude mit 21.000 Haushalten in den Ortsteilen Potsdam West an der B1 zwischen Zeppelinstraße und Geschwister-Scholl-Straße sowie in Potsdam Süd entlang der Heinrich-Mann-Allee versorgt sein und Endkunden Anschlüsse mit bis zu 200/100 MBit/s im Down-/Upstream erhalten können. Eingesetzt wird die von der Telekom favorisierte GPON-Technik.

Die Voraussetzung dafür, die Glasfaser ins Haus zu bekommen, ist eine Eigentümergenehmigung, die der Immobilienbesitzer der Telekom erteilen muss. Hauseigentümer, die den Nutzungsvertrag für lichtwellenleiterbasierte Grundstücks- und Gebäudenetze (NVGG) bis zum 15. Juli abschließen, erhalten den Glasfaser-Anschluss kostenlos. Wer sich erst später entscheidet und nachträglich ans Glasfasernetz angeschlossen werden möchte, muss die dann anfallenden Erschließungskosten in Höhe "von mehreren hundert Euro" selbst tragen.

Ist die Genehmigung erteilt, übernimmt die Telekom bei Mehrfamilienhäusern auch die Installation des Inhausnetzes vom Keller bis zu den Etagenverteilern im Treppenhaus sowie der Anschlüsse in den einzelnen Wohnungen, sofern der Wohnungsinhaber dies wünscht. "Wir gehen mit der Glasfaser bis in die Wohnungen hinein", erklärte der Leiter der Niederlassung Netzproduktion der Telekom Deutschland GmbH, Rüdiger Caspari, bei der Vorstellung des Projektes. Dies jedoch "erst, wenn ein Produkt bezogen wird", und das könne, wie er betonte, "auch ein Wettbewerbsprodukt sein". Mieter oder Eigentümer werden also nicht auf die Internet-, Telefon- und IPTV-Angebote der Telekom angewiesen sein, sondern sie können Dienste auch von anderen Netzbetreibern beziehen. "Wir werden", bekräftigte Caspari die Open-Access-Politik seines Unternehmens, "die Glasfasernetze für Wettbewerber öffnen".

Insgesamt will die Deutsche Telekom in diesem Jahr bis zu 160.000 Haushalte in ausgewählten Stadtteilen von zehn Städten (Braunschweig, Brühl, Hannover, Hennigsdorf, Neu-Isenburg, Kornwestheim, Mettmann, Offenburg, Potsdam und Rastatt) mit Glasfaseranschlüssen versorgen. Das eigene VDSL-Angebot, für das die Glasfaser bis zum Kabelverzweiger geführt wurde – von dort erfolgt die Übertragung auf der restlichen Strecke von wenigen hundert Metern über die klassischen Telefonleitungen –, wird dabei aber nicht kannibalisiert; beim Ausbau mit Fiber-to-the-Home (FTTH, mehr dazu in einem YouTube-Video der Telekom) konzentriert man sich auf Gegenden außerhalb der VDSL-Gebiete.

Der eigentliche FTTH-Start soll im kommenden Jahr stattfinden. Ob allerdings das von Telekom-Chef René Obermann vor einem Jahr für den Einstieg in die "Gigabit-Gesellschaft" ausgegebene Ziel erreicht wird, bis Ende 2012 bis zu zehn Prozent der deutschen Haushalte, also rund vier Millionen Wohneinheiten, mit der Glasfaser erschlossen zu haben, erscheint mehr als fraglich – dazu müssten täglich 10.000 FTTH-Anschlüsse installiert werden. (anw)