Blick nach vorn
Blick nach vorn
Die Heise-Leser sind sich einig: Sie wollen 3D sehen, erleben, empfinden; das hat unsere Online-Umfrage ergeben. Die 3D-Faszination ist da, der Wille zum Kauf auch und die Geräte dürfen sogar mehr kosten (siehe Seite 78). Allerdings ist das 3D-Erlebnis bei vielen nicht nur positiv besetzt: Mehr als jeder Dritte klagt über körperliche Beeinträchtigungen beim 3D-Gucken.
Das hat mich überrascht - obwohl es mir auch so geht: Wenn ich im Labor hocke und länger als zwei Stunden die 3D-Fähigkeiten großer TV-Schirme begutachte, tritt gefühlt genau das ein, wovor mich meine Eltern als Kind immer gewarnt haben: "Sitz nicht so viel vor dem Fernseher, sonst kriegst du eckige Augen!"
Bisher dachte ich, dass SchwindelgefĂĽhl und buntes Augenflirren einzig und allein an der anstrengenden Laborsituation liegen. Zumal mich die Symptome im 3D-Kino noch nicht befallen haben. Nach der Umfrage bin ich mir da nicht mehr so sicher.
Meine Gehirnwindungen wissen aus jahrzehntelanger (Spiele-)Erfahrung, dass ich mir das flache Monitor- und Fernsehbild selbst tief sehen muss. Und jetzt hat das Bild plötzlich wirklich Tiefe - das scheint nicht nur mich zu überfordern. Zweifellos brauchts auch ein bisschen Übung mit dem 3D-Gucken. So wie beim Malen mit dem Zeichentablett, wenn die Hand auf Tischhöhe das ausführen soll, was den Augen am Bildschirm vorschwebt. Perfekt werd ich mit dem Zeichentablett wohl nie. Beim 3D-Gucken wird das sicher anders.
Bis dahin gibts bei mir im Wohnzimmer erstmal keinen 3D-Fernseher. Lieber fülle ich weiter die Kassen der Kinobetreiber, wenn ich mal wieder richtig eintauchen will. Von Berufs wegen bleibe ich aber optimistisch: Zuerst werden die nervigen 3D-Brillen verschwinden. Und dann sehe ich dem Mörder im Tatort nicht mehr bloß von Ferne zu. Oh nein, ich schaue ihm beim Meucheln direkt über die Schulter! Dank der Integral-Imaging-Technik und ihren vielen Ansichten - mit so einem Display ist man echt viel näher an der Realität. Allerdings sind die ersten Geräte noch ziemlich weit weg vom wohnzimmertauglichen Großbildschirm.
Noch besser wäre ohnehin ein Bild so richtig zum Drumherumgehen. Wie beim Hologramm. Doch das liegt noch nicht in greifbarer Nähe. Und die x-te Variante der Brillentechnik rückt es sicher auch nicht dahin. Ich für meinen Teil hab das große Ziel aber schon lange vor Augen: Eines Tages spaziere ich - ganz ohne Schwindel oder Augenflirren - mit Jean-Luc übers Holodeck. (uk)