Mehr Power, weniger Nerv
Die Blu-ray-Software PowerDVD 10 Ultra Mark II strotzt vor Funktionen, nervt im Auslieferungszustand aber mit Nötigungen zur Registrierung, ungefragten Filmempfehlungen und Upgrade-Angeboten. Mit etwas Geduld lassen sich die Belästigungen reduzieren, bis der leistungsstarke Kern des Programms offen liegt.
- Gerald Himmelein
Die derzeit drei flexibelsten Blu-ray-Player für Windows sind Arcsoft Total MediaTheatre 5, Corel WinDVD Pro 2010 und CyberLink PowerDVD 10 Ultra Mark II. Wie bereits in c’t 7/11 beschrieben, schwächelt die Arcsoft-Software beim Upscaling von SD-Inhalten. Hier brilliert hingegen WinDVD, ist dafür im Blu-ray-Betrieb nur eingeschränkt fernbedienbar [1].
Somit eignet sich PowerDVD noch am ehesten zum FĂĽttern eines Beamers. Insgesamt bietet der Player ein gutes Leistungsspektrum: einen Upscaler und Frame-Interpolation zum Aufpolieren von SD-Inhalten, einen ordentlichen adaptiven Software-Deinterlacer fĂĽr Video-DVDs sowie hardwarebeschleunigte Wiedergabe von Blu-ray Discs.
Im Auslieferungszustand ist PowerDVD allerdings eher eine Zumutung. Egal ob man die Software am Notebook oder am Beamer nutzen will: Immer wieder schieben sich aufdringliche „Features“ in den Vordergrund, die Informationen aus dem Internet nachladen. Um PowerDVD zu zähmen, bedarf es stellenweise tief reichender Eingriffe. Fangen Sie am besten mit den einfachsten Änderungen an.
Konfigurationsdetails
Beim ersten Start bietet PowerDVD an, einen „3D-Bildschirm“ einzurichten – falls Sie kein solches Gerät besitzen, sollten Sie das Angebot aussschlagen. Öffnen Sie danach mit Strg+C den Konfigurationsdialog.
Die folgenden Einstellungen sind darauf ausgelegt, dass sich dem Filmgenuss so wenig wie möglich in den Weg stellt. Die meisten Anpassungen lohnen sich nicht nur für einen Heimkino-PC, sondern auch bei der Filmwiedergabe an einem konventionellen PC oder Notebook.
Die Rahmenbedingungen für einen Heimkino-PC wurden in einem vorangegangenen Artikel ausführlich beschrieben [1], deshalb hier nur das Wesentliche: PowerDVD soll nichts Unnötiges in den Vordergrund drängen – Update-Popups etwa oder Filmempfehlungen.
Im Bereich „Player“ wählen Sie aus der Dropdown-Liste „Einstellung der automatischen Wiedergabefortsetzung“ die Option „Wiedergabe ab der letzten Szene fortsetzen“. Die Upgrade-Angebote im Konfigurationsfenster deaktiviert man über „Automatisch mit dem Internet für Produktinformationen verbinden“.
Die folgenden Vorschläge für den Bereich „Video“ sind teils Geschmackssache. Wer die Bildqualität schon im Auslieferungszustand top findet, der kann die folgenden Tipps überspringen. Wer etwas mehr Kontrolle über die Qualität der Bildnachbearbeitung behalten will, schaltet unter „TrueTheater-Effekte“ zuerst „Automatische Einstellung“ aus. Für schönere DVD-Bilder aktivieren Sie den Upscaler „TrueTheater HD“ und regeln Sie den darunterliegenden Regler auf „Scharf“ herunter – sonst entstehen mitunter störende Artefakte.
„TrueTheater Lighting“ hebt dynamisch die Kontraste und Farbintensität an. Manche mögen es gern bunt. Anderen ist schon die Vorstellung ein Graus, an der Bildbalance des Originalmaterials herumzupfuschen; sie schalten die Option aus.
Schöner mit Maß
„TrueTheater Motion“ heißt die Frame-Interpolation, die die Bildwiederholrate des Quellmaterials an die Bildfrequenz des Displays oder Beamers angleicht. Die Einstellung „Glatter“ reduziert die Zahl der neu errechneten Bilder – das verhindert, dass Filmmaterial plötzlich aussieht wie eine Daily-Soap (Daher wird das Ergebnis in c’t-Artikeln oft als „Soap-Effekt“ beschrieben).
Weiter geht’s im Bereich „Blu-ray Disc“. Hier sollte man auf jeden Fall „BDJ-Tastaturunterstützung aktivieren“ ausschalten, sonst funktioniert die Steuerung der BD-Menüs mit den Pfeiltasten nicht. Bei der Heimkino-PC-Beispielkonfiguration machte es keinen Unterschied, ob man hinter dem Knopf „Erweitert“ unter „Windows Aero“ die Option „PowerDVD ermöglichen, Windows-Aero automatisch zu deaktivieren …“ ausschaltete. Wer kein 3D-Display hat, sollte im Karteireiter „Blu-ray 3D“ die „Blu-ray 3D Unterstützung“ deaktivieren.
Der letzte zu konfigurierende Bereich ist „Movie Remix“: Hier entfernt man einfach beide Haken. So viel zu den leicht zu konfigurierenden Parametern.
In die Eingeweide
Der Registrierungsdialog von PowerDVD lässt sich zwar aufschieben, innerhalb des Programms aber nicht komplett abschalten. Hier kann man entweder die weiße Fahne hissen und den Dialog ausfüllen. Oder aber man wechselt im Windows-Explorer in den Programmordner (%ProgramFiles%\CyberLink\PowerDVD10) und benennt dort das Verzeichnis „OLRSubmision“ um, etwa in „no OLRSubmission“. Findet PowerDVD das Registrierungsprogramm nicht mehr, entfallen die Erinnerungen.
Wer PowerDVD per Maus und Tastatur bedient, mag sich im Task-Manager über einen „PowerDVD RC Service“ wundern. Trotz des Namens handelt es sich um keinen Systemdienst, sondern um eine Anwendung zur Einbindung von Fernbedienungen. Damit lässt sich PowerDVD sogar mit Microsofts Fernbedienung für das Windows Media Center steuern.
Anwender ohne Fernbedienung und solche, die eine MCE-Fernbedienung mit EventGhost oder Girder umprogrammieren wollen, finden den RC Service eher lästig. Das CyberLink-Utility fängt alle HID-Codes der MCE-Fernbedienung ab, sodass EventGhost & Co. davon nichts mehr mitbekommen.
Bei der Installation klinkt PowerDVD das Hilfsprogramm ohne Rückfrage als „RemoteControl10“ in den Autostartbereich der Registry ein (bei einem 64-Bit-Windows unter HKLM\Software\Wow6432Node\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Run). Es reicht nicht, diesen Eintrag per Autoruns oder MSconfig zu deaktivieren – dann initialisiert PowerDVD den RC Service beim Programmstart. Auch hier hilft also nur die harte Tour: Benennen Sie die Datei PDVD10Serv.exe im PowerDVD-Programmordner um (z. B. in „no PDVD10Serv.exe“).
Diese beiden Schritte muss man ĂĽbrigens nach dem Einspielen eines Programm-Updates wiederholen, da die Updater sowohl das OLR-Verzeichnis als auch den RC-Service wiederherstellen. Was tut man nicht alles, um auch morgen noch Blu-rays gucken zu dĂĽrfen.
Community-Austritt
CyberLink versucht recht aufdringlich, Anwendern seine Film-Community „MoovieLive“ nahezubringen. Sie soll PowerDVD-Besitzern ähnliche Filme empfehlen, Bewertungen ansammeln und „Film-Remixe“ anbieten. Selbst wenn man die Lizenzbedingungen von „MoovieLive“ bei der Installation ablehnt, erscheint vor und nach der Wiedergabe eines Films der MoovieLive-Bildschirm mit Empfehlungen.
Um sich MoovieLive zu entledigen, ergänzt man den PowerDVD-Ast der Registrierungsdatenbank (in Windows 7 64-Bit unter HKLM\SOFTWARE\Wow6432Node\CyberLink\PowerDVD10) um folgende Einträge:
UI_MLiveEnableFeature DWORD 0
UI_EnableEmbeddedBrowser DWORD 0
UI_EnableQuickReviewInPause DWORD 0
MoovieLive_InternalDemo DWORD 0
Zudem sollte man zwei bereits vorhandene Werte auf 0 setzen:
EnableMovieLibrary DWORD-Wert 0
EnableMovieRemix DWORD-Wert 0
Drei weitere Registry-Änderungen schalten diverse Nervdialoge ab. „UI_Enable3DFeature“ steuert die Rückfrage, ob man 2D-Inhalte 3D-isieren will. „UIASKMouseDlgInBDJ“ aktiviert eine Abfrage zur Verwendung der Maus in BDJ-Menüs und „UI_DisableUpgrade“ knipst den Upgrade-Knopf im Programmfenster ein oder aus. Die empfohlenen Einstellungen lauten:
UI_Enable3DFeature DWORD-Wert 0
UIASKMouseDlgInBDJ DWORD-Wert 0
UI_DisableUpgrade DWORD-Wert 1
Die genannten Registry-Änderungen gehen auf die Arbeit des CyberLink-Forenteilnehmers „ADHDerby“ zurück. Der c’t-Link am Artikelende führt zu .REG-Dateien, mit denen sich die angesprochenen Änderungen direkt in die Registry übertragen lassen (in Versionen für 64-Bit-Windows und 32-Bit-Windows). Die Registry-Änderungen überstehen auch Revisions-Updates von PowerDVD.
Eins geht leider nicht: Der übertrieben poppige, mit Logos garnierte Startbildschirm von PowerDVD 10 lässt sich nicht durch dezentere Alternativen ersetzen. Bis PowerDVD 8 konnte man dies noch direkt im Programm tun. Bei den ersten Revisionen von PowerDVD 10 Ultra ließ sich die Standard-Skin mit einem Ressourcen-Editor patchen; aktuelle Builds lassen sich das aber nicht mehr gefallen. Hier hilft auch der Download eines der im Internet herumfliegenden „Skin Packs“ nichts; sie führen nur zum Absturz des Programms.
Literatur
[1] Gerald Himmelein, Beamer-Fütterung, c’t 7/11, S. 166