Festplatten und SSDs: Verkaufspreise ziehen deutlich an
Endkunden sehen sich mit steigenden Plattenpreisen konfrontiert – laut heise resale Preisradar kletterten die durchschnittlichen Angebotspreise im Onlinehandel zur Vorwoche um über 15 Prozent. Die HEKs bleiben bisher hingegen weitgehend stabil.
Obwohl die Vorzeichen auf Sturm stehen, hält der HEK in den vergangenen Wochen ein stabiles Niveau. Wobei ein Teil der Aufschläge noch vom Dollarkurs kaschiert wird.
Die Ereignisse in Japan zeigen deutliche Auswirkungen auf den Festplattenmarkt. Ende Februar erwartete die Branche noch weitere Preisabschläge, nun muss der Handel mit einem Anstieg rechnen. "Es wurde von allen Herstellern eine abnehmende Verfügbarkeit von Harddisk-Schreib- und Leseköpfen gemeldet", erklärt Gunnar Laase, Produktmanager HDD bei Devil. "Damit hängen wohl auch die zum aktuellen Zeitpunkt eher untypischen leichten Preiserhöhungen und die verhaltenen Warenflüsse zusammen. Noch ist nicht ganz klar, inwieweit diese Indikatoren faktischer oder eher psychologischer Natur sind. Es ist keineswegs sicher, dass jetzt steigende Preise durchsetzbar sind. Die möglichen Auswirkungen auf Preise und Verfügbarkeiten werden erst Ende des zweiten oder dritten Quartals einsetzen."
Gegenwärtig ist die Nachfrage nach internen und externen Festplatten sehr gut. Nicht zuletzt auf Grund der aufkommenden Unsicherheit in Bezug auf anstehende potentielle Engpässe. "Am besten verkaufen sich nach wie vor 3,5-Zoll-Laufwerke mit ein und zwei TByte Speicherkapazität sowie 2,5-Zoll-Drives mit 500 GByte – in der internen als auch der externen Version", sagt Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution. "Momentan sind die Produkte noch gut verfügbar; wir rechnen allerdings damit, dass es in Kürze zu Engpässen kommen könnte, insbesondere im 2,5-Zoll-Bereich."
Die Geschehnisse in Japan verunsichern den Markt nachhaltig. "Aussagen wie es weitergeht können nur bedingt getroffen werden, da es gilt, die Lieferkette bis auf die letzte Komponentenebene und sogar darüber hinaus auch auf Rohmaterialien abzuklopfen", meint Bernd Breinbauer, Regional Sales Director Zentraleuropa bei Seagate Technology, gegenüber heise resale. " Es vergeht sicher noch einige Zeit, bevor eine klare Abschätzung möglich ist. Selbst wenn die Festplatten-Hersteller nicht direkt betroffen wären, bleibt ein großes Fragezeichen wie sich eine Komponentenverknappung beispielsweise für die Zielprodukte (PC, Notebooks, STBs) auswirkt." Welchen Einfluss das auf den Total Available Market (TAM) hat, könne niemand mit Bestimmtheit sagen.
"Wer seine Hausaufgaben im Sinne einer gesunden Beziehungspflege zwischen Hersteller und Kunden noch nicht gemacht hat, wird es gegebenenfalls schwer haben, seine Projekte zu realisieren", ergänzt Breinbauer. "Mit anderen Worten, wer nur zu billigsten Konditionen einkauft, wird jetzt Probleme bekommen, regelmäßig beliefert zu werden." Letztendlich sei eine Preiserhöhung die schlüssige Konsequenz der aktuellen Marktlage.
Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:
Actebis Peacock
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ecom GmbH
Ingram Micro GmbH
Endkunden mĂĽssen bereits tiefer in die Tasche greifen. Von der KW 13 zur KW 14 ist der durchschnittliche Angebotspreis im Onlinehandel laut heise resale Preisradar von 71,56 Euro auf 84,36 Euro (brutto) gestiegen. Dies entspricht binnen Wochenfrist einem Anstieg von 15,2 Prozent. Die meistgesuchte Festplatte bleibt Samsungs 2-TByte-Laufwerk Ecogreen F4 HD204UI, gefolgt von der Western Digital WD20EARS mit ebenfalls zwei TByte.
Im HEK schlägt sich die Marktsituation indessen noch nicht nieder. Die Preis-Tendenz zeigt aktuell nur moderat nach oben – wobei 2- und 3-TByte-Laufwerke sogar noch unter den Kursen der KW 8 Ende Februar liegen. Allerdings hilft derzeit auch der Euro/Dollar-Kurs, der in der KW 14 hierzulande zirka vier Prozent der Preiserhöhung ausgleicht. Im Prinzip lautet der Expertenrat an den Handel, sich jetzt mit Ware einzudecken. Gleichzeitig kann vor Panikkäufen nur gewarnt werden, weil diese die Preise nur zusätzlich nach oben treiben würden. Nachdem im zweiten Quartal die Nachfrage saisonbedingt typischerweise zurückgeht, könnte die Branche in der aktuellen Situation zunächst mit einem blauen Auge davon kommen. (map)