FSF-Gründer will weiteren Abkommen à la Novell/Microsoft vorbeugen
Rechtzeitig vor der endgültigen Abfassung sei die FSF durch das Patentabkommen zwischen Microsoft und Novell auf eine Lücke in der kommenden GPLv3 aufmerksam geworden, erläuterte Richard Stallman.
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Richard Stallman, Gründer der Free Software Foundation (FSF), hat sich vorige Woche auf der 5. Internationalen GPLv3-Konferenz in Tokio zum Novell-Microsoft-Pakt geäußert. Weder nach der Version 2 der GNU General Public Licence, noch nach dem bisherigen Entwurf für die dritte Version stelle das Abkommen der beiden Firmen einen Verstoß gegen die Grundlagen der Lizenz dar, sagte er laut einer von der FSF Europe veröffentlichten Mitschrift. So habe der Pakt sein gutes, denn es sei noch nicht zu spät, den Text für die GPLv3 zu ändern, um solche Vereinbarungen, die eine Bedrohung für die Anwender darstellten, zu unterbinden.Linux-Verband sieht Ballmer-Äußerungen über Linux als Vista-Marketing
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Bei früherer Gelegenheit hieß es aus den Reihen der FSF beispielsweise von deren Rechtsvertreter Eben Moglen, das Patentabkommen zwischen Microsoft und Novell sei nicht GPLv3-konform. Stallman erläuterte nun, Microsoft habe Novell nicht eine allgemeine Patentlizenz erteilt, sondern eine, die sich auf die Kunden beschränke. Die Autoren der GPLv3 hätten zuvor bereits über derartige Möglichkeiten nachgedacht, es aber schlicht unterlassen, sie konkret einzubeziehen. So würden bisherige, zu vage gefasste Bestimmungen exakter formuliert.
Die FSF hatte genau heute vor einem Jahr für Januar die erste Version der GPLv3 angekündigt, seit Ende Juli liegt der aktuelle zweite Entwurf für die Überarbeitung der mittlerweile über 15 Jahre alte GPLv2 vor. Im kommenden Frühjahr soll die Endfassung vorliegen.
Novells Open-Source-Stratege Nat Friedman mochte sich – so wie auch sein Chef Ron Hovsepian in einem Interview – noch nicht konkret zu den Ankündigungen Stallmans äußern, da noch keine Formulierungsvorschläge für neue Bestimmungen vorliegen. Die Tatsache, dass über die GPLv3 diskutiert werde, deute darauf hin, dass das Abkommen seines Unternehmens nicht mit der momentan gültigen GPL-Fassung kollidiere, sagte er in einem OpenSuse-Chat. Auf den Vorwurf, Novell spalte die Open-Source-Gemeinde, antwortete Friedman in dem Chat, nicht sein Unternehmen, sondern diejenigen, die es diskriminierten, trieben einen Keil in die Gemeinde.
Zur Kooperation zwischen Microsoft und Novell und den Reaktionen darauf siehe auch:
- Hintergrundartikel auf heise open: Was die Kunden wollen – Microsoft und Novell kooperieren
- Analyse auf heise open: Erdbeben im Linux-Markt: Oracle, Microsoft, Novell – und die Folgen
- GPLv3, Website der Free Software Foundation