Australische Polizei untersucht möglichen Identitätsdiebstahl in indischen Callcentern
Reporter eines australischen Fernsehmagazins wurden Personen-Datensätze aus einem indischen Callcenter angeboten. Der Generalbundesanwalt hat die Polizei beauftragt, in diesem Fall erste Ermittlungen aufzunehmen.
Reporter des australischen Fernsehmagazins Four Corners berichten, ihnen seien Informationen über 1000 Australier von einem indischen Zwischenhändler angeboten worden. Die Datensätze, die aus einem indischen Callcenter stammten, enthielten unter anderem Namen, Adressen, Telefonnummern, Ausweis- sowie Kreditkartendaten. Ein Satz Personendaten sei für 10 australische Dollar (gut 6 Euro) zu haben. Der australische Generalbundesanwalt Philip Ruddock habe die Australian Federal Police mit Ermittlungen in diesem Fall beauftragt. Australische Firmen hätten dafür zu sorgen, dass die erhobenen Daten bei ihnen sicher aufgehoben sind und müssten bei Zuwiderhandlungen mit Strafen rechnen.
Die australische Firma Switch Mobile hat ihr Telefon-Marketing an das Unternehmen One Touch Solutions ausgelagert, das wiederum die indische Firma Brick and Click mit den Callcenter-Aktivitäten beauftragt hat. Von dort sollen die fraglichen Personendaten stammen. Ein Sprecher von Switch Mobile wundert sich über die Detailtiefe der Daten, denn sein Unternehmen benötige sie nur für die Rechnungsabwicklung, also beispielsweise nicht die Ausweisnummern. Ein Kunde der Firma sagte gegenüber den Fernsehreportern aber aus, ein Callcenter-Mitarbeiter habe ihn um die Ausweisnummer gebeten.
Ein Sprecher der National Association of Software and Service Companies (NASSCOM) versichert, Indien sei einer der sichersten Informationsumschlagplätze. Ende Juni hat der indische Premierminister Manmohan Singh das Ministerium für Informationstechnologie und die NASSCOM aufgefordert, Vorschläge zur Änderung bisheriger Gesetze zu erarbeiten, um den Datenschutz zu verbessern. Kurz zuvor hatte das britische Blatt The Sun berichtet, ein verdeckter Reporter habe einem indischen Callcenter-Mitarbeiter etwa 1000 Datensätze über Bankkonten abgekauft. (anw)