Themenmolekül: Science Slams und Biermathematik
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit wunderschönen Viren und einem Pipizzamesser.
- Peter Glaser
Glasers gesammelte Linkwolke aus der Welt der Wissenschaft und Technologie. Heute unter anderem mit wunderschönen Viren und einem Pipizzamesser.
Auf meinen Expeditionen durch das Netz finde ich immer wieder bemerkenswerte Informations-Atome, die sich im Lauf der Zeit zu Themenmolekülen verbinden. Gelegentlich möchte ich an dieser Stelle solche Link-Gravitationswolken aus der Welt der fröhlichen Wissenschaft und Technologie vorlegen – diesmal unter anderem mit wunderschönen Viren, Schmuck aus Äderungen und einem Pipizzamesser.
Kreative Diagramme: Wem die herkömmliche Art der Abbildung von Mengen und Verhältnissen zu einförmig ist, dem kann heute ausreichend geholfen werden. So hat der dänische Informationsdesigner Peter Ørntoft eine Serie mit Infografiken geschaffen, in denen die Daten unter anderem von Menschen repräsentiert werden. Oder man läßt sich die Euler- oder Venn-Dagramme, um sie wirklih zu behalten, auf den Arm tätowieren. Und wer's gern weicher hat: kein Problem, es gibt auch Diagramm-Kissen.
Raus aus dem Elfenbeinturm: Nicht nur Musiker und wilde Dichter haben ihre energiegeladenen Slams. Mit den Science Slams entwickelt sich gerade eine neue Show-Kultur für junge Wissenschaftler. Trockene Forschung verwandelt sich in wunderbaren Lesebühnen-Pop. Sie haben drei Minuten: In dieser Zeit versuchen talentierte Nachwuchsforscher, die Spaß an ihrer Arbeit und am Erklären haben, das Publikum unterhaltsam zu erhellen und ihr Ding auf den Punkt zu bringen.
Elegantes Äderwerk: Die MIT-Absolventen Jessica Rosenkrantz und Jesse Louis-Rosenberg sind Nervous System, ein Designstudio an den Schnittpunkten von Wissenschaft, Kunst und Technologie. Sie haben eine Schmuck-Serie namens Hyphae gemacht, der von den venösen Strukturen inspiriert ist, die Lebenssäfte durch die Blätter von Pflanzen oder den menschlichen Kreislauf verteilen. Die filigranen Gebilde aus 3D-geprintetem Nylon basieren auf einer Simulation von organischem Wachstum.
Früher war alles so, wie man es auch heute kann: Eine der angenehm an alte Schulbücher erinnernden Ilustrationen von Manuela Montero aus Santiago de Chile. Dazu hier noch die Website von Montero, ihr Portfolio auf dem Behance Network und ihren Fotostream auf Flickr, wo sie magnolia heißt.
Fantastische Virus-Modelle von 1966: Für die LIFE-Ausgabe vom 18. Februar 1966 schuf der Modellbauer Ted Klotz eindrucksvolle Darstellungen der allerkleinsten Angreifer, etwa dieses 2.700.000-fach vergrößerte Adenovirus, das Fieber, trockene Kehle und entzündete Augen hervorrufen kann, das darunter zu besichtigende Mykoplasma und einer Reihe weiterer Winzigkeitswunder. Die Aufnahmen zu der Titelgeschichte The Virus Enemy ("Medicine's Newest Discoveries about Viruses and How Your Body Fights Them") hat der legendäre Fotograf Yale Joel angefertigt, von dem es hier eine weitere Übersicht an Arbeiten zu sehen gibt.
Motten und Himmelskörper: Der französische Künstler, Astronom und Amateur-Insektenforscher Étienne Léopold Trouvelot (1827–1895) hat sich einen Namen gemacht, indem er den im Englischen Gypsy Moth genannten Schwammspinner in Nordamerika einschleppte – Trouvelot war der irrigen Ansicht, die Tiere zur Seidenproduktion einsetzen zu können. 1875 wurde der begnadete Zeichner an das U. S. Naval Observatory eingeladen und konnte ein Jahr lang den dortigen 26-Zoll-Refraktor benutzen. Trouvelot schuf im Lauf seines Lebens an die 7.000 astronomische Illustrationen, wie etwa diese hier.
Es wird einmal Reisen in den Weltraum geben: "Your Science World" aus dem Jahre 1955 ist ein Schulbuch, in dem sich die bereits deutlich aufkommende Begeisterung für Raketen und Raumfahrt abzeichnet. Dicke, knuffige Flugkörper wechseln mit realistischen Bahnberehnungen ab. Hauptsahe es geht, wie auch immer, aufwärts.
Ist es ein Basketballkorb? Ein Mülleimer? Ist es Kunst, oder kann es weg? Eine möglicherweise sportliche anatomische Aberration ist dieser mülltütenbespannte Brustkorb namens "Institute", geschaffen von dem schwedischen Künstler Magnus Wallin.
Mathematik hilft essen: Ein Pizzaschneider in Pi-Form, was sich natürlich auf Englisch bedeutend verspielter zum Ausdruck bringen läßt – "Cut Your Pie with Pi" (das heißt zwar Torte und nicht Pizza, alliteriert dafür aber ausgesprochen angenehm). Der Pipizzaschneider ist, wie auch immer, die fraglos nerdigste Art, kreisrunde italienische Lebensmittel zu zerteilen. Es gibt ihn in drei Farben zu je 17,99 Dollar.
Wie rum jetzt? Die Kleinsche Flasche ist ein bei Mathematikern beliebtes Objekt zur Verwirrung von Nichtmathematikern, das nach dem deutschen Mathematiker Felix Klein benannt ist und die Eigenschaft besitzt, dass innen und außen nicht unterschieden werden können. Die Kleinsche Flasche besitzt nur eine Seite, die zugleich innen und außen ist, Mathematiker sprechen von einer nicht-orientierbaren Fläche. Die in verschiedenartigen Designs verfügbare Flasche hat endlich auch eine volkstümliche Nutzanwendung gefunden: die Kleinsche Flasche als Bieröffner. (bsc)