Personalisierte Privatsphäre

"RePriv", ein Browser-Forschungsprojekt bei Microsoft Research, soll Nutzern wieder mehr Macht ĂĽber ihre eigenen Daten geben.

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Von
  • Erica Naone

"RePriv", ein Browser-Forschungsprojekt bei Microsoft Research, soll Nutzern wieder mehr Macht ĂĽber ihre eigenen Daten geben.

Viele Websites offerieren heutzutage eine Art Datenschutz-Pakt mit dem Teufel: Wer persönliche Informationen preisgibt, erhält nützliche personalisierte Dienste. Forscher bei Microsoft Research arbeiten derzeit an einem neuartigen Web-Browser samt passender Protokolle, der den Nutzern wieder mehr Kontrolle geben soll. "RePriv" genannt, erfasst die Software zwar lokal das Verhalten des Users, kontrolliert anschließend aber genau, welche dieser Daten ins Internet gegeben werden, um beispielsweise ein erstmals besuchtes E-Commerce-Angebot automatisch nach dem Geschmack des Nutzers einzurichten.

"Der Browser weiĂź mehr ĂĽber den User als eine einzelne Website", sagt Ben Livshits, der an RePriv arbeitet. Deswegen sei das Tracking auf dem Rechner einfacherer, gleichzeitig aber auch besser schĂĽtzbar, weil es nicht automatisch an jedes Angebot weitergegeben werde.

Der neuartige Browser ermittelt aus dem Nutzerverhalten zunächst die Hauptinteressen eines Users. Dabei geht die Software ähnlich vor, wie dies Google etwa seit mehreren Jahren bei seinen "Interest Based Ads" tut. Der Unterschied: Der Nutzer weiß von vorneherein, was RePriv sammelt, es geschieht mit seinem Einverständnis.

Besucht der User anschließend eine personalisierbare Seite, erscheint ein Pop-up-Fenster, das beschreibt, welche Daten angefordert werden. Anschließend kann er den Austausch erlauben oder verbieten. Wie immer sich der Nutzer auch entscheidet, die Website erhält nie die Gesamtinformationen über das Userverhalten. Stattdessen werden jeweils nur Daten über Interessen ausgetauscht.

Als praktisches Beispiel nennt Livshits die Anpassung der Homepage eines Nachrichtenangebots. Im Demonstrator von RePriv ist das die Seite der "New York Times". Deren Aufbau wird anhand der Lieblingsthemen des Nutzers bestimmt – gesammelt aus früheren Surftouren durch soziale Netzwerke und News-Aggregatoren wie Digg. Nur die Kategoriedaten gehen dabei an die Zeitung.

Livshits räumt ein, dass RePriv weiterhin Daten an Websites überträgt. Doch im Gegensatz zu aktuellen Trackingverfahren soll der Nutzer dabei stets die Kontrolle behalten. "Cookies und andere bestehende Techniken sammeln schon jetzt deutlich mehr Daten, als RePriv je herausgeben würde."

Die Forscher haben außerdem eine Methode entwickelt, mit der Drittanbieter die Funktionen von RePriv erweitern könnten. Als Beispiel nennt Livshits Videodienste wie Netflix, die detailliertere Daten über den Filmgeschmack eines Nutzers sammeln. Diese ließen sich dann an andere Seiten wie Kinokartendienste weiterreichen, wenn der Nutzer dies erlaubt.

"Datenschutz und Personalisierung widersprechen sich derzeit oft", sagt Elie Bursztein vom Stanford Security Laboratory, die gerade eine Erweiterung für den Google-Browser Chrome entwickelt, die Nutzern mehr Privatsphäre geben soll. Das gelte für Empfehlungsdienste ebenso wie für zielgerichtete Werbung. "Wenn man die Personalisierung in den Browser verlagert, könnte das ein neuer Weg sein, Usern Kontrolle zurückzugeben."

Ari Juels, Leiter des Forschungslabors beim IT-Sicherheitsspezialisten RSA, sieht das ähnlich: "RePriv und ähnliche Ansätze könnten zumindest mittelfristig zu einer Schnittstelle werden, die die Diensteanbieter von der Nutzung missbräuchlicher Formen der Personalisierung abhält." Die Frage sei aber, ob die Rückbesinnung auf lokale Daten nicht aktuellen Trends widerspreche, immer mehr Daten ins Internet zu verlagern. "Viele Dienste wie Facebook speichern alle Informationen inzwischen in der Cloud." RePriv käme gegebenenfalls einfach nicht an diese Daten.

Ebenfalls unklar ist, wie Nutzer mit RePriv umgehen. Möglicherweise, so Juels, werde das dauernde Fragen nach der Freigabe sogar dazu führen, dass mehr Informationen fließen. "Trotz allem würde RePriv den Nutzern wieder mehr Macht geben." Allerdings müssten die Diensteanbieter erst einmal mitspielen. (bsc)