Studie über digitale Kommunikationsmittel in Indonesien
Moderne Kommunikation ist für viele Indonesier ein wichtiger Teil ihres Alltags geworden, doch die Verbindung zum Netz ist schwierig.
Es gibt Länder, in denen die Internetanbindung einfacher ist als in Indonesien mit seinen fast 240 Millionen Einwohnern, verteilt auf 2 Millionen Quadratkilometer und mehr als 6000 Inseln. Forscher der Universität Manchester haben nun genauer untersucht, wie die Internetnutzung in diesem Land aussieht. Und sind dabei zu teils erstaunlichen Erkenntnissen gekommen.
Moderne Kommunikation ist für viele Indonesier ein wichtiger Teil ihres Alltags geworden, doch die Verbindung zum Netz schwierig. Die vielen Inseln sind nur schwer mit Kabeln an die Informationsgesellschaft anzubinden. Deshalb spielt insbesondere die Nutzung von Mobiltelefonen für das Land eine wichtige Rolle, außerhalb der Ballungszentren ist die mobile Kommunikation oft die einzige verfügbare Anschlussmöglichkeit.
(Bild: Manchester Business School)
Das führt den Autoren der Studie zufolge zu teils direkten Auswirkungen auf Umwelt und Wirtschaftskreisläufe. Beispielsweise fällten die Menschen Bäume und verkauften das Holz schnell, damit sie sich Mobiltelefone und Mopeds kaufen können, heißt es in der Studie. Für Mobiltelefone werde aber regelmäßig neues Guthaben benötigt. Als Job biete sich Mopedtaxifahrer an, damit lasse sich einfach Geld verdienen. Mit den Mopedtaxen verschwänden zudem auch die Rikschas.
Nur wenige Indonesier haben einen Zugang zum Netz in den eigenen vier Wänden; insbesondere viele Einwohner außerhalb der großen Inseln Java und Borneo gehen stattdessen in Internetcafés, die sogenannten Warnet. Sie besuchen dabei oft das Social Network Facebook. Die Population des viertbevölkerungsreichsten Staates der Erde nach China, Indien und den Vereinigten Staaten ist die zweitgrößte Gruppe auf Facebook.
95 Prozent der indonesischen zivilgesellschaftlichen Gruppierungen, die das Netz und Social Media nutzen, sehen das Internet als positiv oder sehr positiv an, um ihre Ziele zu erreichen. Für sie sei es wichtig, ihre Perspektiven über das Lokale hinaus zu erweitern und Kosten zu sparen. Hier spiele der Blackberry Messenger eine große Rolle, ein Tool, das in Europa nie eine besonders große Relevanz erzielt hat. Insgesamt sei aber eine Vielzahl an Kanälen in Kombination aus Messengern, SMS, Telefon und Social-Media-Tools recht verbreitet. Ein Beispiel für eine derartige Nutzungsvielfalt ist die Seite der Organisation Jalin Merapi, die über die Aktivität und eventuelle Probleme durch den bekannten Vulkan Merapi informiert.
Die Wissenschaftler haben festgestellt, dass die vielfältigen und schnellen Veränderungen in Indonesien nicht durch Social Media verursacht würden, aber die Reichweite der Handelnden in ihrem bisherigen Tun verstärken. Statt zum Selbstzweck zu werden, seien die indonesischen Akteure auf einen Einsatz der Technik mit Augenmaß bedacht, bei dem die eigentlichen Ziele im Auge behalten würden. (anw)