Keep Our Orbit Clean
Die NASA will in der Erdumlaufbahn aufräumen. Vielleicht sollte sie ein Spiel daraus machen.
- Niels Boeing
Wo der Mensch hinkommt, hinterlässt er Müll. Weit hat er es im All zwar noch nicht gebracht, aber im erdnahen Weltraum kreisen schon Millionen Schrottstücke von alten Raketenstufen und Satelliten um die Welt. Weil wegen des Kessler-Syndroms sich die Lage in den nächsten Jahren zuzuspitzen droht, muss nun irgendeine Art von Weltraummüllbeseitigung her.
Nun gab es schon länger die Überlegung, dass man den Schrott vielleicht mit einem starken Laser wegbrutzeln könnte. Auf den Weltraum gerichtete Laserkanonen waren ja schon vor 30 Jahren für Reagans SDI-Programm im Gespräch. Das war dann doch zu teuer.
Der NASA-Forscher James Mason hat neulich mit drei Kollegen eine weniger martialische Variante durchgespielt. Ein Industrielaser mit einer Leistung von fünf Kilowatt und einer Wellenlänge von 1,06 Mikrometern könnte genügen, um über den Strahlungsdruck der Photonen kleine Teilchen aus ihrer Bahn zu lenken. Bremst man ihre Geschwindigkeit um einen Zentimeter pro Sekunde ab, würden sie um 2,5 Kilometer pro Tag abgelenkt. Auf diese Weise könnten Teilchen, die auf Kollisionskurs mit anderen Objekten sind, wegbugsiert werden, ohne teure Technik ins All zu schießen, und langsam in niedrigere Umlaufbahnen absinken, bis sie eines Tages verglühen.
Der Laser könnte über ein normales astronomisches Teleskop ausgerichtet werden. Als Beispiel nennen Mason und seine Kollegen das 1,8-Meter-Teleskop auf dem Mount Stromlo in der Nähe von Canberra, das einen gepulsten 100-Watt-Laser verwendet, um bis zu fünf Zentimeter große Schrottteilchen bis zu einer Entfernung von 3000 Kilometern zu erfassen. Um einen nennenswerten Effekt zu erzielen, müsste ein Laser allerdings einige Zeit auf ein Teilchen draufhalten bzw. in regelmäßigen Abständen, wenn das Teilchen in einem hinreichend flachen Winkel zum Horizont auf seiner Bahn auftaucht. Ein Teleskop wie das auf dem Mount Stromlo umzurüsten, würde schätzungsweise drei bis sechs Millionen Dollar kosten.
Angenommen, die Machbarkeitsstudien sind erfolgreich und die NASA will das Geld in die Hand nehmen: Wie würde das System praktisch betrieben? Die Bahnen der bekannten Schrottteilchen können mit dem NASA-Simulationsprogramm "Legend" berechnet werden. Vielleicht sollte die NASA um Legend ein Computerspiel bauen lassen und Gamer weltweit einladen, sich an den Aufräumarbeiten zu beteiligen. Nach dem Motto: Umweltbewusstsein ist auch Weltraumbewusstsein – schließlich ist der Schrott dort teilweise auch für uns entstanden, wenn Satelliten hochgeschossen werden, von denen wir alle profitieren.
Für den höchsten Score im Laufe eines Jahres könnte die NASA dann einen Besuch auf einem ihrer Raumhäfen ausloben. Für den höchsten Score des Jahrzehnts vielleicht einen Flug auf die ISS (sofern es sie dann noch gibt).
(nbo)