Gamestage: Branche warnt vor mehr Regulierung
Der Gesetzgeber dürfe höchstens auf europäische oder globale Bestimmungen setzen, waren sich Branchenvertreter bei der Eröffnung der Deutschen Gamestage einig.
Deutsche Hersteller und Verleger von Computerspielen stehen mit der Politik trotz der abebbenden Debatte über "Killerspiele" auf Kriegsfuß. Der Gesetzgeber sei zwar nicht "der Grund allen Übels", meinte Guido Eickmeyer, Entwicklungschef bei Koch Media, am Montag bei der Eröffnung der Deutschen Gamestage und der damit verknüpften Entwicklerkonferenz "Quo vadis" in Berlin. "Die Gesetzeslage reicht zur Kontrolle aber lange aus", wandte sich der Vertreter des unabhängigen Spieleverlags gegen eine weitere Regulierung. Koch Media müsse den deutschen Markt vielfach "ausklammern".
Eickmeyer bezweifelte, dass in Deutschland ein echter Blockbuster entstehen kann: Die "Ponyhof-Spiele", die hierzulande hofiert würden, seien "nicht repräsentativ" für die Industrie. Die Branche müsse daher aufpassen, sich nicht wie der deutsche Film an den Tropf staatlicher Fördergelder zu hängen und den "internationalen Anschluss zu verschlafen". Regulierung führe zwar nicht zwingend ins Abseits und blutrünstige Spiele gehörten nicht in die Hände von Kindern. Es sei aber "vermessen", wenn Politiker getrieben vom "deutschen Angst-Phänomen" über Themen entschieden, "die komplett außerhalb der eigenen Erfahrungswelt liegen". Viele Spieler, die keinesfalls Schwerverbrecher seien, fühlten sich sonst "entmündigt".
(Bild:Â heise online/S. Krempl)
"Keine Regulierung ist besser als eine falsche", stieß Gerhard Florin, Chairman des Hamburger Online-Spielespezialisten Innogames, ins gleiche Horn. Der Politik riet er, "höchstens auf europäische oder globale Bestimmungen zu setzen". Jahrelang sei die Industrie in Deutschland "in die Schmuddelecke" geschoben worden. Viele Politiker seien gedanklich "bei Goethe und Schiller" stehengeblieben. Dabei sei keineswegs "gewollt, dass es hier noch mehr Regulierungsfreiheit gibt". Nur verstünde der Gesetzgeber vielfach noch nicht, "was da passiert". Das europäische Altersklassifikationssysteme PEGI bezeichnete Florin als ausreichend für den Online-Bereich, da dessen Einschätzungen kaum von denen der deutschen Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) abwichen.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Tauber monierte, dass das Gewalt-Thema im Zusammenhang mit Computerspielen nach wie vor "hochpoppt, wenn einer glaubt, er kriegt eine schöne Schlagzeile". Seinen Parteikollegen und Landsmann, den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier, habe er aber zumindest dazu gebracht, "nichts mehr" zu der Angelegenheit zu sagen. Andererseits erhalte auch er als Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft "die Briefe alle von den Opferverbänden", die ein Verbot gewalttätiger Spiele forderten. Die Politik reagiere auf ein solches gesellschaftliches Klima "manchmal mit Reflexen", sodass es wichtig sei, ein "positives Grundrauschen" für die Spieler hinzubekommen. Zudem handle es sich bei der Meinungsbildung in der eigenen Partei auch um eine Generationenfrage.
Taubers Kommissionskollegin von den Grünen, Tabea Rößner, begrüßte es, dass mittlerweile viele Abgeordnete auch jenseits symbolträchtiger LAN-Partys im Reichstag inzwischen selbst spielen. Jugendschutz sei wichtig, dürfe aber nicht "in Hinterzimmern" ausgeheckt werden, wie dies beim letztlich gescheiterten Anlauf zur Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) der Fall gewesen sei. Die Grünen wollten jedenfalls "keine Sperroptionen" durch den Staat oder die Provider. Zudem müssten auch kleine Anbieter Rechtssicherheit erhalten. Wichtig sei es ferner, den Verbraucher- und Datenschutz bei Computerspielen anzupacken.
Laut Birgit Roth, Geschäftsführerin des G.A.M.E.-Bundesverbands, ist aber auch nach dem millionenfachen Datenverlust bei Sony keine Verschärfung beim Datenschutz nötig. Die Branche tue derzeit etwas gegen Abo-Fallen, mache sich sonst aber für die "regulierte Selbstregulierung" stark. Roth bedauerte daher das vorläufige Aus für die Erneuerung des JMStV, da damit Wettbewerbsnachteile deutscher Spielehersteller ausgeglichen worden wären. So hätten die Anbieter von Browser-Games etwa auch im Zuge der Selbstklassifizierung erst ab 18 Jahren freigegebene Spiele auf ihre Plattformen stellen können. Nun suchten die Verbände mit der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) und den Staatskanzleien eine Möglichkeit zur Anerkennung von Jugendschutzprogrammen unterhalb einer gesetzlichen Regelung. (vbr)