Viele PCs in einem

Egal ob Sie Neues gefahrlos ausprobieren, Sicherheitskritisches wegsperren oder in die Jahre gekommene Software weiterbetreiben wollen: In einer virtuellen Maschine gelingt das mühelos. Wir stellen die gängige Software dazu für Windows, Mac OS und Linux vor.

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Virtualisierungssoftware bildet reale PCs in sogenannten virtuellen Maschinen (VMs) nach. Darin arbeiten wie auf einem echten System unveränderte Betriebssysteme und normale Software. VMs schlagen Brücken: Mit ihrer Hilfe laufen eigentlich nicht mehr kompatible Anwendungen unter neuen Betriebssystemversionen, Windows-Programme auf dem Mac oder ein komplettes Linux unter Windows.

VMs ersetzen die einst obligatorischen Zweit- und Dritt-PCs. Statt mit Festplatten-Images zu hantieren, um definierte Systemzustände festzuhalten, fertigt man mit einer VM einfach einen Schnappschuss an. In einer VM lässt sich sorglos Software ausprobieren. Dubiose Websites oder Registry-Hacks verlieren ihren Schrecken. Praktisch ist eine VM auch, wenn Sie auf bestimmte Software zwar angewiesen sind, aber Zwangsbeigaben nicht auf Ihrem Desktop haben wollen, iTunes beispielsweise brauchen, aber Quicktime nicht in Kauf nehmen wollen. Ab in die VM damit!

Obwohl der Begriff „Virtualisierung“ nach gekühltem Serverraum klingt, ist die Software kein kompliziertes Admin-Werkzeug, sondern ein leicht bedienbarer Helfer auf dem Desktop: Sie emuliert die typischen Komponenten in einem PC wie Grafik- und Netzwerkkarte, Harddisk-Controller und diverse weitere, führt aber den Löwenanteil des Codes mit nahezu normaler Geschwindigkeit der jeweiligen CPU aus. Das heißt, man darf durchaus ordentliches Arbeitstempo in einer virtuellen Maschine (VM) erwarten.

Alle gängigen Virtualisierungsprodukte funktionieren grundsätzlich gleich: Die Software läuft auf dem realen PC, auch Wirt oder Host genannt. Sie stellt die virtuellen PCs bereit (Gäste). Die Ausgaben der Gastsysteme auf die emulierte Grafikkarte landen in einem Fenster: Beim Einschalten per Mausklick laufen die üblichen BIOS-Meldungen durch, dann startet das in der VM installierte Betriebssystem. Die virtuellen Festplatten landen als Dateien im Wirt.

Im Internet gibt es eine FĂĽlle fertiger VMs. Das Angebot reicht von einfachen Firewalls ĂĽber komplexe Server-Installationen bis hin zu fertigen Desktop-Umgebungen. So spart man sich ganz das mĂĽhselige Installieren und kann von den bereitgestellten Diensten profitieren, etwa einen Groupware-Server oder ein CMS einsetzen.

Vier Hersteller schicken insgesamt sieben Produkte fĂĽr den Desktop-Einsatz auf drei Betriebssystemen ins Rennen. Wir haben alle Produkte intensiv angesehen und einer Reihe von Funktionstests unterzogen. FĂĽr die Tests haben wir einen Apple Mac Pro mit zwei 2,93 GHz schnellen Sechskern-CPUs (mit Hyperthreading 24 Kerne) mit 12 GByte RAM verwendet.

Als Wirtssystem dienten dabei Windows 7 Ultimate (64 Bit) mit Service Pack 1 und allen Patches sowie Mac OS X 10.6.7. Wir haben eine VM mit Windows 7 in 64-Bit-Fassung große Datenmengen bearbeiten und kopieren lassen, diverse Benchmarks bemüht und ihr versuchsweise USB-Geräte vorgesetzt. Ausgewählte Ergebnisse liefert die Tabelle im Vergleich zum nativen Einsatz besagter Windows-Version.

Nicht jedes Produkt läuft auf jedem Wirtssystem, sodass Sie nicht vollkommen frei in der Produktauswahl sind. Als Wirt taugen üblicherweise alle 32-Bit-Windows-Versionen ab XP, ab Vista auch die 64-Bit-Versionen. Mancher Hersteller schreibt ein bestimmtes Service Pack vor.

Voraussetzung auf Mac-Seite ist ein Wirtssystem mit Intel-CPU, auf dem Mac OS X ab 10.5 läuft. 64-Bit-Betriebssysteme können übrigens auch dann in einer VM laufen, wenn als Wirt ein 32-Bit-Betriebssystem dient. Voraussetzung ist dann allerdings, dass der Prozessor das auch unterstützt. Praktisch jede aktuelle Linux-Distribution eignet sich als Wirt. VirtualBox liegt den meisten sowieso bei – wenn oft auch in einer recht angestaubten Version. Die aktuelle gibt es auf der VirtualBox-Homepage und sie lässt sich auch auf den schon etwas älteren Distributionen OpenSuse 11.2 sowie Ubuntu 10.4 an den Start bringen. Dasselbe gilt für die aktuellen Versionen des VMware Player und der Workstation. Die Installation von Parallels Desktop dagegen ist auf brandneuen Linux-Systemen ein Glücksspiel: Unter dem aktuellen OpenSuse 11.4 scheiterte das Übersetzen der Kernelmodule, das gelang erst beim Rückgriff auf OpenSuse 11.2.

Als Gast taugen oft mehr Betriebssysteme, als der Hersteller nennt. Dann fehlen aber passende Add-ons für das Gastsystem. Die enthalten unter anderem Treiber, um die virtuelle Hardware optimal ansprechen zu können, und bieten nützliche Funktionen, etwa zum bequemen Datenaustausch zwischen Wirt und Gast. Sofern möglich sollte man also lieber zu einem Produkt greifen, das das gewünschte Gast-Betriebssystem offiziell unterstützt.

Mac OS X läuft nur unter ausgewählten Bedingungen als Gastsystem – möglicherweise aus Angst vor Apples Rechtsabteilung. Technisch ist es kein Problem, durchs Internet geistern mehr oder weniger kryptische Anleitungen, um etwa mit VMware Workstation Mac OS X zum Laufen zu bringen.

Regulär unterstützt nur VirtualBox Mac OS X als Gast. Damit die Installation gelingt, benötigt man allerdings eine Installations-DVD, die separat erworben wurde; die jedem Mac beiliegende Scheibe tut es nicht. Außerdem muss die Mac-OS-X-Version auf der DVD das jeweilige CPU-Modell bereits kennen, sonst scheitert unserer Erfahrung nach das Einrichten mit dubiosen Fehlermeldungen.

Add-ons für das Apple-System bleibt Oracle leider schuldig. Ohne die macht die Nutzung einfach keinen Spaß, etwa weil dann die Bildschirmauflösung auf maximal 1024 x 768 Bildpunkte beschränkt bleibt. Parallels Desktop für Mac und VMware Fusion schaffen es immerhin, Mac OS X Server auszuführen, liefern aber auch keine Add-ons. Den Einsatz der Mac-Desktop-Version verweigern beide.

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 11/2011.

Mehr Infos

Virtualisierung

Artikel zum Thema "Virtualisierung" finden Sie in c't 11/2011:

  • Virtualisierungs-Software fĂĽr den Desktop - Seite 112
  • Stets frisches Probier-Windows in einer VM - Seite 120
  • Alte Programme und Betriebssysteme wiederbeleben - Seite 122
  • Surfen ohne Angst vor Viren und Trojanern - Seite 124

(axv)