Titanisches Weihnachtsfest
Am morgigen Samstag soll um 4:08 CET das bislang aufwendigste Projekt in der Geschichte der unbemannte Raumfahrt in die entscheidende Phase eintreten: Die Trennung der Sonde Huygens, die auf dem Saturnmond Titan landen soll, vom Mutterschiff Cassini.
Samstag Morgen frĂĽh, wenn Gott will, wird um 4:08 CET das bislang aufwendigste Projekt in der Geschichte der unbemannte Raumfahrt in die entscheidende Phase eintreten: die Trennung der seit ĂĽber sieben Jahren gemeinsam reisenden Sonden Cassini und Huygens.
Die fast 350 kg schwere Huygens soll mit drei kleinen Sprengladungen vom Mutterschiff abgesprengt werden und sich dann mit etwa 35 cm/s von ihm weg bewegen. Huygens soll sich so, sieben mal pro Minute um die eigenen Achse drehend, auf die Reise zum Saturn-Mond Titan machen. Dort soll sie die nach den Worten der europäischen Raumfahrtbehörde ESA "einzigartige Umgebung" untersuchen, "von der angenommen wird, daß ihre Chemie stark der der Erde kurz vor Beginn des Lebens vor rund 3,8 Milliarden Jahren ähnelt".
Nachregulieren kann man nach der Trenung bei Huygens nichts mehr, die Landesonde hat keinerlei Steuerinstrumente oder -Düsen an Bord, sondern fliegt rein ballistisch, nur noch von den Gravitationskräften beeinflusst. Ihre komplette Elektronik schlummert im Tiefschlaf, darauf wartend, kurz vor dem geplanten Landemanöver am 14. Januar, 11:15 MEZ, vom Timer aufgeweckt zu werden. Cassini fliegt dann rund 2 Stunden hinterher und wird etwa 60.000 km über dem geplanten Zielgebiet am Titan vorbei fliegen. Cassini soll die Funksignale von Huygens aufzeichnen und später an die Erde senden. Das ganze passiert rund 1,22 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, sodass die Signale etwa 67 Minuten benötigen, bis sie auf Erden ankommen.
Cassini wurde von der NASA und Huygens von der ESA und der italienischen ASI entwickelt, beide Sonden haben aber auch Instrumente des jeweils anderen Kontinents an Bord. Das bislang letzte Raumfahrtprojekt der Europäer, das Mars-Landeunternehmen Beagle 2, hatte ja leider nicht geklappt -- um so größer ist diesmal in der heiligen Nacht die Spannung, ob die Trennung denn auch minutiös funktioniert.
Morgen früh gegen 7 Uhr will die NASA (JPL) einen kurzen Statusbericht abgeben, die ESA plant um 10 Uhr eine Pressemitteilung herauszugeben. Außerdem soll dann spätestens auch über Eutelsat ein eigener Fernsehkanal über die Trennung berichten und erste Bilder senden. (as)