Crowdsourcing für bessere Straßen

In Boston experimentiert man mit einer Smartphone-App, die automatisch Schlaglöcher erfassen soll, damit sie schneller geflickt werden können. Doch ganz problemfrei ist die Technik noch nicht.

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Von
  • John Brandon

In Boston experimentiert man mit einer Smartphone-App, die automatisch Schlaglöcher erfassen soll, damit sie schneller geflickt werden können. Doch ganz problemfrei ist die Technik noch nicht.

Seit diesem Frühjahr arbeitet die amerikanische Metropole Boston an einer App namens Street Bump, die automatisch Daten von Autofahrern mit Android-Smartphones sammelt, um die Beseitigung von Straßenschäden zu beschleunigen.

Traditionell hatte die Stadtverwaltung beim Auffinden von Schlaglöchern fußläufige Inspektoren eingesetzt, die die Straßen kontrollierten. Seit 2009 konnten die Einwohner solche Stellen auch über eine einfache iPhone- und Android-Anwendung namens Citizens Connect melden, mit der auch Graffiti und andere Problembereiche im öffentlichen Raum weitergeleitet werden konnten. Bequem war das allerdings nicht: Die Nutzer mussten eine Stelle fotografieren und dann per Klick an die Reparaturbetriebe weiterleiten.

Street Bump ist anders: Die App benötigt keine direkte Nutzerinteraktion. Stattdessen nutzt sie GPS-Daten, um die Position des Android-Handys festzustellen, auf dem sie läuft, und erkennt Schlaglöcher über den eingebauten Beschleunigungssensor. Werden solche Ausschläge an einer Stelle von einer bestimmten Anzahl von Nutzern gemeldet, wird sie als ausbesserungswürdig markiert.

Nigel Jacob, Co-Leiter des "New Urban Mechanics"-Büros, das den Bürgermeister von Boston berät und neue Ansätze der Bürgerbeteiligung untersucht, wurde allerdings nicht glücklich mit dem an sich cleveren System. Im Gegensatz zum einfacheren Citizens Connect ergeben sich hier oft Fehltreffer. "Wir brauchen jemanden, der unsere Daten genauer analysiert", sagt Jacob. "Die App arbeitet gut, aber sie kann nicht zwischen einem echten Schlagloch und dem Überfahren eines Bahngleises unterscheiden."

Um Street Bump zu verbessern, hat die Stadt nun ein Preisgeld von 25.000 Dollar bei der Crowdsourcing-Plattform Innocentive.com ausgesetzt. Dort sollen nun Entwickler gefunden werden, die Algorithmen schaffen, die die Schlaglocherkennung optimieren.

Thilo Koslowski, Analyst bei Gartner Research, der sich auf den Verkehrsbereich konzentriert, meint, eine solche App könne nur erfolgreich sein, wenn sie genau sei. Sollte die Crowdsourcing-Idee Erfolg haben, könnten diese und ähnliche Lösungen künftig Teil smarter Infrastrukturen für smarte Städte werden.

Besonders die Echtzeitdatenerfassung sei dabei spannend. "Das könnte zu schnelleren Reaktionszeiten der Stadt und damit besseren Straßen führen." Boston plant, die App nach der Genauigkeitsinitiative bald auch für andere Plattformen wie das iPhone anzubieten. (bsc)