Online-Durchsuchung von PCs durch Strafverfolger und Verfassungsschutz
Der Online-Zugriff auf die PCs von Internet-Surfern soll dem NRW-Verfassungschutz am heutigen Donnerstag genehmigt werden. Ähnliche Möglichkeiten sollen die Strafverfolger im Rahmen des Sicherheitsprogramms von Innenminister Schäuble erhalten.
Was der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf bereits als fertigen Plan vorschlug und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble in seinem 132 Millionen Euro schweren Programm zur Stärkung der inneren Sicherheit nur angedeutet hatte, soll nun konkret werden: Das BKA soll auch Zugriff auf die PCs der Bürger über das Internet erhalten. Wolf hatte bereits im August dieses Jahres ein neues Verfassungsschutzgesetz vorgestellt, das dem Verfassungsschutz etwa auch verdeckten Zugriff auf "Festplatten" und andere "informationstechnische Systeme" im Internet gibt. Im November hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags zudem dem Programm zur Stärkung der inneren Sicherheit von Schäuble zugestimmt, mit dem der Inneniminister unter anderem terroristische Bestrebungen durch eine schärfere Überwachung von Online-Foren besser bekämpfen will.Bundestag verabschiedet neue Anti-Terrorgesetze
Nur geringfĂĽgige Korrekturen am neuen Anti-Terrorpaket
"Wir brauchen überwachungsfreie Räume"
Streit um die Zukunft des Anonymisierungsdienstes AN.ON
Bundesländer wollen Videoüberwachung ausweiten Bundesjustizministerium plant Neuregelungen für verdeckte Ermittlungsmaßnahmen
Nutzerlobby gegen Lizenz zur "DauerĂĽberwachung" im Internet
Deutschland ist fĂĽhrend bei der inneren Sicherheit
Vorratsdatenspeicherung soll auch fĂĽr Anonymisierungsdienste gelten
Merkel plädiert für mehr Überwachung trotz hoher Sicherheit Zur Überwachung von Internet-Nutzern und der Datensammelei im Web siehe auch den Schwerpunkt "Deine Spuren im Netz" in der aktuellen Ausgabe von c't:
Generalbundesanwältin fordert stärkere Überwachung des Internet
132 Millionen Euro für schärfere Überwachungsmaßnahmen freigegeben
Scharfe Kritik an Plänen des Justizministeriums zur Vorratsdatenspeicherung
Zypries stellt Entwurf zur Neuregelung der TK-Ăśberwachung vor
DatenschĂĽtzer sieht Anti-Terror-Datei als Schritt zur Ăśberwachungsgesellschaft Zahlreiche Bedenken gegen neues Anti-Terrorpaket
Bundesrat gegen Befristung der Anti-Terror-Datei
Datenschützer sieht verfassungsrechtliche Mängel im Gesetz zur Anti-Terror-Datei
DatenschĂĽtzer kritisieren Anti-Terror-Datei und SchĂĽlerregister
Kritik am neuen Programm für Innere Sicherheit Bundesregierung will Kundendaten für vorbeugende Straftatenbekämpfung
Programm fĂĽr innere Sicherheit in der Diskussion
Wirtschaftsinitiative begrüßt verschärfte Internetüberwachung
Datenschützer sehen Anti-Terror-Datei äußerst kritisch
Große Koalition wirbt für verstärkte Terrorbekämpfung Bericht: Deutsche Sicherheitsbehörden greifen auf 197 Dateien zu
Kabinett segnet Anti-Terror-Datei ab
Schäuble: Anti-Terror-Gesetze haben sich bewährt
Kritik, Zustimmung und neue Forderungen zur Anti-Terror-Datei
DatenschĂĽtzer ĂĽben Kritik an Anti-Terror-Datei Gemischte Reaktionen auf geplante Anti-Terror-Datei
Innenminister beschlieĂźen zweiteilige Anti-Terror-Datei
DatenschĂĽtzer warnt vor Aktionismus
Sicherheitstag im Zeichen der Anti-Terror-Debatte
Neue Vorschläge für Daten in der Anti-Terror-Datei Diskussion um geplante Anti-Terror-Datei
Gesetzentwurf zur zentralen Anti-Terror-Datei in Vorbereitung
Die Ausdehnung der Anti-Terrorgesetze und der gläserne Nutzer
Scharfe Kritik an geplanter Ausweitung der Anti-Terrorgesetze
Große Koalition über Verschärfung der Anti-Terrorgesetze einig
In dem ausgearbeiteten Programm, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, erklärt das Innenministerium, ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den Terror sei die Fähigkeit, PCs durchsuchen zu können, ohne tatsächlich am Standort des Gerätes zu sein. Das sei "personell und technisch äußerst aufwendig". Diese Maßnahmen sollen dann möglich sein, wenn ein konkreter Tatverdacht vorliegt und ein Richter zugestimmt hat. Für einen regulären Einsatz brauche man "erhebliche Ressourcen". Offenbar habe das Innenministerium ein "flächendeckendes PC-Screening vor", moniert der FDP-Haushaltsexperte Jürgen Koppelin laut der Tageszeitung. Dafür gebe es keine Rechtsgrundlage.
Das nordrhein-westfälische Verfassungsschutzgesetz, das Koppelins Parteifreund Ingo Wolf einbrachte, soll übrigens am heutigen Donnerstag verabschiedet werden. Wie die Online-Durchsuchung etwa bei PCs, die hinter einem Firewall oder einem Router mit Network Address Translation liegen, vonstatten gehen soll, darüber schweigen sich die Vorhaben der Innenpolitiker allerdings aus. Ein wichtiger Bestandteil von Schäubles Sicherheitsprogramm ist jedenfalls die Einrichtung der "Internet Monitoring und Analysestelle" (IMAS) am Gemeinsamen Terror-Abwehr-Zentrum von Polizei und Nachrichtendiensten (GTAZ) in Berlin. Allein 30 Millionen Euro sollen dort angeblich für neue Hardware ausgeben werden, mit der sich auch die Internet-Telefonie und geschlossene Chaträume anzapfen lassen. Die neue Überwachungstruppe hat zunächst die Aufgabe, mehr Transparenz in die dschihadistischen Netzumtriebe zu bringen. Sie soll auch Wege finden, um Hetzpropaganda und Anleitungen zum Bombenbau aus dem Cyberspace zu verbannen.
Siehe dazu auch:
- Angeblich 200.000 deutschsprachige Bombenbauanleitungen im Netz
- ThĂĽringens Innenminister fĂĽr mehr Internet-Ăśberwachung
- Verfolgerwahn, Wie Online-Nutzer die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen können, c't 24/06, S. 202
- Im Visier der Strafverfolger, Staatlicher Zugriff auf Anonymisierungsserver, c't 24/06, S. 208
- Globale Rasterfahndung, Privatfirma sammelt und verkauft Daten, c't 24/06, S. 202
- Big Brother 2.0, Der Bürger im Fadenkreuz der Terrorismusbekämpfung, c't 24/06, S. 202