Hightech fürs Wohnzimmer
Die Internationale Funkausstellung 2005 ist größer als ihre Vorgängerin; unter anderem vernetzte Audio/Video-Technik für zu Hause soll einer der wichtigsten Schwerpunkte der Messe sein.
"Big Business im Zeichen des Berliner Bären" -- so könnte man die Internationale Funkausstellung IFA umschreiben. Wenn sie vom 2. bis 7. September wieder mehr als eine viertel Million Besucher auf das Messegelände der Hauptstadt lockt, werden auch viele Händler dabei sein. In den Separees der Messestände werden dann Produkte fürs Weihnachtsgeschäft geordert und Milliarden umgesetzt. Doch während hinten schon Geschäfte gemacht werden, darf vorne noch geguckt werden. Und in den bunten Kulissen bekommt der Besucher einiges zu sehen.
Die IFA 2005 ist größer als ihre Vorgängerin: Lag die Zahl der Aussteller 2003 bei 1032, wird sie dieses Mal um 10 Prozent höher sein. Ebenso sieht es bei der gebuchten Ausstellungsfläche aus, sagt Jochen M. Stehle, Sprecher der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) in Frankfurt. Auch die Besucherzahl von gut 270.000 soll übertroffen werden. "Die Chancen stehen nicht schlecht, aber wir machen keine Vorhersagen."
Voll wird es auf jeden Fall werden, etwa am Stand von Philips (Halle 22). Der niederländische Elektronikriese präsentiert unter anderem eine Wireless Music Center genannte Hifi-Anlage. Deren Herzstück -- das eigentliche Center -- verfügt über eine eingebaute 40-Gigabyte-Festplatte. Über bis zu 5 via WLAN mit dem Center verbundene Stationen kann der Anwender zum Beispiel im Schlafzimmer oder in der Küche auf die Musiksammlung zugreifen.
Das Wireless Music Center steht exemplarisch für den Trend zur Vernetzung. "Das ist ein ganz wichtiges Thema", sagt Stehle. Zu den Herstellern, die es aufgreifen, gehört Daewoo (Halle 7.2b). Mit einem so genannten Home Gateway sowie einer IP-Settop-Box sollen sich verschiedene Unterhaltungselektronik- und Haushaltsgeräte verbinden und per Internet oder Handy von unterwegs steuern lassen.
Weitere Schwerpunkte sind nach Ansicht von Sharp-Sprecher Martin Beckmann in Hamburg Heimkino -- neben Flachbildfernsehern repräsentiert durch Beamer und Surroundanlagen -- sowie DVD-Recorder. "Bei den DVD-Recordern spielen Geräte mit eingebauter Festplatte die größte Rolle." Die Tendenz geht zu Speichern mit mehr als 250 Gigabyte Kapazität. LG Electronics zeigt in Berlin einen DVD-Recorder mit einem eingebauten Empfänger für DVB-T. Auch Lite-On wird eine neue DVD-Recorder-Produktreihe präsentieren.
Zwar ist die DVD noch lange nicht obsolet. Doch potenzielle Nachfolger wie Blu-ray und HD DVD sind schon länger im Gespräch. NEC präsentiert auf der IFA das erste HD-DVD-Laufwerk für den PC. Es kann sowohl die neuen HD DVDs als auch herkömmliche DVDs und CDs abspielen.
Auch wenn für die Handy-Branche andere Messen, die CeBIT in Hannover zum Beispiel, wichtiger sind als die IFA, werden dort trotzdem einige neue Mobiltelefone zu sehen sein. Samsung bringt rund 20 verschiedene Modelle mit, manche sind schon auf dem Markt, andere haben in Berlin Premiere. Das Thema Vernetzung unterstreicht Samsung mit der Präsentation des D600. Es kann mit dem Fernseher oder einem Beamer verbunden werden, um die mit der eingebauten Kamera geschossenen Bilder darzustellen, erklärt Produktmanager Alexander Avramidis. "Wir werden aber auch IT-Produkte und Unterhaltungselektronik zeigen."
Ebenfalls auf der IFA zu sehen sein werden die mobilen Alleskönner -- lediglich handgroße Geräte, die Musik und Filme abspielen und als Videorecorder und digitales Fotoalbum fungieren. Dazu gehört zum Beispiel Archos' Gmini 402 Pocket Multimedia Center. Es speichert unter anderem bis zu 80 Stunden Video. Das nur 160 Gramm wiegende Multimedia-Gerät hat eine eingebaute 20-GB-Festplatte.
Unter dem Motto "Groß und Flach" werden in diesem Jahr erneut LCD- und Plasma-Fernseher die Publikumsmagneten der IFA sein. Sharp etwa bringt einen LCD-Fernseher mit einer Bilddiagonale von 165 Zentimetern mit nach Berlin. Ein guter Teil der 150 anwesenden Mitarbeiter soll den Besuchern auch das Thema HDTV näher bringen. Die Konkurrenz schläft nicht: So zeigt beispielsweise Panasonic einen HDTV-tauglichen Plasma-TV mit einer Diagonale von 163 Zentimetern.
An der Struktur der Messe ändert sich gegenüber 2003 nichts. Die Ausstellungsbereiche sind thematisch in sechs Bereiche gegliedert. Sie heißen zum Beispiel "Television & Entertainment" oder "Sound & CarMedia". "Diese Aufteilung bleibt bestehen", erklärt Stehle. "Das ermöglicht dem Besucher eine gute Orientierung." Die IFA ist vom 2. bis 7. September täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Eine Tageskarte für Privatbesucher kostet 13 Euro, eine ermäßigte Tageskarte 9,50 Euro.
c't berichtet in Ausgabe 18/05 (ab dem heutigen Montag, den 22. August im Handel) in einem Schwerpunkt über die Trends der IFA 2005 wie beispielsweise vernetzte Audio/Video-Technik für zu Hause, HDTV und mobiles Fernsehen. Und heise online startet zur IFA in diesem Jahr zum dritten Mal ein Special. Unter www.heise.de/ifa berichtet die Redaktion vom 29. August bis zum 16. September aktuell über Neuigkeiten von der Messe. Während der IFA informieren die Redakteure von c't, iX und Technology Review direkt aus Berlin über Neuheiten und Trends der Unterhaltungselektronik. Zusätzlich finden die Nutzer im IFA-Special zahlreiche Tipps rund um die IFA und den Aufenthalt in Berlin. (Sven Appel, dpa) / (jk)