Warten auf den dreidimensionalen Boom

Noch haben sich 3-D-Fernseher im Wohnzimmer nicht durchgesetzt. Analysten erwarten, dass sich das bald ändert.

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Von
  • Katherine Bourzac

Noch haben sich 3-D-Fernseher im Wohnzimmer nicht durchgesetzt. Analysten erwarten, dass sich das bald ändert.

Die Verkäufe von 3-D-Fernsehern könnten sich in diesem Jahr verfünffachen. Das glauben zumindest Analysten der Marktforschungsfirma In-Stat. Der Grund: Immer mehr Geräte haben die Funktionalität gleich eingebaut, so dass Kunden sie mitkaufen. Die Aufholjagd hat die Technik auch bitter nötig: 2011 waren nur ein bis zwei Prozent der 210 Millionen weltweit verkauften Fernseher 3-D-fähig. "Die Kunden fragen weniger danach. Es ist eher so, dass die Hersteller die Technik bei ihren größeren Geräten standardmäßig mitliefern", sagt Michelle Abraham, die die jüngste In-Stat-Analyse durchführte.

Paul Gagnon, Direktor für den Bereich Consumer-TV-Marktforschung bei der In-Stat-Schwesterfirma DisplaySearch, glaubt, dass viele Kunden von den neuen Möglichkeiten noch immer verwirrt seien. Außerdem hätten die Hersteller im letzten Jahr auch noch mit anderen neuen Technologien Ablenkungen auf den Markt gebracht. "2010 musste 3-D-TV die Bühne mit der LED-Hintergrundbeleuchtung und Internet-fähigen Fernsehern teilen." Da sei es schwierig gewesen, 3-D noch in den Mittelpunkt zu stellen. "Die Kunden verstehen so viel auf einmal oft nicht."

Um profitabel zu bleiben, konzentrieren sich die Hersteller zunehmend auf solche "Premium"-Funktionen. Bis 2007 wurde quasi alle zwei Jahre eine mehr oder weniger interessante neue Technik eingefĂĽhrt. Heute hat sich der Zyklus verkĂĽrzt: Auf manchmal nur noch sechs Monate. "Das gilt insbesondere fĂĽr die USA, wo wir immer schnellere Entwicklungszyklen beobachten", sagt Gagnon.

Laut einer Umfrage, die kürzlich von Sony Entertainment veröffentlicht wurde, wissen nur 54 Prozent der Kunden, dass 3-D-Fernseher neben den plastischen Bildern auch ganz normale zweidimensionale Inhalte darstellen können. Häufig wollten sie außerdem nicht die höheren Preise zahlen, die die Technik noch mit sich bringt. Zum Vergleich: Lag ein durschnittlicher 2-D-Fernseher in den USA bei 500 Dollar, musste man für 3-D-Geräte im Mittel 1600 Dollar zahlen.

Die Verfügbarkeit neuer Inhalte könnte aber dafür sorgen, dass sich 3-D schneller durchsetzt. Repräsentanten von LG, Sony und dem Sportfernsehsender ESPN erläuterten auf der gerade zu Ende gegangenen Konferenz der Society for Information Display, sie würden sich hier verstärkt engagieren.

Im Februar begann ESPN in den USA die Verbreitung eines 24-Stunden-3-D-Senders. Der Kabeldienst Xfinity und der Satellitenservice DirecTV haben dort mittlerweile ebenfalls entsprechende Angebote. "Die Verbreitung per TV-Kabel ist von großer Bedeutung", meint ESPN-Vizepräsident Bryan Burns. 2010 hat es laut DisplaySearch nur 40 Blu-ray-Scheiben mit 3-D-Inhalten gegeben, doch das Angebot wächst erst langsam.

Burns zufolge hat ESPN seit Einführung seines 3-D-Kanals viel gelernt. "Wir arbeiten hart an unseren Produktionskosten." Anfangs habe der Sender immer zwei Teams für 2-D- und 3-D-Inhalte losgeschickt – zum doppelten Preis. Nun setzt man auf ein "5-D" genanntes Produktionssystem, das das technische Equipment integriert und die Anzahl notwendiger Mitarbeiter reduziert.

Einige Firmen wie LG bieten außerdem mittlerweile 3-D-Fernseher mit komfortableren Brillen ohne Batterie an. Im Vergleich zu anderen Gerätetypen funktionieren diese auch dann, wenn der Nutzer seinen Kopf neigt. (bsc)