"Es geht auch mit Toilettenpapier"
Das gemeinnützige Start-up „Diagnostics for All“ entwickelt preiswerte Diagnoseverfahren aus Papier. Geschäftsführerin Una Ryan will damit nicht nur der Gesundheitsversorgung in der Dritten Welt aufhelfen – auch Industriestaaten könnten davon profitieren.
- Veronika Szentpetery-Kessler
- Emily Singer
Das gemeinnützige Start-up „Diagnostics for All“ entwickelt preiswerte Diagnoseverfahren aus Papier. Geschäftsführerin Una Ryan will damit nicht nur der Gesundheitsversorgung in der Dritten Welt aufhelfen – auch Industriestaaten könnten davon profitieren.
Dr. Una Ryan ist seit Februar 2010 Geschäftsführerin des 2007 gegründeten gemeinnützigen Bostoner Start-ups „Diagnostics for All“ (DFA). Vor ihrer Tätigkeit bei DFA hat die 1941 in Malaysia geborene Engländerin mehrere Biotechnologie-Unternehmen geleitet, zuletzt den Impfstoffspezialisten Avant Immunotherapeutics. Als Wissenschaftlerin war sie unter anderem an der Entwicklung einer Schluckimpfung gegen Cholera und eines Impfstoffs gegen Rota-Viren beteiligt, den häufigsten Verursachern von gefährlichen Durchfallerkrankungen bei Kindern.
TR: Was ist das Besondere an Ihren Produkten im Vergleich zu konventionellen Labortests
Una Ryan: Erstens verwenden wir kein Plastik, sondern ausschließlich Papier, also ein sehr preiswertes Material. Zweitens benötigen unsere Tests keine elektronischen Komponenten.
Wie funktioniert die Herstellung?
Einige Schritte sind vertraulich, aber im Wesentlichen designen wir zunächst die Lage von Transportkanälen und Reaktionskammern mit einem Grafikprogramm am PC. Dann drucken wir die Kanäle mit einem handelsüblichen Thermowachsdrucker auf die Papierschichten auf. Anschließend erhitzen wir das Papier im Ofen, damit es vom Wachs ganz durchdrungen wird. Als nächsten Schritt tragen wir in den Reaktionskammern Chemikalien auf, die später mit den gesuchten Biomarkern durch eine Farbänderung reagieren und so eine bestimmte Diagnose anzeigen. Zum Schluss laminieren wir die gestapelten Papierschichten mit Ausnahme der Einfüllöffnung ein. Das Papier selbst transportiert dann durch seine Kapillarwirkung Körperflüssigkeiten wie Blut, Urin, Speichel, Schweiß oder Tränen zu den Reaktionskammern.
Benötigen Sie eine spezielle Papiersorte?
Nein, wir benutzen einfaches Filterpapier, und die Methode wĂĽrde sogar mit Toilettenpapier funktionieren.
Sie haben bereits einen Test entwickelt, der die schädigende Wirkung von Aids- und Tuberkulose-Medikamenten auf die Leber einfach anhand einer Blutprobe aufdeckt. An welchen weiteren Tests arbeiten Sie?
An einem Schwangerschafts- und einem Blutzuckertest. Beide befinden sich noch im Laborstadium. Sobald die Finanzierung steht, können sie fertig entwickelt und dann an Patienten getestet werden. Einer der größten Vorteile unserer Technologie ist ihre Vielseitigkeit: Wir können Lebensmittel testen; wir können das Verfahren in Verbände nutzen und nach Infektionen in Wunden schauen; wir können es auch in Windeln einbringen, um Harnwegsinfektionen zu erkennen. Die Tests kosten weniger als einen Dollar-Cent, sodass der Preis kaum eine Rolle spielt. So kann man ausgezeichnet an genaue Daten über die Verbreitung von Krankheiten kommen....
(vsz)