W3C missfällt Bevorzugung eines Web-Browsers durch US-Urheberrechtsbehörde

Das US Copyright Office plant, für sein neues elektronisches System zur Registrierung von Copyright-Ansprüchen in der Anfangsphase nur den Internet Explorer zu unterstützen. Das World Wide Web Consortium protestiert gegen diesen Plan.

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Sir Timothy John Berners-Lee, Direktor des World Wide Web Consortium (W3C), hat dem US-amerikanischen Copyright Office zusammen mit Daniel J. Weitzner eine Stellungnahme zu dessen Vorhaben geschickt, das elektronische Anmeldeverfahren für Urheberrechtsansprüche vorerst nur für den Internet Explorer ab Version 5.1 bereitzustellen. Eine derartige Beschränkung habe, auch wenn sie nur für eine kurze Zeit gelte, eine Reihe von Konsequenzen für jene, die ihre "Pre-registration"-Rechte wahrnehmen wollten. Das Vorgehen widerspreche außerdem den im E-Government Act von 2002 festgehaltenen Grundsätzen.

Das Copyright Office hatte mitgeteilt, es sei nicht endgültig geklärt, ob das Vorregistrierungssystem mit anderen Web-Browsern als dem Internet Explorer kompatibel sei. Für Netscape 7.2, Firefox 1.0.3 und Mozilla 1.7.7 sei Support geplant, er werde aber nicht verfügbar sein, wenn das Registrierungssystem in Betrieb geht. Das Copyright Office hatte seine Pläne bis gestern zur Diskussion gestellt.

Berners-Lee betont, die Kritik sei nicht ausdrücklich auf den Internet Explorer gemünzt. Das W3C hätte den Brief an das Copyright Office auch geschrieben, wenn ein Mozilla-Browser, Safari oder ein anderes Produkt bevorzugt würde. Das Web sei groß geworden durch die Nutzung von offenen, neutralen Standards. Viele nutzten den IE, doch würden auch viele von der Entscheidung des Copyright Office ausgeschlossen. So sei die jüngste Version des Web-Browsers nicht für Linux/Unix oder Mac OS verfügbar. Viele Menschen würden andere Browser nutzen, weil sie durch eine Behinderung eine bestimmte Technik benötigen oder weil sie das Web mobil nutzen. Wiederum andere Nutzer griffen auf einen anderen Web-Browser zu, solange der von ihnen bisher genutzte eine Sicherheitslücke aufweist.

Alle diese Nutzer seien auf Standards im Web angewiesen, heißt es in dem Schreiben weiter. Daher empfiehlt das W3C, das Copyright Office möge seine Entscheidung überdenken und bei seinem System auf gängige Standards setzen. Damit würde die Behörde nicht nur gesetzlich festgeschriebenen Grundsätzen entsprechen, sondern auf Dauer auch Geld sparen. (anw)