Träge Masse
Träge Masse
Seinen phänomenalen Erfolg verdankt der Personalcomputer der Software: Für fast jeden Zweck finden sich gleich mehrere Programme, aus denen man sich das beste herauspicken kann. Es läuft nämlich auf nahezu beliebigen x86-Rechnern, wenn auch auf einem Atom-Netbook oder einem Pentium-4-Methusalem eben langsamer als auf einer nagelneuen Quad-Core-Rakete. Oft gibt es ähnliche Software auch noch für unterschiedliche Betriebssysteme, notfalls hilft eine virtuelle Maschine.
Die enorme Flexibilität der x86-Welt bringt aber auch Nachteile mit sich: Leistungsfähige Desktop-Rechner sind klobig und schlucken viel Strom. Sparsame, kompakte oder mobile Computer fordern Kompromisse: Sind hohe Performance und gute Ergonomie wichtiger oder lange Akkulaufzeit und ein winziges Gehäuse?
In der ultramobilen Leichtgewichtsklasse glänzen Smartphones und Tablets: Sie übertrumpfen Netbooks nicht nur mit enormer Akkulaufzeit, sondern auch mit flotter Touch-Bedienung und ruckelfreien HD-Videos. Der Trick dahinter: Hardware-Beschleuniger, die etwa den Bildschirminhalt blitzschnell skalieren oder Videos effizient dekodieren.
Hardware-Beschleunigung kann auch gewöhnliche PCs und Notebooks verbessern: Browser verlagern Rechenarbeit per Direct2D oder WebGL von der CPU auf den Grafikchip, den HD-Video-Transcoder per Nvidia-CUDA oder OpenCL ausreizen können. Auch x86-Prozessoren erlernen Spezialfunktionen wie AVX oder Kryptografiebefehle.
Außerhalb der eingehegten Smartphone- und Tablet-Plattformen hat sich Hardware-Beschleunigung aber nur in Ausnahmefällen durchgesetzt, etwa in Form von DirectX oder OpenGL. Ansonsten hat es jede Software schwer, die auf spezielle Hardware angewiesen ist. Das beginnt schon bei den komplexen Voraussetzungen, wie das Beispiel CUDA zeigt: Selbst fünf Jahre nach dem Start fehlen auf vielen neuen Notebooks die nötigen Treiber. Wenn es dann mal klappt, drohen Pannen, etwa hässliche Browser-Fonts bei Direct2D-Kantenglättung.
Software-Entwickler müssen beim Programmieren für Hardware-Beschleuniger mehr (Test-)Aufwand treiben, der sich jedoch selten lohnt, weil das Marktpotenzial schrumpft: Ein Programm, das auf Netbooks und älteren PCs nicht vernünftig läuft, verkauft sich schlechter. Weil PC-Besitzer ihre Rechner immer länger nutzen, durchdringen Hardware-Neuerungen den Markt langsamer. Nachrüsten ist seltener möglich, weil der Notebook-Anteil wächst - es sind schon fast zwei Drittel. Schließlich lassen sich manche Hardware-Funktionen mit älteren Betriebssystemen oder aus virtuellen Maschinen heraus nicht nutzen.
Hardware-Beschleuniger, die in Tablets, Smartphones oder Supercomputern ĂĽberzeugen, erobern die Masse der Allerwelts-PCs nur im Schneckentempo. Hier ist kompatible Software Trumpf, Neuerungen wie SSE4 oder 64-Bit-Technik haben es schwer. Erinnern Sie sich noch, wann AMD die x86-64-Technik angekĂĽndigt hat? Das war 1999 ... (ciw)