Nepalesen dürfen wieder mobil telefonieren

Nepalesen, die der staatlichen Nepal Telecom Fotos, Fingerabdrücke und allerlei persönliche Daten anvertraut haben, können auf baldige Reaktivierung ihres Mobiltelefons hoffen.

vorlesen Druckansicht 127 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.

Nepalesen, die der staatlichen Nepal Telecom (NT) Fotos, Fingerabdrücke und allerlei persönliche Daten (Formular als PDF) anvertraut haben, können auf baldige Reaktivierung ihres Mobiltelefons hoffen. Am 1. Februar hatte König Gyanendra Bir Bikram Sháh Dev die Macht an sich gezogen, den Ausnahmezustand samt Pressezensur und Versammlungsverbot verhängt und das einzige Handynetz, Internetverbindungen sowie zumindest auch die Festnetzverbindungen ins Ausland abschalten lassen. Der monarchische Staatsstreich wurde allgemein mit Terrorismusbekämpfung begründet. Das Mobiltelefonieverbot sollte nach offizieller Lesart verhindern, dass Terroristen Bomben fernzünden. Auch jene Oppositionelle, die nicht im Gefängnis gelandet sind, sollen daran gehindert werden, Demonstrationen zu organisieren.

In Nepal herrscht seit zehn Jahren ein brutaler Bürgerkrieg zwischen der Regierung (45.000 Polizisten und 85.000 Soldaten, von den USA unterstützt) und etwa 20.000 maoistischen Rebellen. Letztere kontrollieren knapp vier Fünftel der 75 Distrikte. In manchen Gebieten regieren sie mit extremer Gewalt. Auch den Behörden werden schon länger schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

Anfang Mai hatte der König die Reaktivierung von Postpaid-Mobilfunkanschlüssen gestattet, soweit sich deren Inhaber einem detaillierten neuerlichen Registrierungsprozess unterziehen ließen. Reiche Nepalesen, die sich ein Postpaid-Handy leisten können, durften also unter Auflagen wieder mobil telefonieren. Zwei Drittel der etwa 200.000 Mobilfunknutzer zahlen jedoch im Voraus und waren weiterhin offline. Erst ein zweistündiges Sit-in der NT-Mitarbeiter samt Streikdrohung bewirkte nun eine Reaktivierung der Prepaid-Telefone, Registrierung vorausgesetzt. Diese und nächste Woche werden die Anschlüsse schrittweise wieder freigeschaltet.

Gyanendra war schon vor seinen Februar-Maßnahmen im Volk unbeliebt. Er ist seit Juni 2001 König. Damals war der beliebte (und von vielen als Inkarnation des Hindu-Gottes Vishnu angesehene) König Birendra Sháh im Palast unter ungeklärten Umständen einem Massaker zum Opfer gefallen, bei dem auch neun seiner engsten Familienangehörigen starben und sechs weitere verletzt wurden. Kronprinz Diprendra, der die Morde in einem Drogenrausch verübt haben soll, wurde umgehend inthronisiert, erlag jedoch nach drei Tagen seinen Schussverletzungen. Gyanendra (Diprendras Onkel, Birendras Bruder), der beim Massaker nicht im Palast anwesend war, wurde König. Er konnte die Lage im Land jedoch nicht stabilisieren. Im Gegenteil verschaffen seine repressiven Maßnahmen sogar in der Hauptstadt Kathmandu den Maoisten Zulauf. (Daniel AJ Sokolov) / (anw)