Weltweite Container-Überwachung

Jeder internationale Fracht-Container bringt einen Papierwust von über 30 Dokumenten mit sich. Ein Forschungsprojekt testet elektronische Alternativen anhand von Bierlieferungen in die USA.

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Von
  • Peter Röbke-Doerr

Wer jemals nach einem Umzug in der neuen Wohnung vor einem Berg mit Umzugskisten gestanden hat und dringend den neuen Mietvertrag suchte, kennt auch das Container-Problem aller internationalen Spediteure: Wo steht die gesuchte Kiste gerade und was genau ist drin? Alle damit zusammenhängenden Folgeprobleme wie Zoll, Mehrwertsteuer oder Handel sind zwar nachrangig, bringen aber nach Untersuchungen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) einen Papierwust von mehr als 30 verschiedenen Dokumenten beim internationalen Transport eines einzigen Containers mit sich.

Ein Firmenkonsortium versucht einen neuen Ansatz zur Reduktion des Lieferaufwands, der den etwas irreführenden Titel "Beer Living Lab" trägt. Der Name erklärt sich dadurch, dass das Projekt nicht nur von IBM, Safmarine, der Freien Universität Amsterdam und den Zollbehörden der Niederlande, Großbritannien und den USA initiiert wurde, sondern auch vom Bierabfüller Heineken.

Das Beer Living Lab ist Teil des Forschungsprojekts ITAIDE (Information Technology for Analysis and Intelligent Design for e-government), das von der Europäischen Kommission finanziert wird. Safmarine belädt dazu 30 Container mit Heineken-Bier und verschifft diese von den Niederlanden und Großbritannien aus zum Heineken-Distributionszentrum in den USA. Überwacht werden die mit Sensoren ausgestatteten Bier-Container per Satelliten- und Mobilfunk-Technologie. Die Informationen können in Echtzeit zwischen Heineken, Safmarine und den Zollbehörden in den Niederlanden, Großbritannien und den USA ausgetauscht werden. Die Freie Universität Amsterdam koordiniert das Projekt und erstellt die Best-Practice-Dokumentation für den Erfahrungsaustausch innerhalb der Europäischen Union. (roe)