Michael Kölmel mit Kinowelt wieder gut im Geschäft

Die Kinowelt werde in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro Umsatz erzielen, meint Firmenchef Michael Kölmel, der zweieinhalb Jahre nach seiner Verurteilung wegen Untreue nicht nur mit "Deutschland - ein Sommermärchen" auf DVD Erfolge erzielt.

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Von
  • Rolf Westermann
  • dpa

Der Medienunternehmer Michael Kölmel ist zweieinhalb Jahre nach seiner Verurteilung wegen Untreue wieder gut im Geschäft. Mit der Vermarktung des mehrfach preisgekrönten Fußball-Weltmeisterschaftsfilms "Deutschland – ein Sommermärchen" von Sönke Wortmann landete er einen Riesenerfolg. Dadurch wird seine Kinowelt-Gruppe in diesem Jahr mit Filmverleih und DVD-Verkauf erstmals ganz nah an einen Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe heran kommen. Außerdem kaufte der 52-Jährige im September überraschend zusammen mit seinem Bruder den Zweitausendeins-Verlag – und nebenbei gehört ihm das Leipziger Stadion mit rund 45.000 Plätzen.

"Die Kinowelt wird in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro Umsatz erzielen, auch der Gewinn wird deutlich steigen", sagt Kölmel. Obwohl sich der Umsatz innerhalb von nur zwei Jahren etwa verdoppelt hat, hält er das Wachstumstempo für angemessen. "Darin ist auch ein möglicher Misserfolg bei einem neuen Film einkalkuliert." Kölmel hat die schweren Jahre nicht vergessen, als er vom hoch gelobten Börsenstar, der 1998 zusammen mit seinem Bruder Rainer die Kinowelt Medien AG gründete, zum Pleitier wurde, weil die Firma 2001 in Konkurs ging.

Kölmel wurde ein Filmpaket zum Verhängnis, das er vom US-Konzern Time Warner erwarb und bei dem er sich gegen Bertelsmann und Kirch durchsetzte. Da er die Filme in Deutschland nicht weiterverkaufen konnte, blieb er auf den Kosten und Schulden von rund 400 Millionen Euro sitzen. Nachdem die Staatsanwaltschaft im Gerichtsverfahren gegen ihn neun Jahre Haft gefordert hatte, verurteilte das Landgericht München Kölmel aber nur wegen Untreue und Insolvenzverschleppung der Tochtergesellschaft Sportwelt zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. "In allen wichtigen Punkten haben wir Recht bekommen", sagt Kölmel, der nun allerdings vorbestraft ist. Der Richter bescheinigte ihm, er sei kein Schwerverbrecher, neige aber zu einem "gewissen Abenteurertum".

Das kleine Wunder begann 2002, als Kölmel für 32 Millionen Euro die Kinowelt-Filmrechte aus der Insolvenzmasse zurückkaufen konnte – das war der Grundstock zu seiner zweiten Karriere. Als alle ihn abgeschrieben hatten, gab ihm die Leipziger Sparkasse einen Kredit. "Ein wesentliches Ziel unserer Finanzierung war die Schaffung von wertvollen, hoch qualifizierten Arbeitsplätzen in Leipzig", erinnert sich Peter Krakow, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Leipzig. "Deshalb haben wir die Bedingung gestellt, den Firmenstandort der Kinowelt GmbH nach Leipzig zu verlegen. Inzwischen arbeiten dort schon über 140 Mitarbeiter." Kölmel bediente sich damals auch bei der ebenfalls in Schwierigkeiten geratenen Kirch-Gruppe und erwarb für 10 bis 15 Millionen Euro die Rechte an der riesigen Filmbibliothek mit vielen Klassikern. "Feuerzangenbowle" und "Sissi" gehören auch heute noch zu den beliebtesten Filmen auf DVD. Das DVD-Geschäft sorgte aber auch schon für negative Schlagzeilen: Die von Kinowelt teilweise eingesetzte Kopiersperre Alpha-DVD konnte auf Windows-Rechnern die Brennfunktionen beeinträchtigen und eine Sicherheitslücke öffnen.

Quasi einen Ritterschlag erhielt Kölmel aber bei der Premiere von Wortmanns "Sommermärchen" am 3. Oktober vor 1800 Gästen im Theater am Potsdamer Platz in Berlin. Seither sahen fast vier Millionen Zuschauer den Streifen im Kino und über zehn Millionen im Fernsehen. Am 8. Februar 2007 startet der DVD-Verkauf – laut Kölmel gibt es schon über 100.000 Vorbestellungen. Nach seiner Einschätzung wird der deutsche Film weiter boomen. "Wir werden uns noch stärker darum kümmern."

Doch die Justiz kommt ihm immer mal wieder in die Quere. Ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Aktiengesetz wurde eingestellt, aber Ermittlungen nach einer Anzeige wegen Subventionsbetrugs beim Bau des Leipziger Stadions ziehen sich hin. Kölmel betont, er habe nie Subventionen beantragt und kritisiert das lange Verfahren. Oberstaatsanwalt Lutz Lehmann erklärt das mit der Sorgfaltspflicht: "Die Vorwürfe müssen gründlich geprüft werden." Die Entscheidung soll bis Jahresende fallen. Kölmel fühlt sich zu Unrecht verfolgt und meint: "Die besten Gegenmittel sind Offenheit und Erfolg." (Rolf Westermann, dpa) / (jk)