Frankreichs Mobilfunker unter Kartellverdacht
Die drei französischen Mobilfunkanbieter Bouygues, Orange und SFR stehen unter dem Verdacht illegaler Absprachen über Mindestpreise und Marktanteile.
Die drei französischen Mobilfunkanbieter Bouygues, Orange und SFR stehen unter dem Verdacht illegaler Absprachen über Mindestpreise und Marktanteile. Die Firmen weisen die Anschuldigungen von sich. Bouygues betont, sich selbst bereits über das Duopol der beiden größeren Konkurrenten beschwert zu haben. Französischen Medienberichten zufolge sollen sich aber Mitarbeiter der drei Anbieter von 1997 bis 2003 monatlich getroffen haben, um ihre Marktstrategien zu diskutieren und vertrauliche Informationen auszutauschen. Dies gehe aus Unterlagen hervor, die das Betrugsuntersuchungsbüro bei einem Orange-Manager gefunden habe. Die drei französischen Netzbetreiber sollen Ende 2003 auf die gegen sie laufenden Erhebungen aufmerksam geworden und daraufhin ihre Zusammenkünfte eingestellt haben.
Der Manager soll die Treffen bei einer Vorstandssitzung als "Jalta der Marktanteile" bezeichnet haben. France Telecom bestreitet eine solche Äußerung. In der ukrainischen Küstenstadt Jalta trafen sich 1945, kurz nach Befreiung der Krim, Churchill, Roosevelt und Stalin; sie teilten dort Europa unter ihren Ländern auf. Auch die Sektorengrenzen in Deutschland und Österreich (samt Berlin und Wien) wurden in Jalta vereinbart.
Thierry Breton, Minister für Finanzen, Wirtschaft und Industrie, hat seinen Stellvertreter Francois Loos zum Chefermittler in der Sache ernannt. Dessen Vorgänger Patrick Devedjian wirft Breton vor, dem Wettbewerb am französischen Telekommunikationsmarkt nicht genügend Aufmerksamkeit zu schenken und bezweifelt Bretons Objektivität. Der Minister war von Oktober 2002 bis zum Antritt seines Ministeramtes im vergangenen Februar CEO von France Telecom, der Muttergesellschaft von Orange. Breton hat angeblich an der Orange-Vorstandssitzung teilgenommen, bei der die "Jalta"-Vereinbarung zur Sprache gekommen sein soll. Der Minister selbst betont, dass die Ermittlungen nach der Anzeige der Konsumentenschutzorganisation UFC im Februar 2002, also bereits vor seiner Tätigkeit als France-Telecom-Chef, begonnen hätten.
Die Aktienkurse von Bouygues, SFR-Mehrheitseigentümer Vivendi und France Telecom sind, seit Bekanntwerden der ersten Vorwürfe am Mittwoch, gefallen. Die theoretische Höchststrafe liegt bei 10 Prozent eines Jahresumsatzes. Ein Ergebnis des von der Wettbewerbsbehörde übernommenen Verfahrens soll bis Jahresende vorliegen. Die Wettbewerbsbehörde hat die Regulierungsbehörde bereits wiederholt auf mangelhaften Wettbewerb am Mobilfunkmarkt hingewiesen und Eingriffe in die Verträge zwischen Netzbetreibern und MVNO (Mobile Virtual Network Operators) gefordert. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)