"Digital Bootlegs" von Pearl Jam ohne Nutzungsbeschränkung

Ab September will die Grunge-Band aus Seattle kurz nach Ende eines Konzerts die Mitschnitte ohne DRM zum Download bereitstellen.

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Die US-amerikanische Grunge-Band Pearl Jam will ab September Aufzeichnungen ihrer Konzerte als Musik-Download anbieten. Die von der Band "Digital Bootlegs" genannten Aufnahmen sollen noch während der Konzerte professionell abgemischt und ein paar Stunden nach Konzertende mit 192 kBit/s zum Preis von 10 US-Dollar erhältlich sein.

Die Bitrate sei als Kompromiss gewählt worden, um größtmögliche Qualität bei einer möglichst niedrigen Datenmenge zu gewährleisten. Die Musikfans sollen die freie Wahl haben, was sie mit den Mitschnitten machen können, also ob sie die Downloads auf CD brennen oder auf ihrem MP3-Player mitnehmen. Auf Grund der Bitrate und der versprochenen freien Nutzungsmöglichkeiten erscheint es wahrscheinlich, dass die Konzertmitschnitte im MP3-Format angeboten werden; Pearl Jam selbst gab noch keine Informationen über den gewählten Codec bekannt.

Als Erstes soll am 1. September eine Aufzeichnung des Konzerts in Gorge im US-Bundesstaat Washington erhältlich sein. Weitere Downloads werde es danach von den meisten Konzerten der Tour in den USA und in Kanada geben. Neben der Musik sollen die Downloads auch passende Bilder und Slideshows enthalten. Pearl Jam hat seit der Welt-Tournee im Jahr 2000 ein eigenes CD-Bootleg-Programm. Das neue Konzept sei eine Fortführung des bewährten Konzepts: 3 Millionen dieser Live-CDs habe die Band bisher verkauft.

Die neuen digitalen Bootlegs -- der mit "Stiefelschaft" zu übersetzende Begriff meint, neben generellen Bedeutungen beispielsweise beim Schmuggel und bei unautorisierten Kopien, in der Regel nicht autorisierte Konzert-Mitschnitte -- seien nicht mit Digital Rights Management versehen. Die Entscheidung sei beispiellos für eine Band dieser Größe, meint Pearl-Jam-Manager Tim Bierman. Von unerlaubten Mitschnitten, die durch den digitalen Vertrieb von "autorisierten" Bootlegs schon aus Qualitätsgründen weniger attraktiv werden, ist bei Pearl Jam nicht die Rede, anders als bei den digital erhältlichen Konzertmitschnitten der Rockgruppe Queen. Für Pearl Jams ehemalige Plattenfirma Epic war das Thema illegale Musik-Kopien anscheinend viel wichtiger. 2002 bekamen Journalisten die CD Riot Act mit einem zugeklebten Discman ausgehändigt. Die nächste CD soll bei J Records erscheinen. Die digitale Welt beschäftigt die Musiker aus Seattle schon länger. Vor zwei Jahren gehörten sie zu den Sponsoren der Konferenz von der Future of Music Coalition. (anw)