Vom Orbit zum Schwarzwaldhof
Ende Mai ist der Multi-Spotbeam-Satellit Ka-Sat offiziell in Betrieb gegangen. Der Trabant beliefert bislang unterversorgte Gebiete mit schnellen Internetzugängen, die beim Download bis zu 10 MBit/s erreichen. Ab dem Jahresende 2011 sollen 50 MBit/s möglich sein.
- Dirk Srocke
Für den offiziellen Start des neue Satelliten-Internet bauten die Betreiber im baden-württembergischen Landtag eigens zwei Sat-Antennen auf. So konnten Ministerpräsident Winfried Kretschmann und andere Anwesende die unter dem Namen Tooway vermarktete Technik testen. Hinter Tooway steckt die Eutelsat-Tochter Skylogic. Das Satelliten-Internet lässt sich aber auch über Distributoren wie skyDSL, Sat Internet Services sowie die Internetagentur Schott buchen.
Bisher unerschlossene Regionen versorgt der Satellit mit Internetzugängen, die aktuell bis zu 10 MBit/s empfangen und bis zu 4 MBit/s senden. Die ab Jahresende 2011 verfügbaren Empfangsanlagen sollen in Empfangsrichtung bis zu 50 MBit/s erreichen. Bislang erreichte das Satelliten-Internet nur 3,6 MBit/s beim Empfang und 384 kBit/s beim Senden.
Die Parabolantennen haben einen Durchmesser von 77 Zentimetern und sind mit einer Multifeed-Halterung ausgerüstet. Eine Sat-Schüssel mit drei LNBs erlaubt somit neben dem Versand und Empfang von Daten auch den Empfang von Fernsehprogrammen zweier separater Satelliten. Die Datendienste benötigen jedoch eine parallele Infrastruktur: Zusätzlich zu den Koaxialkabeln für die TV-Signale muss ein RG-59-Kabel bis zum Sat-Modem verlegt werden. Von dort wird der Netzzugang per Ethernet weitergereicht.
Herzstück des aktualisierten Tooway-Angebots ist Ka-Sat: Der Satellit verbindet sich über zehn Bodenstationen mit dem Internet und überträgt insgesamt über 70 GBit/s. Seine Gesamtleistung verteilt er auf mehrere Spotbeams, die jeweils ein Gebiet mit einem Durchmesser von 220 bis 250 Kilometern ausleuchten und mit einer Bandbreite von je 1 Gigabit pro Sekunde versorgen. In Deutschland gibt es sieben dieser Spotbeams. Anders als sein Vorgänger sendet Ka-Sat nicht mehr im Ku-band, sondern im Ka-Band auf 13 Grad Ost. Daher sind für seine Nutzung neue Modems auf Teilnehmerseite erforderlich und die Antennen müssen neu ausgerichtet werden.
Trotz der eindrucksvollen Daten muss man Tooway als Behelfslösung betrachten. So charakterisiert der Präsident der Landesanstalt für Kommunikation (LFK), Thomas Langheinrich, Tooway nur als „wichtigen Baustein im Technologie-Mix“, um ländliche Gebiete kostengünstiger als mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen. Die Kehrseite der Medaille: Der Satellitenfunk lässt sich durch Wettereinflüsse leichter als Glasfaserkabel stören. Trotzdem verspricht Tooway seinen Nutzern eine Verfügbarkeit von 97 Prozent. Auch die Latenz der Verbindungen des 36 000 Kilometer entfernten Satelliten ist sehr hoch: Wie bei Satellitenverbindungen üblich bewegten sich die Ping-Zeiten bei der Vorführung um die 700 Millisekunden. Für schnelle Online-Spiele ist das Satelliten-Internet also weiterhin nichts. Beim VoIP-Telefonieren über den Satelliten seien die Verzögerungen aber akzeptabel.
Unterschiedliche Angaben gibt es zum nutzbaren Datenvolumen des Angebots: Während Distributor SkyDSL für unter 20 Euro eine „echte Flatrate“ verspricht, schränkt Servicebetreiber Tooway ein: Es gelte in allen Tarifpaketen eine Fair Access Policy, die beim offiziellen Tooway-Start nur auf Nachfrage und recht vage umschrieben wurde. So sprach Victor Kühne, Managing Director bei Tooway, von einer „leichten Drosselung“, die nach dem „Download mehrerer Gigabyte in einer kurzen Zeit“ wirke. Diese Einschränkung ließe sich durch Hinzubuchen von „Volume Boostern“ umgehen. Vermutlich setzt SkyDSL diese Booster derzeit noch automatisch und ohne zusätzliche Kosten für den Kunden ein. Tooway bietet seinen Vertriebspartnern Pakete mit einem festen Preis und einem bestimmten Transfervolumen an. Zusätzliche Daten werden separat berechnet. Allerdings geht Tooway davon aus, dass sich in Zukunft Flatrates ohne Fair-Use-Policy am Markt durchsetzen.
Strittig bleibt auch, wie viele Parteien hinter dem Sat-Modem hängen dürfen. Während Tooway keine Einschränkungen macht, verwahrt sich die Internetagentur Schott gegen größere, vom Anbieter nicht genehmigte Infrastrukturen hinter dem Sat-Modem. Nicht zuletzt wegen rechtlicher Aspekte solle in Häusern mit mehreren Wohnparteien jeder für sich den Dienst buchen. Damit mehrere Haushalte nur eine Antenne aufs Dach setzen müssen, bietet Schott mit dem Satspeed-DSLAM-Modem-Server eine Verteillösung „für maximal 24 Haushalte“ an. (rek)