Gut orientiert
Mit Google Maps gehört zwar eine kostenlose Geosoftware zum Android-Lieferumfang, aber diese funktioniert nur begrenzt ohne Internetverbindung. Unabhängigkeit schaffen Offline-Karten nebst entsprechender Software – auch in lizenzrechtlicher Hinsicht.
- JĂĽrgen Seeger
Das auf vielen Android-Handys vorinstallierte Google Maps ist meist die erste Wahl in Sachen Navigation. Aber mit einer langsamen Datenverbindung oder in Roaming-Situationen etwa im Ausland macht Google Maps entweder keinen SpaĂź oder ist ziemlich teuer.
Eine grundsätzliche Alternative zu kommerziellen Kartendiensten jeder Art ist OpenStreetMap (OSM), das 2004 gegründete Projekt zur Sammlung und Zusammenstellung frei verfügbarer Geodaten weltweit (wie auch alle anderen Onlinequellen siehe iX-Link). Das Ergebnis der Arbeit von Tausenden Freiwilliger ist beeindruckend. In den letzten Jahren haben sie eine Datenbasis geschaffen, die in vielen Teilen Europas und Nordamerikas nicht nur mit der von kommerziellen Anbietern wie Google oder Microsoft mithalten kann, sondern in Aspekten wie Fahrrad- oder Fußwegen gelegentlich sogar besser ist. Und: Man darf OSM-Daten auf Basis der Creative-Commons-Lizenz Attribution-ShareAlike 2.0 uneingeschränkt nutzen und weiter verbreiten.
Auf der OSM-Site lassen sich Karten über die Weboberfläche in verschiedenen Formaten herunterladen: als Mapnik-Bild, erzeugt mit dem Standard-Renderer, als Omarender-SVG-Image, als HTML und in Form von OSM-XML-Daten. Als Image-Format für Mapnik stehen unter anderem JPEG und PDF zur Verfügung, in einem ersten Schritt könnte man sich also eine Karte mit dem Ausschnitt und dem Zoom-Faktor seiner Wahl auf das Smartphone spielen. Für Website-Betreiber dürfte die Option „HTML-Export“ von Interesse sein. Der generierte iframe lässt sich mit einer Markierung versehen in eigene HTML-Seiten integrieren. Das geht zudem mit speziellen Overlays, sodass sich von einer Karte mit den Standorten von Überwachungskameras über Skipisten bis zu Routen von Hochspannungsleitungen schon zahlreiche Webanwendungen finden; nicht nur statische Darstellungen, sondern auch mit Routenfindung. Pars pro Toto für Letzteres sei der an der Uni Heidelberg entstandene OpenRouteService genannt, der auch einen Export der errechneten Route als GPX-Datei erlaubt.
GPX, das von der Firma TopGrafix entwickelte GPS Exchange Format, ist ebenfalls lizenzfrei, XML-basiert und mittlerweile das Standardaustauschformat für Geodaten. Falls Navigationssoftware oder -gerät nicht mit GPX umgehen können, hilft eigentlich immer GPSBabel. Das in C geschriebene Programm steht unter der GPL und wandelt nicht nur Formate, sondern kann auch verschiedene Quellen mit unterschiedlichen Formaten zusammenfassen und beispielsweise dabei einen Filter anwenden, der nur Wegpunkte innerhalb einer definierten Region passieren lässt. Sollte GPSBabel einmal ein Geodatenformat nicht kennen, kann man es in einem eigenen Style Sheet ergänzen. Oder man schreibt seinen eigenen Filter in C. GPSBabel gibt es für Windows und Mac OS X sowie als Quellcode für POSIX-kompatible Systeme; es lässt sich auf den meisten Linux-Varianten mit der üblichen configure-make-Sequenz übersetzen und wandelt Daten aus Dateien und direkt von und zu angeschlossenen GPS-Geräten.
Doch zurĂĽck zu den Smartphones. Im Android Market, der seit Februar dieses Jahres auch per Webbrowser vom PC aus erreichbar ist, werden dank der OSM-Android-API diverse Apps angeboten, die mit OSM-Daten arbeiten. Eine Suche nach OpenStreetMap bringt ĂĽber 380 Treffer, in der OSM-Dokumentation zum Thema waren beim Schreiben dieser Zeilen 53 Apps aufgefĂĽhrt, davon 39 kostenlose. Die im Artikel genannten stellen nur eine subjektive Auswahl dar.
Zunächst stellt sich die Frage, woher man Karten für die Apps bekommt. Da es als Java-Programm auf allen Betriebssystemen läuft, sei hier Mobile Atlas Creator (MAC) erwähnt. Es kann für viele Zielsysteme Karten aus frei verfügbaren Quellen generieren. Eine detaillierte Beschreibung zum Zusammenspiel von OruxMaps und MAC hat ein Benutzer auf www.brotbuexe.de veröffentlicht, die Vorgehensweise ist abgesehen vom Zielformat auf andere Apps übertragbar. Neben dem obligatorischen Java 1.6 sollte man die SQLite JDBC Library in das MAC-Verzeichnis installieren, da sie für einige Kartenformate benötigt wird. Die fertigen Karten mit verschiedenen Zoom-Levels werden üblicherweise per USB auf die SD-Karte des Android-Phones transferiert und sind in den Apps dann als Karte wählbar. Ein Areal von 1000 Quadratkilometern mit den fünf höchsten Zoom-Levels benötigt knapp 100 MByte Platz auf der SD-Karte.
Mit MAC lassen sich Karten für OruxMaps, OSMand, OSMdroid und Rmaps generieren – Apps, die mit verschiedenen Online- und Offline-Karten umgehen, Wegpunkte verwalten, Routen und Tracks importieren, Tracks aufzeichnen und Online-Karten in einem Cash wählbarer Größe offline vorhalten können.
Locus, MapDroyd und Multimap cachen Daten zur Offline-Nutzung innerhalb der App, ebenso wie NavIT. Letzteres braucht für Deutschland knapp ein 1 GByte auf der SD-Karte – und kann anschließend sogar offline Routen berechnen.
Alle Links: www.ix.de/ix1107138 (js)