Das Auto als Kunstwerk
Kritisch setzen sich die Macher der Ausstellung "Car Culture" in Karlsruhe mit dem Automobil auseinander. Die Palette der Exponate reicht vom VW-Käfer-Turm von Hans Hollein über die halb eingegrabenen Cadillacs des US-Künstlerduos Ant Farm bis zu von Erwin Wurm "getunten" Fahrzeugen
- ssu
Karlsruhe, 17. Juni 2011 – Es wird geliebt, vergöttert und gehasst. Das Auto hat alle Qualitäten für ein Kunstwerk. 1886 meldeten Carl Benz und Gottlieb Daimler ihre ersten Gefährte mit Verbrennungsmotor zum Patent an. 125 Jahre später hat das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Werke aus aller Welt zusammengetragen, in denen das Automobil im Mittelpunkt steht. Die Palette der mehr als 80 Exponate reicht vom VW-Käfer-Turm des Wiener Architekten und Bildhauers Hans Hollein über die halb eingegrabenen Cadillacs des US-Künstlerteams Ant Farm bis zu einem "sterbenden" Auto, das von den Skandinaviern Elmgreen und Dragset geteert und gefedert wurde.
Mekka für Auto-Skeptiker?
Die Schau "Car Culture. Medien und Mobilität" ist bis zum 8. Januar 2012 zu sehen. "Die Sicht der Künstler auf das Auto ist nicht so optimistisch wie die der Autobauer", sagte ZKM-Leiter Peter Weibel bei einer Vorab-Präsentation. Weibel selbst glaubt nicht an eine Zukunft für das Auto. Das Zeitalter einer neuen Mobilität habe längst begonnen. Mit der Funktechnologie könnten Botschaften ohne Materialeinsatz große Wege zurücklegen.
Das Auto als Kunstwerk (3 Bilder)

Erwin Wurm: "Fat Car Convertible" (Porsche) 1/3, 2005
Mobilität und Telekommunikation
Die Ausstellung zeigt deshalb in einer Sonderschau auch die Entwicklung der Telekommunikation, die nach Meinung der Ausstellungsmacher in einigen Bereichen das Auto bereits überflüssig gemacht hat. "Viele Menschen fahren heute nicht mehr zu einem gemeinsamen Treffen mit Freunden, sondern sie treffen sich im Internet", nannte Weibel als Beispiel. Dem lässt sich entgegenhalten, dass Personen, die aufs Auto als Fortbewegungsmittel nicht verzichten können oder möchten, zunehmend auf Telecom- oder Internet-Dienste während der Fahrt zugreifen. Die Palette reicht von der Handy-Freisprechanlage über internetfähige Car-Infotainment-Systeme bis hin zu mehr oder weniger sinnvollen Verknüpfungen des Autos mit dem "Web 2.0", wie sie jüngst BMW am Beispiel eines twitternden Mini demonstriert hat.