Nur ein Fünftel der Unternehmen nutzt die Produktkostenanalyse

Die Produktkostenanalyse wurde vor etwa 30 Jahren im Automobilumfeld "erfunden". Obwohl sie mehr Kostentransparenz verspricht, hat sie den großen Sprung in andere Branchen bis heute nicht geschafft.

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Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Marzena Sicking

Obwohl 80 Prozent der Unternehmen ihre Kosten senken wollen, nutzt nur ein Fünftel von ihnen dazu auch die Möglichkeit einer Produktkostenanalyse. Das hat eine gemeinsame Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, der Universität St. Gallen und des auf Produktkostenanalyse spezialisierten Beratungsunternehmens costdata Cost Engineering ergeben.

Dabei sorge die Methode für erhöhte Kostentransparenz bei eingekauften Produkten und selbst gefertigten Waren und ermögliche so eine bessere Verhandlungsposition gegenüber den Lieferanten, wie die Auftraggeber der Studie betonen. Die auf die entsprechende Dienstleistungen spezialisierten Anbieter sehen naturgemäß vor allem die großen Vorteile des Prozesses.

Tatsächlich verschafft das Verfahren detallierteren Einblick, der aber nur mit erhöhtem Aufwand zu erreichen ist – und der lohnt sich in vielen Fällen tatsächlich nicht. So werden in der Produktkostenanalyse Produkte, vor allem Fremdfabrikate, quasi in ihre Einzelteile zerlegt. Diese Einzelteile werden gewogen, gemessen und schließlich in ihre Kostenparameter aufgeteilt: Lohnkosten, Materialkosten, Fertigungskosten, Veredelungskosten und viele weitere Kostenblöcke, welche die Gesamtkosten eines Produktes ausmachen. Im Anschluss werden die Kosten jedes Einzelteils aufaddiert, um zu den real existierenden Kosten eines Produkts zu kommen. Damit, so die Analysten, könnten Unternehmen die Kosten von eingekauften Waren von Dritten genau berechnen und damit neue Argumente in Einkaufsverhandlungen erhalten.

In der Praxis kommen solche Tools nur bei großen Unternehmen zum Einsatz. Traditionsgemäß sind es die Automobilzulieferer, die auf die Produktkostenanalyse setzen. Der Studie zur Folge verfügen hier insgesamt 44 Prozent der Zulieferunternehmen über ein so genanntes "Cost Breakdown Tool", bei den Unternehmen mit einem Umsatz über 50 Millionen Euro sind es sogar 61 Prozent. Als Gegenbeispiel werden die deutschen Maschinenbauer genannt: Hier nutzt nur jeder Fünfte die Produktkostenanalyse, bei Unternehmen mit weniger als 100 Millionen Euro Umsatz ist es nur jedes Zehnte.

Von einer flächendeckenden Nutzung kann also nicht die Rede sein, wie auch Frank Weinert, Geschäftsführer von costdata Cost Engineering, bestätigt: "Die Frage: was kostet mein Produkt wirklich, bis es schlussendlich beim Kunden ausgeliefert wird? können die meisten Unternehmen nicht beantworten." Der Grund ist der besagte zeit- und kostenintensive Aufwand: Ein Produkt mit all seinen Vorprodukten muss in viele verschiedene Kostenparameter aufgeschlüsselt werden, um die genauen Produktionskosten zu bestimmen. Eine analytische Tätigkeit, für die die meisten Unternehmen keine eigene Mannschaft und Ausstattung haben. Also wird in den meisten Fällen weiterhin mit Schätzwerten gearbeitet. (Marzena Sicking) / (map)