mmO2 übernimmt sich selbst, um zu sparen

Mit einer ausgeklügelten Firmen-Konstruktion will sich der Mobilfunk-Konzern mmO2 selbst übernehmen und damit zwei Probleme auf einen Schlag lösen. Als neuer Name ist zudem das bislang von der deutschen Tochter geführte "O2" vorgesehen.

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Mit einer ausgeklügelten Firmen-Konstruktion will sich der Mobilfunk-Konzern mmO2 selbst übernehmen und damit zwei Probleme auf einen Schlag lösen. Eine neue Gesellschaft namens O2 plc. übernimmt mmO2 plc. zur Gänze, das Listing in amerikanischen Börsen wird eingestellt. Einige Begleitmaßnahmen sollen die Aktionärsstruktur, die dem Unternehmen hohe Kosten verursacht, bereinigen helfen. Weniger US-Aktionäre und weniger Aktionäre mit minimalen Anteilen sind das Ziel.

Einerseits gibt es eine große Zahl von Kleinstaktionären, was vor allem auf die 2001 erfolgte Abspaltung von der ehemaligen Mutter British Telecom (BT) zurückzuführen ist. Über eine Million Personen besitzen jeweils zwischen 1 und 600 Aktien, oder anders ausgedrückt: 63 Prozent der Aktionäre stellen zusammen gerade einmal 3,5 Prozent des Stammkapitals. Die Verwaltung dieser Teilhaber ist aufwendig; die Kosten für die Dividenden-Ausschüttung ist in vielen Fällen höher als die Dividende selbst. Auf Grund überproportionaler Makler- und Börsenspesen können die Kleinstaktionäre ihre Aktien aber auch nicht verkaufen.

Andererseits verursacht das Listing von Aktien-Äquivalenten (American Depository Receipts, ADR) an der New York Stock Exchange (NYSE) hohe Kosten. Gleiches gilt für die Registrierung der Aktiengesellschaft bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC). Dabei ist das Handelsvolumen an der NYSE gering, die meisten US-Aktionäre halten an europäischen Börsen erworbene echte mmO2-Aktien. Da sich die Vorschriften des US-Rechts von denjenigen in Europa unterscheiden, müssen viele Unterlagen, insbesondere die arbeitsintensiven Finanzberichte, doppelt erstellt werden, was auch doppelte interne Kontrollen erfordert. "(Dies) resultiert in Kosten, die in keiner Relation zu den wirtschaftlichen Vorteilen einer fortdauernden Registrierung (bei der SEC) stehen", schreibt mmO2.

Die Rechtsexperten des Unternehmens haben sich aber eine Lösung für die Probleme einfallen lassen. Die neu gegründete O2 plc. übernimmt alle Aktien von mmO2 und tauscht sie auf Wunsch des jeweiligen Aktionärs 1:1 in eigene Aktien, die weder direkt noch als ADR an US-Börsen gehandelt werden. Aktionäre, die sich nicht bei O2 melden, werden in bar abgefunden. Durch einen Aufschlag von 5 Pence pro Aktie auf den Kurs soll Inhabern geringer Anteile der Ausstieg schmackhaft gemacht werden. Diese Bargeld-Alternative wird voraussichtlich auf 300 Millionen Aktien begrenzt sein, wobei Kleinstaktionäre bei der Zuteilung bevorzugt werden. Die De-Registrierung bei der SEC ist nur möglich, wenn die Zahl der Aktionäre mit Wohnsitz in den USA unter 300 fällt und mindestens 18 Monate lang unter dieser Schwelle bleibt. Entsprechend wird die Satzung der O2 plc. temporäre Beschränkungen für den Aktienbesitz durch Einwohner der Vereinigten Staaten vorsehen.

Vor der Umsetzung des Planes muss noch die Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung und des Londoner High Court eingeholt werden. Beides ist für den 14. Februar geplant, am 14. März sollen die neuen O2-Aktien erstmals an der London Stock Exchange gehandelt werden. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)