Der Aufschwung in der Halbleiter-Branche läuft schon wieder aus
Schlechte Nachrichten der Schwergewichte Infineon, STMicroelectronics und AMD verdüsterten die Stimmung in der Halbleiter-Branche. Möglicherweise ist der Boom nach einem kurzen Sommer sprudelnder Umsätze und Gewinne schon wieder zu Ende.
In der Chipbranche brauchen Manager und Anleger gute Nerven. Jahrelang hatte die gebeutelte Branche einen zyklischen Aufschwung herbeigesehnt. Nun sieht es so aus, als ob der Boom nach einem kurzen Sommer sprudelnder Umsätze und Gewinne schon wieder seinem Ende entgegengeht. "Der Aufschwung fällt diesmal kürzer aus als im Schnitt der letzten 30 Jahre", sagt Theo Kitz, Halbleiter-Spezialist des Bankhauses Merck Finck. Schlechte Nachrichten der Schwergewichte Infineon, STMicroelectronics und AMD verdüsterten jetzt die Stimmung weiter. Nur Branchenprimus Intel legte positive Zahlen vor. Der US-Konzern ist aber nicht im volatilen Speicherchip-Bereich aktiv und profitiert vom Prozessorgeschäft.
2004 war für die Branche insgesamt ein gutes Jahr. Der Handy-Boom und die wieder steigende Nachfrage nach Computern belebten das Geschäft mit Chips. Experten gehen davon aus, dass die Branche nach den Einbrüchen in den Jahren zuvor wieder um über 25 Prozent gewachsen ist. Der deutsche Halbleiter-Markt habe 2004 um 11 Prozent zugelegt, verkündete der Branchenverband ZVEI am Donnerstag. Allerdings liegen die Auftragseingänge schon wieder unter den Umsätzen, was auf eine Abschwächung hindeutet.
Im wichtigen Weihnachtsquartal bekamen die Unternehmen die schwierige Marktlage schon zu spüren. Während die Kapazitäten von fast allen Herstellern munter aufgebaut werden, geht in einigen Segmenten die Nachfrage schon wieder zurück. Infineon warnte daher am Donnerstag, das Quartal sei schlechter ausgefallen, als von Analysten erwartet. "Der Markt wird schwächer", sagte ein Konzernsprecher. Als zusätzliche Belastung komme der schwache Dollar hinzu.
Auf die Infineon-Warnung reagierten die Märkte gelassen. Infineon habe ja bereits im November einen pessimistischen Ausblick auf das Quartal gegeben, sagte HypoVereinsbank-Analyst Günther Hollfelder. Deutlich heftiger waren die Reaktionen auf die Gewinnwarnung des US-Chipkonzerns AMD ausgefallen. Das Unternehmen erklärte Anfang der Woche, im vierten Quartal sei der Umsatz trotz des üblicherweise starken Weihnachtsgeschäfts nur leicht höher ausgefallen als im Vorquartal. Der operative Gewinn sei erheblich niedriger ausgefallen als im Vorquartal. Der AMD-Aktienkurs brach um mehr als ein Viertel ein, auch andere Chip-Werte wurden in Mitleidenschaft gezogen. Am gleichen Tag warnte der französisch-italienische Hersteller STMicroelectronics vor rückläufigen Gewinnmargen.
Ob es schon im laufenden Jahr abwärts geht oder ob nur die Wachstumsraten stark zurückgehen, ist unter Experten strittig. Während zum Beispiel Gartner noch ein Plus von etwa fünf Prozent erwartet, halten andere Forscher einen Rückgang des Markts in dieser Größenordnung für möglich. In jedem Fall dürfte der Druck auf die Preise aber anhalten.
Gerade im Speicherchip-Bereich gibt es traditionell einen so genannten Schweine-Zyklus, in dem die Unternehmen erst spät im Boom Kapazitäten ausbauen, wenn das Geld dafür da ist. Das führt dann schnell zu Überkapazitäten und dramatischen Preiseinbrüchen. "Gerade in Asien wird noch viel aufgebaut", sagt Analyst Kitz. Er rechnet allerdings damit, dass einige Unternehmen angesichts des kurzen Booms ihre Investitionspläne noch einmal etwas zusammenstreichen. So könnte der nächste Abschwung zumindest nicht ganz so lange und heftig ausfallen wie beim letzten Mal. (Axel Höpner, dpa) / (thl)