Billighersteller machen bei DVD-Recordern Druck
Nachdem sie die Preise von DVD-Playern an die Marke von 30 Euro gedrĂĽckt haben, nehmen Elektronik-Billighersteller nun das boomende Segment der Festplatten-Recorder ins Visier.
Nachdem sie die Preise von DVD-Playern an die Marke von 30 Euro gedrückt haben, nehmen Elektronik-Billighersteller nun das boomende Segment der Festplatten-Recorder ins Visier. Die Firma Phocus, die bislang mit dem Verkauf von Flachbildfernsehern unter Marken-Preisen erfolgreich war, stellt zur Internationalen Funkausstellung (IFA) ein Gerät mit einer Festplatte von 160 GByte zum Preis von 299 Euro vor. Ein für hochauflösendes HDTV-Fernsehen gerüsteter Plasma-Fernseher mit 82 Zentimetern Bilddiagonale für 999 Euro dürfte den Preiskampf ebenfalls verstärken. Wettbewerber Yakumo will mit Recordern punkten, die auch drahtlos vernetzt werden können.
"Der Kunde ist bereit, in dieser Preisgruppe zu kaufen, und zwar schon heute", sagte Phocus-Geschäftsführer Winfried Hoffmann am Mittwoch vor Beginn der IFA in Berlin. Das Konzept sei, begehrte Technik erschwinglich anzubieten. Im ersten Halbjahr setzte Phocus insgesamt 240.000 Geräte bei einem Umsatz von 100 Millionen Euro ab, im Gesamtjahr wird der Absatz von 600.000 Einheiten bei Erlösen von 250 Millionen Euro erwartet. Das Unternehmen verkauft seine Geräte unter anderem im Lebensmittelhandel und in Baumärkten.
Hinweise von Händlern und Marken-Vertretern, dass Sparen an der Produktion auch Kompromisse bei der Qualität bedeutet, nehmen die Billig-Hersteller gelassen. "Wir wollen Preis-Leistungssieger sein, nicht unbedingt Testsieger", sagt Yakumo-Chef Jürgen Rakow. Sein Unternehmen prescht zur IFA mit einer Palette vernetzter Unterhaltungsgeräte vom Medienserver bis zum DVD-Player vor und setzt dabei noch konsequenter als selbst viele Markenanbieter auf drahtlose Verbindungen via WLAN.
"Weil wir schlanker aufgestellt sind, können wir schneller auf neue Trends reagieren als die Großen", sagt Rakow. Yakumo hat bei einem Jahresumsatz von 270 Millionen Euro gerade einmal 100 Mitarbeiter -- die Produktion in China ausgenommen. Da sie sich noch viel weniger als die Großen Flops leisten könnten, achteten No-Name-Anbieter stärker auf die Massentauglichkeit ihrer Produkte, sagt er. Sie profitieren dabei zum einen von dem schnellen Fortschritt in der Branche: In immer kürzeren Abständen werden neue Technologien auf den Markt geworfen, und noch kurz zuvor brandneue Technik wird schnell günstiger. Zum anderen steigern die Bauteile-Lieferanten immer weiter die Produktion, um die Entwicklungskosten wieder hereinzuholen und sorgen damit ebenfalls für Preisrückgänge.
Dass zum Beispiel die Flachbild-Panels für No-Name-Geräte ausgerechnet von Markenherstellern wie Panasonic kommen, sei nur ein scheinbarer Widerspruch. Die Elektronik-Riesen verdienten gutes Geld an dem breiten Absatz ihrer Komponenten und können sich auf die Pflege ihrer Markennamen konzentrieren, ohne ins Billig-Segment absteigen zu müssen. Außerdem sei bei Fernsehgeräten die Elektronik im Hintergrund mindestens genauso wichtig wie die Panels selbst, sagt ein Vertreter des Markenlagers. Wer daran spare, liefere ein merklich schlechteres Bild.
Phocus-Geschäftsführer Hoffmann weist Zweifel an der Qualität seiner Geräte zurück. Phocus erziele niedrige Preise durch Produktion in der Türkei, dank der die Geräte zollfrei nach Europa eingeführt werden könnten. Eine entscheidende Entwicklung sei auch der Vorstoß in die Supermarkt-Regale gewesen. "Um günstig zu sein, müssen Sie über hohe Mengen verfügen." Die Handelskonzerne zahlten auch oftmals drauf, um Kunden mit niedrigen Elektronik-Preisen anzulocken. So hatte der günstigste DVD-Player von Yakumo eine unverbindliche Preisempfehlung von knapp 45 Euro -- während er in den Läden schon für 30 Euro zu haben war.
Die Konkurrenz schlägt auf das gesamte Preisniveau durch. Ein Fernsehgerät mit 106 Zentimetern Bilddiagonale koste heute rund 2200 Euro gegenüber 3000 Euro noch vor einem Jahr, sagt der Geschäftsführer eines norddeutschen Media-Marktes. Und der Handel sieht kein Ende des Trends. "In der heutigen Marktlage ist der Preis entscheidend", betont der Geschäftsführer des Handelsverbundes ElectronicPartner, Oliver Haubrich. Die Märkte polarisierten sich -- auf der einen Seite hochwertige Markenprodukte, auf der anderen billige No-Name-Geräte. Bei Produktgruppen wie Flachbild-Fernseher oder Festplattenrecorder hätten Markenhersteller nach wie vor eine führende Position. "Wenn man schon über 1000 Euro in die Hand nimmt, wollen viele kein No-Name-Gerät dafür haben", sagt Haubrich. (Andrej Sokolow, dpa) / (pmz)