UN-Gremium berät über Kosten der Interkonnektivität

Die Themen für die erste Tagung des Internet Governance Forum im Herbst stehen nun fest. Ganz oben auf der Liste steht auch die Benachteiligung von Entwicklungsländern, die nicht über eigene Netze verfügen.

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Zugang, Sicherheit, Diversifizierung und Offenheit sind die Themen für das erste Treffen des von der UN einberufenen Internet Governance Forums (IGF) im Herbst in Athen. Das entschied nach zweitägiger Beratung gestern Abend in Genf die von UN-Generalsekretär Kofi Annan eingesetzte Beratergruppe, die IGF-Treffen vorbereitet. Die Frage der Kosten für Internetkonnektivität und die Benachteiligung von Entwicklungsländern, die nicht über eigene Netze verfügen, soll beim ersten Treffen auf der Themenliste ganz oben stehen. Entgegen vorangegangener Kritik aus Brasilien sind Debatten zum Thema DNS-Verwaltung, Rootzone-Management und US-Dominanz hingegen verschoben worden, obwohl sie der Hauptstreitpunkt beim WSIS waren und letztlich zur Einrichtung des Forums führten.

Laut Zahlen der Association for Progressive Communication (APC) kostet ein Mbps in den Ländern, die am westafrikanischen SAT3-Glasfaserkabel hängen, derzeit rund 10.000 bis 15.000 US-Dollar, bei Gestehungskosten von rund 2000 Dollar. Das Thema Kosten für die Verbindung an internationale Netze war auch eines der zentralen Themen beim UN Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS). Das IGF soll sich des Themas unter dem Schwerpunkt Zugang zum Netz nun verstärkt annehmen. Noch ist etwa die genaue Strategie für das für Ostafrika neu verlegte EASSy-Netz nicht klar. APC warnt vor ähnlich hohen Preisen.

Bei Thema Sicherheit wurden in Genf neben dem Thema Spam, Phishing und Virus-Problematik auch die "Gewährleistung von Sicherheit bei gleichzeitigem Schutz persönlicher Daten" auf die Tagesordnung gesetzt. Gehört werden sollen dabei die entsprechenden Experten von Seiten der ISPs, der Strafverfolgungsbehörden und von Menschenrechtsorganisationen. Die beiden weiteren Themen sind Pluralität – darunter fassten die Genfer Berater vor allem das Thema Internationalisierung von Domains und Förderung lokaler Inhalte – und Offenheit im Netz. Laut Informationen aus dem Kreis der Berater gehören zum Bereich Netzoffenheit der freie Fluss von Informationen und Ideen im Netz und damit auch das große Thema Zugang zum Wissen und Urheberrechtsfragen.

Enttäuscht reagierten auf Mailinglisten zunächst Bürgerrechtsvertreter auf den Verzicht, das Thema Freie und Open-Source-Software prominent zu platzieren. Beide sollen laut Informationen von Teilnehmern aus dem Themenbereich Zugang zum Netz gestrichen worden sein. Nun hoffen Netzaktivisten, dass es wenigstens einen Workshop dazu geben wird. Über die Themen der Workshops wurde aber noch nicht endgültig entschieden. Eine Stellungnahme vom IGF-Sekretariat steht noch aus. (anw)