Neuzulassungen im Juni 2011
Der Inlandsmarkt entwickelt sich ordentlich, das Auslandsgeschäft hervorragend. Vor allem der US-Markt macht den deutschen Herstellern Freude: Die Amerikaner kaufen deutlich mehr Dieselmodelle
- Gernot Goppelt
Hannover, 8. Juli 2011 – Eigentlich sieht der Juni bei den Zulassungszahlen bescheiden aus. Nachdem in den ersten fünf Monaten mehr Neuwagen verkauft wurden als im Vergleichszeitraum 2010, liegen die "Fieberkurven" von 2010 und 2011 in der Mitte des Jahre wieder genau übereinander. Doch das Schöne an Statistiken ist ja, dass sie sich so wunderbar interpretieren lassen. Gegenüber Mai sind die Zulassungen zwar um 0,3 Prozent auf rund 288.000 Pkw gesunken, doch bei Betrachtung des Ergebnisses auf Basis der Arbeitstage, so rechnet der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), in dem die Autobauer organisiert sind, die Fahrzeuge nach Deutschland einführen, vor, bleibt Juni mit einem Plus von 10 Prozent im Wachstumstrend der vergangenen Monate – dann ist ja alles in Butter.
Die Volumenhersteller erholen sich
Etwas unerfreulicher ist eine andere Erkenntnis: Auf Tageszulassungen gibt es derzeit zum Teil 40 Prozent Rabatt, wie die Zeitschrift Auto Straßenverkehr jüngst schrieb. Den Geheimtipp Ford Fusion, der zurzeit aggressiv abverkauft wird, geben wir in diesem Zusammenhang übrigens gerne einmal weiter. Wenn die Betrachtung der Kollegen stimmt, heißt das aber auch Folgendes: Tageszulassungen, die ungedingt vom Hof müssen, sind genau jene, die in den Monaten zuvor die Zulassungszahlen geschönt haben.
Neuzulassungen im Juni 2011 (12 Bilder)

In der ersten Jahreshälfte 2011 haben sich die Zulassungszahlen ordentlich entwickelt.
Mit gepflegt distanziertem Blick kann man die Situation auch so beschreiben: Im großen und Ganzen stagniert der Markt, interessante Entwicklungen gibt es eigentlich nur, was Verschiebungen zwischen den Segmenten angeht. Zum einen sind wie schon das ganze Jahr größere Autos gefragt, ein Zeichen für die gute wirtschaftliche Situation, was der hohe Anteil an gewerblichen Zulassungen widerspiegelt. Bei der Gesamtbetrachtung des ersten Halbjahres erfreut die deutschen Volumenhersteller vor allem, dass sie allesamt kräftige Zuwächse zu verzeichnen haben. Bei Ford sind es 17,1 Prozent, bei VW 8,3 und bei Opel 15,9 Prozent. Vor allem für die Rüsselsheimer ist das eine erfreuliche Entwicklung, denn sie stehen nach wie vor unter dem hohen Druck, gute Zahlen – und letztlich auch Gewinne – nach Detroit melden zu können.
Auslandsbegeisterung
So richtig wohl fühlen sich die deutschen Autobauer derzeit beim Blich auf das internationale Geschäft, das sich im Übrigen hinsichtlich der Produktionszahlen auch hierzulande positiv auswirkt. Laut VDA stellten die deutschen Hersteller in der ersten Jahreshälfte daheim gut 3 Millionen Fahrzeuge her. 2,3 Millionen davon wurden ins Ausland exportiert, was deutlich zeigt, wie sich der Marktfokus verschobenen hat. Hinzu kommen die deutschen Werke in Übersee, besonders in China werden viele Modelle vor Ort produziert, aber auch in Süd- und Nordamerika. In China zum Beispiel liegt der Marktanteil deutscher Marken mittlerweile bei 21 Prozent, wobei hier immer ein wenig die Angst vor einer Überhitzung des Marktes mitschwingt.