ProzessorgeflĂĽster

Im Leinedomizil der niederen Sachsen zog ein im Hi-Tech-Bereich nicht unbekannter Verlag um und ins mindestens ebenso schöne Elbflorenz der oberen Sachsen luden zwei nicht unbedeutende Hi-Tech-Firmen zu einem gemeinsamen Event.

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Von
  • Andreas Stiller

Am Standort der größten Halbleiterfabrik in Deutschland wollten AMD und Globalfoundries mal aus erster Hand über den aktuellen Stand der Dinge und ihre Roadmap berichten. Beide Firmen haben ja vieles gemeinsam, nicht nur die Vergangenheit, den Hauptinvestor und die Zusammenarbeit bei der Prozessorfertigung, sondern seit Kurzem auch die Situation an der Führungsspitze.

Ähnlich wie vor ein paar Monaten AMDs Dirk Meyer musste nämlich Globalfoundries' CEO Doug Grose Mitte Juni seinen Hut nehmen, und auch er wurde erst Mal nur durch einen Interimschef ersetzt. Immerhin ist er noch als Berater für die strategische Ausrichtung von Globalfoundries tätig. Man munkelt, dass die anfänglichen heftigen Probleme mit der 32-nm-Fertigung seinen Stuhl in Schwingungen versetzt haben könnten, die von AMD noch durch eine wenig schmeichelhafte Korrektur des Vertrages verstärkt wurden, derzufolge das Prozessorhaus nur noch für gute Wafer bezahlen will.

Beide Firmen benötigen jetzt also noch eine stabile neue Spitze. In Deutschland hat Werkschefin Elke Eckstein bei Globalfoundries das Sagen und sie zeigte sich froh, dass die Chip-Schmiede neben AMD inzwischen etwa 150 weitere Kunden hat. Die wenigsten davon, wie STMicroelectronics, sind bekannt, die meisten dürften Kunden sein, die mit Chartered 2010 zur Familie dazugestoßen sind, etwa Microsoft mit dem Xbox-360-Prozessor. Der wird inzwischen als 45-nm-SoC („Velje“) produziert und ihm kommt wohl eher die Ehre zuteil, als erster APU-Kombi-Chip mit integriertem Grafikprozessor vor AMDs Bobcat oder Llano oder Intels Sandy Bridge. Und wenn man es noch genauer betrachtet, hatte vor Urzeiten ja Cyrix schon mal eine x86-CPU namens „MediaGx“ mit integrierter Grafik samt geschickt komprimiertem Speicherzugriff.

Aber viele kleinere Kunden machen auch Geld – und im Embedded-Bereich müssen es auch nicht die teuren High-End-Prozesse sein. So fertigen fünf von sechs Chartered-Fabriken in Singapur noch auf 200-mm-Wafern mit Strukturgrößen zwischen 110 und 600 nm. Chartereds 300-mm-Werk, nunmehr Fab 7 bei Globalfoundries, ist für Strukturen bis hinunter zu 40 nm ausgelegt. Hauptsächlich aber laufen hier 65-nm-Chips vom Band und für die gibt es weiterhin einen großen Bedarf. So hat nun Globalfoundries mit Synopsys, dem führenden Anbieter von Electronic Design Automation (EDA) eine Kollaboration beschlossen, um ein Interoperable Process Design Kit (iPDK) für zwei 65-nm-Prozesse herauszugeben.

Ok, mit dem Marktführer bei den Auftragsfertiger, TSMC, arbeitet Synopsys schon seit zwei Jahren auf dem Gebiet zusammen und dort hat man bereits 40-nm-iPDKs im Angebot. Mit von der Partie ist auch Samsung Foundry, die 45 nm in Massenproduktion anbietet, 32/28 nm derzeit qualifiziert und die jetzt ein Early Access Process Design Kit für 20 nm herausgebracht hat, in Zusammenarbeit mit ARM, Cadence und Synopsys. Auch erste 20-nm-Testchips konnte Samsung bereits präsentieren. Ob Apple als Auftraggeber noch davon wird profitieren können, ist unwahrscheinlich, denn mäßig genaue Quellen in Taiwan und halbgenaue in den USA sprudeln, dass bei TSMC zuhauf Apple-A-irgendwas-Chips in der Testfertigung oder gar schon in Produktion seien.

Dresden bleibt jedenfalls weiterhin ein wichtiger Standort für Globalfoundries. Der Konzern will weltweit in diesem Jahr etwa 5,4 Milliarden Dollar investieren. Davon sollen 1,5 Milliarden ins Silicon Saxony fließen, um dort die vorhandene Reinraumfläche um über 10 000 m2 zu vergrößern. Diese neue Abteilung, Annex genannt, ist nun genauso wie das im Bau befindliche Werk im Bundesstaat New York im Status „RfE“, also Ready for Equipment. Nach Fertigstellung im Jahre 2012 will man allein in Dresden bis zu 80 000 Wafer im Monat fertigen. New York soll dann 60 000 Wafer in 28-nm-Technik beitragen. Außerdem ist ab 2012/2013 der Bau eines weiteren Werkes geplant, und zwar in Abu Dhabi – immerhin hält Abu Dhabi über die Beteiligungsgesellschaft ATIC derzeit etwa 86 Prozent der Anteile an Globalfoundries. Zu dem kursierenden Gerücht, Globalfoundries plane dann auch noch ein zweites Werk im Luther Forest Technology Campus in Malta/New York gab Eckstein lediglich an, das Areal hätte Platz für zwei weitere Fabs, sie wollte das Gerücht jedoch nicht weiter kommentieren. Aber, wo sollen die Kunden dafür herkommen – will vielleicht IBM die eigene Fertigung einstellen?

Die Bulldozer-Prozessoren kommen ebenso wie bereits die Llano-Chips aus dem jetzt gut eingespielten 32-nm-SOI-Prozess der Dresdener Fab 1. Für Server, so verkündete AMDs Marketing-Chef John Fruehe sei man anders als bei den Desktop-Versionen weiterhin gut im Zeitplan. Danach kann man wohl im September mit den ersten Chips rechnen, sei es mit dem Valencia, der mit 3 bis 4 Modulen (6 bis 8 Kernen) bestückt ist, oder dem Interlagos, der zwei solcher Dies in einem Gehäuse zusammenpackt. Nochmals kurz zur Klärung: Bulldozer steht für die neue Mikroarchitektur, Orochi für den Kern, Valencia und Interlagos sind die Codenamen für die kommenden Serverprozessoren, die dann offiziell Opteron 4200 oder 6200 heißen, und Zambesi, so nennt sich der Prozessor mit Orochi-Kern und Bulldozer-Architektur für Highend-Desktop-PCs, der unter der Bezeichnung FX-2150 bis FX-8150 vermutlich im August in den Handel kommt.

Fusion fĂĽr Server ist bei AMD fĂĽrs heterogene Zeitalter ab 2015 eingeplant.

Und da gibts ja noch die Codenamen der Plattformen, Maranello hier und Scorplus da. Zusätzlich kursieren bereits die Namen des nächsten Enhanced Bulldozers, als da sind: Terramar, Sepang Komodo, Trinity ….

Trinity, das ist der Codename für einen Bulldozer-Chip mit integriertem Grafikprozessor für Notebooks als Nachfolger von Llano. Laut Fruehe soll die Fusion-Technik auch irgendwann in die Server kommen, aber erst im „heterogenen Zeitalter“ nach 2015. Im Moment herrscht hier noch das homogene „Cloud Age“.

Derweil sind weitere Performancewerte vom Zambesi ins Web gewandert, aber auch die sind wohl noch auf einem mit L3-Performance-Problemen kämpfendem Prototypen des FX-3180P entstanden. Immerhin, im alten Cinebench R10 liegt der Prototyp etwa gleichauf mit Intels Core 2600K, nur SuperPi berechnen mag er offenbar nicht – kein Wunder, denn das läuft nur auf einem einzigen Kern und für Single Threads ist Bulldozer definitiv nicht ausgelegt. (as)