ProzessorgeflĂĽster

Prozessoren können auch ganz anders aussehen als die gewohnten CPUs, etwa der Chip Ion 316 von Ion Torrent zur DNA-Sequenzierung, der 6 Millionen Verarbeitungen parallel ausführt. Bei den klassischen CPUs hat AMD-Agentin Ruby jetzt den Termin für den FX-Prozessor offenbart.

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Von
  • Andreas Stiller

Gordon Moore, Intels legendärer Mitgründer und Schöpfer des nach ihm benannten Gesetzes, demzufolge sich die Komplexität von Chips alle 18 Monate verdoppelt, hat seine DNA für eine komplette Sequenzierung zur Verfügung gestellt. Gemäß der Genanalyse hat er eine 56-prozentige Chance auf braune Augen (stimmt), eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Sommersprossen (ein wenig) sowie für ähnlich wichtige Eigenschaften. Moores Mitochondrien jedenfalls gehören zur Haplogroup H, so wie sie in Europa weit verbreitet ist. Außerdem zeigen zwei genetische Abweichungen ein erhöhtes Risiko einer verzögerten geistigen Entwicklung an, was bei Dr. Moore ganz offensichtlich nicht eingetreten ist – so weit zur Aussagekraft von Genanalysen …

Der Ion 316 hat 6 Millionen „Minilabore“, um DNA zu sequenzieren.

Nur zwei Stunden hat die Personal Genome Machine von Ion Torrent mit rund 1000 speziell dafür designten CMOS-Chips benötigt, um die Reihenfolge der etwa 2,9 Milliarden Basenpaare (2,9 Gbp) der Moore’schen DNA mit hinreichender Genauigkeit (99,21 Prozent) zu entschlüsseln. Hinzu kommt aber eine erheblich längere Vorbereitungszeit. Insgesamt 200 000 Dollar hat das Projekt Moore-DNA gekostet, mit den jetzt verfügbaren neuen Chips wären es nur 70 000 gewesen. Ziel, so Chefentwickler Jonathan Rothberg, ist es, die Sequenzierung pro DNA bald schon für weniger als 1000 Dollar hinzubekommen. Zum Vergleich: Die erste Total-Sequenzierung ab dem Jahre 2001 im Rahmen des Human Genom Project dauerte vier Jahre und verschlang etwa eine Milliarde US-Dollar. Dazu waren aufwendige Trace-Methoden mit fluoreszierenden Farbstoffen nötig. Gordon Moore kommt nun aber die Ehre zuteil, als erster Mensch mit preiswerten Halbleiterchips (99 Dollar pro Stück) sequenziert worden zu sein.

Zuvor hatte sich Ion Torrents Genom-Maschine schon einen Namen gemacht, als sie das berüchtigte EHEC-Bakterium (4,7 Mbp) komplett analysierte. Der verwendete Sensor-Chip Ion 314 in 0,35-µm-Technologie besteht aus 1,2 Millionen kleiner Mulden (Wells) von 3,5 µm Durchmesser mit jeweils zwei angekoppelten Feldeffekt-Transistoren sowie etwas Logik. Die Transistoren reagieren auf die Bildung von H+-Ionen (Protonen), die bei der Hydrolyse von Triphosphat-Gruppen entstehen, wenn ein passendes Nukleotid in das DNA-Bruchstück in der Mulde eingebaut wird (mehr dazu in der aktuellen Ausgabe von Nature).

Ion Torrent hat nun auch bereits den Ion-316-Chip mit fünfmal mehr Wells fertig und bis Jahresende ist der Ion 318 mit 10 Millionen geplant. Über die Investoren der Firma gibt es keine weiteren Informationen, da kann man nur raten. Gordon Moore jedenfalls, der das zweitgrößte Intel-Aktienpaket hält, ist auch als Investor und Sponsor insbesondere im Bereich Umweltschutz tätig. Die mit seiner Frau gegründete Betty and Gordon Moore Foundation hat immerhin schon ein Stiftungskapital von 6 Milliarden Dollar aufgebracht.

Und Intel gehts ja weiterhin blendend: So wie die anderen Branchenriesen Microsoft und IBM auch, konnte die Corporation wieder ein Rekordquartal hinlegen. Mit 13 Milliarden Dollar Umsatz und einem ansehnlichen Gewinn von nahezu 3 Milliarden Dollar kam genug Geld in die Kasse, da konnte man mal eben das kleine kalifornische Ethernet-Chip-Haus Fulcrum Microsystems aufkaufen. Auch AMD erfreut sich schwarzer Zahlen, sogar besseren, als von den Analysten erwartet. Dennoch sind sie mit 61 Millionen Dollar Gewinn bei 1,47 Milliarden Umsatz vergleichsweise bescheiden.

Der Ausschnitt aus dem Trailer „Operation Scorpius The Return of the FX“ verrät links unten den wahrscheinlichen Starttermin für den Athlon FX: 19. September.

Den Starttermin für den Athlon FX mit Bulldozer-Architektur hat AMD nun offenbar auf den 19. September verschoben. Diesen Termin konnte man jedenfalls einem AMD-Werbe-Clip „Operation Scorpius The Return of the FX“ auf YouTube entnehmen, wo er für eine Zehntelsekunde auf einem PC prangend eingeblendet wurde. Scorpius, so heißt die Plattform für den Athlon FX (Codename Zambezi) zusammen mit dem 990FX-Chipsatz. Im Comic-Clip kämpft eine hübsche, sexy AMD-Agentin Ruby und ihre FX-Ninjas mit einem bösen, hässlichen Overlord, der schlechte Lösungen, proprietäre Produkte und archaische Architekturen den Massen unterjubeln will – und der merkwürdigerweise dem Intel-Chef Otellini ähnelt.

Im Internet etwa bei wccftech.com kursieren derweil verschiedene Konkretisierungen von AMDs Plänen, die gegenüber früheren Vorabveröffentlichungen nun mit etwas niedrigeren Taktfrequenzen aufgelistet sind. So sollen die Acht-Kerner FX-8100 nunmehr mit 2,8 GHz (3,7 GHz per Turbo Core) und FX-8150 mit 3,6/4,2 GHz als die ersten FX-Ninjas den Parcours betreten. Anfang 2012 sollen dann FX-8120 (3,1/4,0 GHz) und FX-8170 (2,9/4,5 GHz) folgen. Alle FX-Kämpfer will AMD auch als übertaktbare Hyper-Ninjas, also als Black Edition, zur Welt bringen. Kleinere Mitkämpfer mit sechs (FX-6100) und vier Kernen (FX-4100) stehen ebenfalls an. Nach der Roadmap, die die chinesische Website mb.zol.com.cn ausgegraben hat, heißen die fürs nächste Jahr geplanten Enhanced-Bulldozer-Kerne Piledriver (englisch für Pfahlramme). Bestückt mit zehn solcher Rammen soll dann der Prozessor „Komodo“ herauskommen, der einen neuen Sockel FM2 erfordert. Für den Mainstream-Desktop-PC hat AMD an die schon auf der Fusion-Entwicklerkonferenz für Notebooks gezeigten Trinity-APUs mit bis zu vier Piledrivern in der einst Comal und nun Virgo genannten Plattform gedacht. Aber auch wenn Trinity der Codename des ersten Atombombentests (am 16. Juli 1945) war – der Atom-Konkurrent des nächsten Jahres stammt von einem anderen Zweig ab, der nach Indianern benannt ist: Wichita soll mit vier BoBcat-Kernen in der Deccan-Plattform die aktuellen Netbook-Prozessoren „Ontario“ und „Zacate“ ablösen. (as)