Jeder dritte Merger fehlerhaft

Die meisten Fusionen weisen große Schwächen in der Vorbereitung und Umsetzung auf. Den Zuständigen fehlt es an Erfahrung, auch externe Berater lösen das Problem nicht.

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Von
  • Marzena Sicking

Synergieeffekte, Kostenoptimierung, bessere Einkaufskonditionen - Unternehmen, die eine Fusion anstreben, haben das Wachstum des neuen Unternehmens vor Augen. Entsprechend sorgfältig wird das Zielunternehmen geprüft und bewertet, häufig unter Zuhilfenahme eines externen Beraters. Trotzdem scheitern viele Übernahmen, weil die Unternehmen bei der Umsetzung patzen.

Um die Defizite wissen auch die eingebundenen Fach- und Führungskräfte. Nur 64 Prozent von ihnen sind dann auch mit der Organisation jüngst abgeschlossener Merger-Projekte zufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "Potenzialanalyse Post Merger Integration" von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung.

Der Druck auf die Verantwortlichen, Firmenphilosophie, Abläufe und Technik möglichst schnell unter ein Dach zu bringen, sei immens. Fusionen gehören für viele Manager aber nicht zum Tagesgeschäft, daher fehle ihnen die Routine, um die nötige Integrationsarbeit und die dafür notwendigen Ressourcen richtig einschätzen zu können, so die Analyse. Erschwerdend komme hinzu, dass diese Manager die Aufgaben zusätzlich zu den sonst üblichen Aufgaben im Tagesgeschäft bewältigen müssen. Eine immense Belastung, der viele Manager und Fachkräfte nicht gewachsen seien. Sie suchen sich neue Jobs und fehlen deshalb in der wichtigen Post-Merger-Phase.

Doch nicht nur bei Unternehmensfusionen, die meist vom Gedanken an Gewinnoptimierung getrieben sind, werden Fehler gemacht. Fusionen von öffentlichen Dienstleistern, wie Landesämtern, Universitäten oder Krankenhäusern, erweisen sich ebenfalls als problematisch. Der Studie zur Folge verlaufen nur sechs von zehn Integrationsprojekten nach Plan. Damit liegt die Erfolgsquote damit zehn Prozentpunkte unter dem Durchschnitt.

Wenn Fach- und Führungskräfte die Problematik kennen, sollte es doch eigentlich ein Leichtes sein, ihr entsprechend zu begegnen: man holt sich Experten ins Haus. Doch das Image der Consultants hat gelitten, die Unzufriedenheit mit den Leistungen der großen Unternehmensberater hat zugenommen. Das zeigt eine Studie des Wirtschaftsprofessors Dietmar Fink, die er im Auftrag des Manager Magazins unter Führungskräften durchgeführt hat. Demnach trauen die Manager den Beratern gerade bei Fragen zu möglichen Übernahmen nicht besonders viel zu. Ihrer Einschätzung nach, haben Unternehmensberater noch immer die Themen Sanierung und Restrukturierung im Kopf. Die meisten Unternehmen wollen jetzt aber wachsen und nicht weiter schrumpfen. (gs)