Zweifel an Übernahme des Perlacher Infineon-Werks
Vor dem Bundeskanzler gaben sich die Beschäftigten des Münchner Infineon-Werks kämpferisch, Branchenkreise halten jedoch eine Übernahme durch X-Fab für unwahrscheinlich.
Vor dem Bundeskanzler gaben sich die Beschäftigten des von der Schließung bedrohten Münchner Infineon-Werks kämpferisch. "Wir bleiben hier, dafür kämpfen wir", stand auf den T-Shirts von mehreren Dutzend Infineon-Mitarbeitern bei Schröders Auftritt am Samstag auf dem Münchner Marienplatz. Sie hoffen, dass der Erfurter Halbleiterhersteller X-Fab das Werk in München-Perlach übernimmt. Infineon ist bereit, die Fertigungsstätte zu verschenken und eventuell auch noch Geld mitzugeben. Bei den Verhandlungen hat es aber noch keinen Durchbruch gegeben.
Der verlustreiche Chip-Hersteller Infineon hatte angekündigt, das Werk am Stammsitz München mit 800 Beschäftigten unter anderem wegen seiner veralteten Produktionstechnik dicht zu machen. Neue Hoffnung keimte auf, als ein Verkauf der Fertigungsstätte ins Gespräch gebracht wurde. In den vergangenen Tagen gab es weitere Verhandlungen zwischen X-Fab und Infineon. In Medienberichten wurde schon über eine rasche Einigung spekuliert. X-Fab-Chef Hans-Jürgen Straub gab sich aber etwas vorsichtiger. "Wir bemühen uns, bis Ende September ein Ergebnis zu haben."
Auch die IG Metall hofft, dass bis dahin die Weichen gestellt werden. "Solange werden wir auch warten", sagte der Gewerkschaftsbeauftragte Michael Leppek am Samstag. Falls der Deal mit X-Fab scheitere, sei die IG Metall für den Kampf um die Arbeitsplätze gerüstet. "Wir haben eine kämpferische Belegschaft."
In Branchenkreisen gilt es weiter als unwahrscheinlich, dass X-Fab die Übernahme stemmen kann. Wenn sich die Fertigung in München schon für den Branchenriesen Infineon nicht lohne, sei das Risiko für X-Fab mit derzeit 1200 Beschäftigten noch deutlich höher. "Man kann es sich ganz schwer vorstellen." Falls keine Einigung zu Stande kommt, will Infineon wie geplant Anfang 2007 die Fertigung auslaufen lassen. Der Großteil der Beschäftigten muss dann mit betriebsbedingten Kündigungen rechnen.
Die IG Metall sieht jedoch unverdrossen gute Chancen für die Beschäftigten. "Wir sind sehr optimistisch, dass wir etwas hinbringen", sagt Leppek. Gestärkt sehen sich die Arbeitnehmer durch ein von ihnen in Auftrag gegebenes Gutachten. Demzufolge kann das Werk in einigen Jahren das Produktivitätsniveau der Regensburger Infineon-Fertigungsstätte erreichen. Unternehmenskreise sehen dies jedoch skeptisch. "Das Gutachten geht anscheinend davon aus, dass Regensburg bis zum Jahr 2010 keine Produktivitätsfortschritte machen wird", hieß es. In der Chip-Industrie, mit ihrem starken Preisverfall müssten jedoch die Kosten in allen Fabriken permanent gesenkt werden. Daher könne München-Perlach den Rückstand kaum aufholen.
Die IG Metall ist zu Verhandlungen über Zugeständnisse bei den Lohnkosten bereit. In der Branche wird aber nicht damit gerechnet, dass es sich Infineon-Chef Wolfgang Ziebart noch einmal anders überlegt. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt steht der Vorstandsvorsitzende unter Druck, bessere Ergebnisse zu liefern. (Axel Höpner/dpa)/ (dz)