Politiker ohne Internet-Auftritt haben keine Chance
Nach Ansicht des Dortmunder Soziologen Andreas Cavaliere haben Politiker ohne professionelle Web-Präsenz schon vor der Wahl verloren.
Ohne einen professionellen Internet-Auftritt haben Politiker nach Expertenansicht beim Wähler mittlerweile kaum mehr eine Chance. "Die Bürger erwarten ganz einfach, sich im Internet über alle Parteien und Kandidaten informieren zu können", sagte der Dortmunder Soziologe Andreas Cavaliere in einem Gespräch mit der dpa in Dortmund. Dies gelte inzwischen für Landes- und Bundespolitiker gleichermaßen. "Wer diesem Anspruch nicht nachkommt, hat schon fast verloren." Der Wissenschaftler will im kommenden Jahr in einem Forschungsprojekt an der Universität Dortmund untersuchen, ob und wie das Internet die Politik beeinflusst.
"Sämtliche Generationen nehmen mittlerweile die Internet-Angebote in Anspruch", so der 33-jährige Wissenschaftler. Mit den multimedialen Diensten politischer Jugendorganisationen würden zwar vor allem die bis zu 30 Jahre alten Wähler angesprochen. Doch zeigten Untersuchungen, dass die Zugriffe auf die Internet-Seiten von Parteien und Politikern insgesamt zugenommen haben. "Auch die Generation über 50 Jahre nutzt die Angebote mittlerweile regelmäßig." Wie sehr das Internet auf diese Weise der allgemeinen Politikverdrossenheit entgegenwirke, sei allerdings noch nicht abzusehen.
"Mit Internet-Foren, Chats und so genannten Weblogs wollen Parteien die Kommunikation nach innen und außen ankurbeln", sagte Cavaliere. Wie sich die neuen Angebote, die zum Teil erst seit diesem Jahr auf den Web-Seiten nutzbar sind, weiterentwickeln, sei jedoch noch unklar. Die bisherigen Forschungen hätten aber gezeigt, dass etwa ehrenamtlich tätigen Parteianhängern durch das Internet immer mehr Hilfsmittel an die Hand gegeben würden. So gebe es vor allem im Wahlkampf auf den einzelnen Seiten ganz erheblich mehr Informationen über Kandidaten und Parteien als früher. "Unklar ist noch, ob die Parteien dabei die multimediale Einbindung aller Meinungen und Anregungen als Chance ansehen oder als Bedrohung empfinden." (dpa) / (pmz)