EFF erhält Einsicht in Apple-Dokumente
Die EFF erhält im Prozess von Apple gegen Unbekannt Einsicht in bisher verschlossene Dokumente. Apple ist auf der Suche nach Insidern, die Informationen zu neuen Produkten vorab preisgeben.
Die Electronic Frontier Foundation (EFF) kann einen Teilerfolg im Prozess von Apple gegen Unbekannt verzeichnen, nachdem der kalifornische Computerhersteller Ende 2004 Klage gegen Unbekannt eingereicht hatte. Apple ist auf der Suche nach Insidern, die Informationen zu neuen Geräten bereits vorab im Internet preisgegeben hatten. Im Speziellen geht es um ein FireWire-Interface für GarageBand, welches unter dem Codenamen Asteroid entwickelt wurde.
Apple selbst fährt eine sehr strikte Produktpolitik und kündigt Produkte grundsätzlich erst kurz vor dem Verkaufsstart an. Nicht selten werden mit Einführung neuer Produkte ältere Vorgänger schlagartig abgekündigt, sodass die Gerüchteküche speziell vor Messen und Entwicklerkonferenzen hochkocht. Die EFF hat sich auf die Seite der berichtenden Webseiten beziehungsweise deren anonymen Quellen geschlagen. Ihre Anwälte haben jetzt erreicht, dass sie Einsicht in versiegelte Dokumente über Apples interne Untersuchungen zu dem Fall bekommt. Apple hatte die Dokumente bisher als Betriebsgeheimnis zurückgehalten.
Der erste US-amerikanische Verfassungszusatz und auch die kalifornische Verfassung sehen vor, dass Apple erst sämtliche anderen eigenen Möglichkeiten ausschöpfen muss, bevor das Unternehmen die betreffenden Journalisten vorladen könne. Genau hier hakt es aber: Öffentlich einsehbare Dokumente zeigten bereits, dass Apple beispielsweise keine vereidigten Aussagen von Mitarbeitern, die Zugriff auf die vorab veröffentlichten Asteriod-Spezifikationen hatten, eingeholt hat.
Die bislang verschlossenen Akten offenbaren nun laut EFF weitere Unzulänglichkeiten. So habe Apple bei den internen Untersuchungen lediglich die E-Mail-Server und einen einzelnen File-Server unter die Lupe genommen. Apple habe weder individuelle Arbeitsplatzrechner noch andere Geräte, die elektronische Daten speichern oder transportieren können, untersucht. Gleiches gelte für die Auswertung von Aufzeichnungen von Telefonaten, für Kopierer oder alle anderen Möglichkeiten zum Informationstransport außer E-Mails.
Die EFF sieht sich daher in ihrer These gestärkt, dass Apple lediglich eine Zensur unliebsamer Medienberichte anstrebt. Die Möglichkeit, Informanten Vertraulichkeit anbieten zu können, sei aber für unabhängige Medien und speziell Online-Journalismus unabdingbar. (mue)