Neues Informationssystem fĂĽr Arzneimittel [Update]
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung möchte ein von der Pharmaindustrie unabhängiges Arzneimittel-Informationssystem für Arztpraxen schaffen.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) plant ein eigenes, von der Pharmaindustrie unabhängiges Arzneimittel-Informationssystem für niedergelassene Ärzte. Damit wolle die KBV den Einfluss der Pharmabranche auf die Ärzte zurückdrängen, sagte der neue KBV-Vorsitzende Andreas Köhler in einem Interview für die Montagsausgabe der Frankfurter Rundschau. Integriert in die Praxisverwaltungssoftware solle die Datenbank schnell über verfügbare Wirkstoffe und mögliche Risiken informieren.
Ein von den Pharmaverbänden unabhängiges Arzneimittel-Informationssystem gibt es bereits: AMIS wurde im Jahr 1993 als Pilotprojekt vom Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Zusammenarbeit mit dem damaligen Bundesgesundheitsamt ins Leben gerufen. Seit 1996 ist die Datenbank online. Heute werden die Daten von den Nachfolgeinstituten des Bundesgesundheitsamts, vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zur Verfügung gestellt. Ziel von AMIS ist es, die Arzneimitteltransparenz und -sicherheit sowie die Kontrolle des therapiegerechten Einsatzes von Arzneimitteln zu verbessern. Die Datenbank enthält deutschsprachige Fakten zu Medikamenten und deren Stoffen, die zum Teil auch der Öffentlichkeit zugänglich sind. AMIS' öffentlicher Teil ist seit 1997 online.
Von der Pharmaindustrie unabhängige Informationen etwa über Arzneimittel, mögliche Risiken wie Kontraindikationen und Preise bietet außerdem das Arzneimittel-Informationssystem DIMDI PharmSearch, das Ärzten über ihr DocCheck-Passwort kostenfrei zur Verfügung steht. Spezielle Angaben beispielsweise zu Arzneistoffen, Fertigarzneimitteln, Wirkstoffen und Wechselwirkungen enthalten die ABDA-Datenbanken des DIMDI. Tagesaktuelle Informationen aus der Pharmazie, der Pharmakologie sowie der Human- und Veterinärmedizin lassen sich aus der Volltextdatenbank ABDA – Aktuelle Info beziehen.
Für den Arzt ist eine der Hauptinformationsquellen über neue Medikamente bislang der Pharmavertreter. Der erwähnt in der Praxis allerdings nur die Präparate seines Unternehmens -- und untermauert deren Wirksamkeit mit Studien, in denen die Medikamente am besten abgeschnitten haben. Studien mit ungünstigem Ausgang fallen dabei unter den Tisch, sofern sie das Pharma-Unternehmen überhaupt veröffentlicht hat, etwa weil es deren Ergebnisse für irrelevant hält oder den Gehalt anderer positiver Studien nicht mindern will. Wie aus einem Bericht des Ärzteblatts hervorgeht, wollen die Herausgeber mehrerer angelsächsischer medizinischer Fachzeitschriften diesem "Publikations-Bias" entgegentreten, indem sie künftig nur noch Studien abdrucken, die bereits in einer öffentlich zugänglichen Datenbank erfasst sind. Mehrere Pharmaunternehmen hätten dem Druck bereits nachgegeben und versprochen, alle laufenden Studien freiwillig zu registrieren. (ola)