Hitzetolerante Server für Rechenzentren mit Umgebungsluftkühlung
Statt wie üblich höchstens 35 Grad Celsius Lufttemperatur vertragen neue Dell-Server 40 Grad – und kurzzeitig sogar 45 Grad.
Ein Weg, um den Energiebedarf für die Kühlung von Servern und Speichersystemen zu senken, ist der Verzicht auf stromfressende Kältemaschinen. Ist die Frischluft aus der Umgebung des Rechenzentrums ausreichend kühl (und sauber) und weder zu feucht noch zu trocken, funktioniert das ganz gut – in Irland etwa betreibt Microsoft bereits ein großes Rechenzentrum nach diesem Konzept. Doch im Hochsommer oder in südlichen Ländern ist es zumindest zeitweilig unmöglich, herkömmliche Hardware tagsüber nur mit Umgebungsluft zu kühlen: Konventionelle Server sind für Ansauglufttemperaturen von höchstens 35 Grad Celsius ausgelegt.
Eine spezielle, kundenspezifische Baureihe von Dell-Servern hingegen soll bis zu 900 Stunden pro Jahr 40 Grad verkraften und immerhin rund ein Prozent des Jahres – nämlich 90 Stunden – sogar 45 Grad Celsius. Sie sollen auch einen weiten Bereich der relativen Luftteuchtigkeit von 5 bis 90 Prozent verkraften (PDF-Datei). Dafür hat Dell die Server nach den Richtlinien für die Geräteklassen A3 und A4 der Industrievereinigung ASHRAE (American Society of Heating, Refrigerating and Air-Conditioning Engineers) zertifiziert.
Auch wenn bei derartigen Brutschranktemperaturen kein Administrator mehr das Rechenzentrum betreten wird, sollen die Server weiterlaufen können. Ein Einsatzbeispiel liefert Dell gleich mit: Die Geräte stecken in einem modularen "Container-Rechenzentrum" mit Frischluftkühlung, welches Microsoft am (eher kühlen) Standort Boulder/Colorado für die Bildverarbeitung des Dienstes Bing Maps einsetzen will. Obwohl dort zusätzlich noch ein (Wasser-)Verdampfungskühler zum Einsatz kommt, nennt Dell eine Power Usage Efficiency (PUE) von 1,03 – für die Kühlung und Stromversorgung des Rechenzentrums sind also nur 3 Prozent der Leistung nötig, welche die Server und Geräte darin selbst aufnehmen.
Auch wenn immer mehr Projekte – wie etwa auch SuperMUC – zur "Hochtemperaturkühlung" von Servern erfolgreich arbeiten, bleibt diese Kühltechnik eine Ausnahme – herkömmliche, "gewachsene" Rechenzentren sind ja mit einer bunten Mischung auch älterer Systeme bestückt, die nur bei sorgfältig geregelten Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerten jahrelang zuverlässig laufen. (ciw)