Kisten und Kästchen
Die Zeiten, in denen man auf der Computex haufenweise kurios bis komisch anmutende Gehäuse antraf, sind – man könnte sagen zum Glück – vorbei. Heute konzentrieren sich die Hersteller vor allem auf äußeren Schick und innere Werte.
Was waren das noch für Zeiten, in denen man als "Westler" überrascht von einem Gehäusehersteller zum anderen pilgerte und aus dem Staunen gar nicht mehr herauskam: Gehäuse im Tier-Design, auch gern schneckenförmig, Gehäuse im Schlepptop-Design und notfalls sogar auf dem Kopf – nichts schien unmöglich, nichts zu verwegen, als dass man es nicht doch auf irgendeinem Stand finden konnte. Inzwischen ist die Branche ernster geworden, Exotisches sucht man weitgehend vergeblich.
Klar, Buntes gibt es nach wie vor auf der Computex zu bestauen, wie etwa das leuchtend in orange ausgelegte Mini-Gehäuse mit Griff an der Frontseite von eSAC Tech, doch dieses Alu-Gehäuse (Modell 9301 RLCD, 284 × 227 × 358 mm3) gibt es natürlich auch in seriöser schwarz/silberner Farbgebung. Das frontseitige LC-Display leuchtet übrigens in verschiedenen Farben und zeigt die Innentemperatur an. Das Gehäuse bietet Platz für ein Micro-ATX-Board, drei 3,5"- und zwei 5,25"-Laufwerke. Slots für bis zu vier Erweiterungskarten sowie einen 120-mm-Gehäuselüfter sind ebenfalls vorhanden. Auch ein ATX-Netzteil mit farblich passendem Lüfter hat der Hersteller im Programm. Was allerdings noch fehlt, ist eine Bezugsquelle für potenzielle Käufer aus Deutschland.
Neues, vor allem im Detail, gab es bei Lian-Li zu bewundern. So hat der Alu-Gehäuse-Spezialist sein Tower-Modell PC-S80 aus der Classic-Silent-Linie gründlich überarbeitet. Bei dem neuen Modell verzichtete man auf die doppelwandige Konstruktion und beseitigte dafür eine der größten Schwachstellen der bisherigen Konstruktion: Die Entkopplung der Festplatten. Statt der bis dato verwendeten Plastikschiene setzt man jetzt auf eine Gummilagerung. In die 3,5"-Platten werden einfach vier Schrauben mit Gummiringen geschraubt und dann in Alu-Führungen eingeschoben. Diese Lösung verspricht zumindest auf den ersten Blick ein leiseres System als bislang. Die übrigen Komponenten blieben weitgehend unverändert: Eine Luftführung in Prozessornähe sorgt dafür, dass der CPU gezielt kalte Außenluft zugeführt wird. Rückseitig gibt es einen gedämmten Alu-Aufsatz, der nicht nur lärmmindernd wirkt, sondern auch sicherstellt, dass keine angewärmte Abluft wieder ins Gehäuse gesaugt wird. Das Netzteil sitzt – ganz PC-untypisch – unten im Gehäuse. Das vereinfacht zwar die Laufwerksverkabelung, sorgt aber in der Regel dafür, dass eine Verlängerung vor die Mainboard-Versorgung benötigt wird.
Auch als Anbieter von Wohnzimmer-PCs möchte sich Lian-Li empfehlen. Auf der Computex zeigte man zwei Modelle im typischen HiFi-Format, die wahlweise mit schwarz eloxiertem oder silberfarbener Aluoberfläche zu haben sind. Ein Modell erlaubt den Einbau von zwei optischen Laufwerken, beim anderen fällt ein Einbauplatz zugunsten eines Displays weg. Die üblichen Frontanschlüsse versteckt Lian-Li hinter einer Klappe um unteren rechten Teil der Gehäusefront. Weitere Details waren zu den beiden Gehäusen allerdings noch nicht zu erfahren.
Befindet sich Ihr PC auch in einem Tower-Gehäuse unter dem Schreibtisch? Dann haben Sie sich bestimmt schon oft genug darüber geärgert, für jeden CD-Wechsel unter den Tisch greifen zu müssen. Noch schlimmer ist es oft, wenn man USB-Geräte, Kopfhörer und Ähnliches anschließen will: Viele Tower-Gehäuse haben entweder gar keine Frontanschlüsse, oder die Buchsen liegen kaum zugänglich unten an der Gehäusefront. Klar kann man sich da mit einem Verlängerungskabel aushelfen, doch elegant ist das nicht. Also entwickelte Lian-Li eine Externder-Box für den Schreibtisch. Diese bietet nicht nur Platz für zwei optische Laufwerke, sondern bringt auch noch einen Card-Reader und die häufig benötigten PC-Anschlüsse (2 × USB, 1 × 1394 6-polig, Headset) mit. Ebenfalls vorhanden ist ein Reset- und ein Power-Button.
Um den zwischen PC und Extender erforderlichen Kabelwust klein zu halten, hat Lian-Li in das Gehäuse kurzerhand einen USB-2.0-Hub sowie einen PATA-USB-Wandler eingebaut. Die eingebauten Laufwerke werden also ebenso wie die Front-USB-Ports nur über eine Verbindung zum Hauptrechner angeschlossen. Ein integriertes Netzteil übernimmt die Stromversorgung. Der FireWire-Port, der Reset- und der Power-Taster werden hingegen klassisch über Verlängerungskabel angeschlossen. Wann und zu welchem Preis der PC-Extender auf den deutschen Markt kommen wird, konnte man uns bei Lian-Li leider nicht sagen.
Gut versteckt im Hyatt-Hotel neben dem eigentlichen Messegelände entdeckten wir auch noch den amerikanischen Gehäuse-, Kühler- und Netzteilhersteller Antec. Neben dem wohl unvermeindlichen Maxi-Gamer-Tower namens "Antec Nine Hundred" mit blau beleuchteten Lüftern und Ablagefläche – fotografieren ausdrücklich verboten – entdeckten wir auch ein recht interessantes neues Gehäuse für Wohnzimmer-PCs. Das "Fusion" getaufte Alugehäuse bringt ein zweizeiliges Matrix-Display und einen extragroßen Lautstärkeregler mit. Neben einem optischen Laufwerk passen auch noch zwei 3,5"-Festplatten in das für ein Micro-ATX-Board ausgelegte Gehäuse. Zwei in drei vorwählbahren Geschwindigkeiten rotierende 120-mm-Lüfter an der Rückseite sollen für effektive und dennoch leise Kühlung des Systems sorgen. Für Erweiterunngskarten stehen vier Slotblenden zur Verfügung, an die üblichen Front-Anschlüsse (2 × USB, Headset, 1 × 1394 6-polig) hat Antec ebenfalls gedacht. Als Netzteil empfiehlt man ein 430-Watt-Modell, natürlich aus eigenem Hause.
Mit dem NSK 1300 bietet Antec auch ein kompaktes Gehäuse für Micro-ATX-Boards an. In das schlicht schwarz/silbern gehaltene Kästchen passen ein optisches Laufwerk und bis zu drei 3,5"-Platten. Einen Einbauplatz für einen Card-Reader sucht man dagegen vergeblich in dem 201 × 269 × 335 mm3 großen Gehäuse. Für die Durchlüftung sorgen zwei 120-mm-Lüfter, die Energieversorgung übernimmt ein mitgeliefertes 300-Watt-Netzteil. Der in Sandwich-Bauweise (Alu/Plastic/Alu) gefertigte Gehäusedeckel soll besonders stark dämpfend wirken, beteuerte Senior Vice President Scott Richards in einem Gespräch mit heise online. Einen Liefertermin für die vorgestellten Gehäuse konnte er uns allerdings noch nicht nennen. (gs)