Webcam checkt Kreditkarte
Ein Start-up hat eine Technik entwickelt, die das Bezahlen im Netz einfacher und sicherer machen soll.
- Duncan Graham-Rowe
Ein Start-up hat eine Technik entwickelt, die das Bezahlen im Netz einfacher und sicherer machen soll.
Die Zeiten, in denen man mühsam Kreditkartendaten in ein Online-Formular eingeben musste, sind vorbei. Davon ist zumindest das kalifornische Start-up Jumio überzeugt, das ein neuartiges Bezahlsystem entwickelt hat, das aus einer einfachen Webcam ein Kartenlesegerät macht.
Das System namens "Netswipe" solle das Bezahlen im Internet nicht nur einfacher machen, sondern auch sicherer, sagt Firmenchef Daniel Mattes. Zum Management der Firma gehört unter anderem Facebook-Mitbegründer Eduardo Saverin.
Netswipe bittet einen Kunden zunächst, die Kreditkarte in die Webcam zu halten. Eine auf dem Bildschirm zu sehende Live-Aufnahme lenkt den Nutzer dabei und sorgt dafür, dass er die Karte richtig hält, damit die Software sie auch erfassen kann. "Das Lesen dauert vielleicht eine Viertelsekunde", sagt Mattes. Um die Transaktion zu komplettieren, gibt der Nutzer nur noch die dreistellige Verifikationsnummer auf der Rückseite ein.
Aus Sicherheitsgründen speichert Jumio weder das Bild der Kreditkarte, noch die Kreditkartendaten selbst. Dazu hat die Firma zwei Jahre lang eine Software für eine sichere Video-Stream-Technik entwickelt, die die Verifizierung möglich machen soll. Die Firma arbeitete dabei mit mehreren Universitäten und Bilderkennungs-Spezialisten zusammen. Insgesamt sollen mehr als eine Million Kartenbeispiele in die Datenbank eingeflossen sein, um sicherzustellen, dass das Lesen und die Verifikation der Daten schnell und akkurat erfolgen.
Steven Murdoch, Bezahlsystem- und Computersicherheitsexperte an der Cambridge University, findet die Bequemlichkeit positiv. "Die Technik hat aber auch einige Probleme. So könnte jemand mit dem Abbild einer Karte eventuell eine Fälschung erstellen und mit der dann zahlen."
Mattes zufolge ist das nahezu unmöglich. "Jumio analysiert Kreditkarten, um zu bestimmen, ob es sich um Plastik oder ein Stück Papier handelt. Dazu gehört ein genauer Abgleich von Zahlen und Nummern auf der Karte, um zu bestimmen, dass sie wirklich eingeprägt sind." Auch würden kartenspezifische Merkmale wie das Hologramm überprüft.
Fünf größere Online-Verkäufer sind laut Mattes zufolge an Netswipe interessiert und wollen die Zahlungsform bald anbieten. Kleinere Firma werden auf Anfrage aufgenommen. "Zur Nutzung ist nur eine einzige Codezeile notwendig, damit die Netswipe-Zahlungsmöglichkeit integriert ist", sagt Mattes. Eine mobile Version der Software soll in wenigen Monaten erscheinen.
Eine größere Zahl konkurrierender Start-ups versucht allerdings mit eigenen Mitteln, die Bezahlbranche umzukrempeln. Square nutzt ein einfaches Magnetstreifenlesegerät, das als Mini-Aufsatz an iPhone und Android-Handys passt. Dieses Stück Hardware verschenkt Square sogar,
Jumio könnte darauf verzichten. Das sei ein Vorteil, meint Murdoch. "Allerdings hängt alles davon ab, welche Preise Jumio mit den Banken vereinbaren kann." Square hat hier bereits Vorsprung: So gehört ausgerechnet Visa zu den Investoren. (bsc)