In der kleinen Wolke

Cloud-Computing-Anbieter stehen unter Druck, ihre Dienste auch für Smartphones und Tablets anzupassen. Google, Zoho und IBM liefern sich einen Wettstreit.

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Von
  • Erica Naone

Cloud-Computing-Anbieter stehen unter Druck, ihre Dienste auch für Smartphones und Tablets anzupassen. Google, Zoho und IBM liefern sich einen Wettstreit.

Smartphones setzen sich im geschäftlichen Bereich immer mehr durch. Das liegt auch daran, dass viele Nutzer mittlerweile vollwertig mit den Geräten arbeiten – und beispielsweise Texte schreiben, Tabellen editieren und Präsentationen erstellen.

Die Anbieter von Cloud-Computing-Diensten, die etwa Büropakete im Web offerieren, wurden hier allerdings auf dem falschen Fuß erwischt. Lange Zeit waren ihre Angebote reine Viewer-Applikationen, mit denen man Dokumente nur einsehen, nicht aber verändern konnte. "Wir wurden mittlerweile vom Gegenteil überzeugt", sagt Raju Vegesna vom Cloud-Office-Anbieter Zoho, "die Leute wollen Inhalte schaffen". Die Cloud-Computing-Firmen beginnen deshalb nun damit, sich diesem Trend anzupassen – mit speziellen Versionen ihrer Produkte für Smartphones und Tablets.

Leicht ist die Umsetzung nicht. Web-basierte Büroprogramme wie Google Docs waren standardmäßig nicht für die Touchscreen-Bedienung vorgesehen. Der Internet-Konzern musste sein Office-Angebot also so umbauen, dass das Editieren auch auf Smartphones oder Tablets möglich wurde, etwa mit stetig aktualisierten Android-Versionen. Zoho baut wiederum direkt Apps für Mobilgeräte, statt den Weg ins Web zu gehen. Und IBM arbeitet an Software, mit der große Tabellen in leicht zu verarbeitenden Portionen für verschiedene Nutzer unterteilt werden.

Cloud-basierte Office-Programme existieren bereits seit einigen Jahren. Eine der wichtigsten Funktionen ist das verteilte Editieren von Dokumenten: Nutzer können sich auf eine Datei im Browser konzentrieren, die alle Veränderungen automatisch zugespielt bekommt. Doch das Thema Cloud Computing ist noch wichtiger, wenn Nutzer mit mobilen Geräten arbeiten, die auch mal gewechselt werden müssen – und das häufiger als bei Desktop-PCs.

"Die Cloud ist nicht nur der natürliche Platz für die Daten, sondern auch für die Produktivitätsanwendungen an sich", meint Rick Treitman von Adobe, der das Produktmarketing für den Bürodienst Acrobat.com leitet. Zoho-Mann Vegesna meint dagegen, dass die Nutzer maßgeschneiderte Apps für iPhone, Android-Geräte und andere populäre Plattformen bevorzugen.

Scott Johnson, Gruppenproduktmanager für Google Docs und Google Sites, glaubt, dass sich zwar die Nutzerschnittstellen auf Smartphones, Tablets und PCs unterscheiden. "Ich gehe aber davon aus, dass wir überall alle Funktionen haben werden." Er schätzt, dass Büroarbeiter auf längere Sicht von Laptops auf Tablets umsteigen werden. Dann müsse Software her, die mindestens genauso gut arbeitet. Auch Fortschritte bei Touchscreen-Bildschirmen, etwa im Hinblick auf taktiles Feedback, könnten die Nachfrage treiben.

Die Ansätze sind unterschiedlich.Während Google beispielsweise vor allem Cloud-basierte Anwendungen mit wenigen Offline-Funktionen anbietet, setzt Microsoft voll auf den PC-Anschluss. Das Cloud-Produkte Office 365 hilft zwar im Netz, macht aber die reguläre Software nicht überflüssig, die Microsoft weiter verkaufen will. Bislang hätten Cloud-Apps stets weniger Funktionen und außerdem stünde eben nicht immer ein Netzwerk zur Verfügung, lautet die Begründung. (bsc)