Was wirklich wahr war, im großen Sommerloch
Forumsleser haben wirklich seltsame Namen. Aber sie kennen sich und schwatzen und haben ihren Spaß. Anonymität ist eine Errungenschaft der Vernetzung, betont Hal Faber. Aber erst einmal zur Auflösung des zweiten Sommerrätselteils.
Nein, potztausend, diese Anonymität aber auch. Da hat ein Leser mit einigem Aufwand ein grafisches Knopfraten für das Sommerrätsel gebastelt und mir nichts, die nichts, schmettert eine KatiH die richtigen Lösungen ins Forum und macht das ganze schöne Rätsel kaputt, assistiert von Cone, Pere Lachaise, Trollplonk und nur noch reflexartige Zuckungen. Forumsleser haben wirklich seltsame Namen. Aber sie kennen sich und schwatzen und haben ihren Spaß. Es geht meistens – trotz all der Trolle und der Notwendigkeit, ab und zu einen Fisch zu werfen – sehr manierlich zu in dieser Anonymität, die unser Innenminister beseitigen will. Diese Anonymität ist eine Errungenschaft der Vernetzung und muss verteidigt werden gegen die sommerlichen Anmaßungen eines Ministers, der starke Probleme mit dem netzpolitischen Dialog hat.
Doch zu den Fragen. "Want Sin?" ist die Frage Nr. 1, die Microsofts 4K BASIC für den Altair stellte. Nach MEMORY SIZE? und TERMINAL WIDTH? wurde nach WANT SIN? gefragt und danach folgten WANT SQR? und WANT RND? Damit konnte das 4K-BASIC ein paar Bytes mehr Speicher bieten, wenn vorab auf diese Funktionen verzichtet wurde. Das danach veröffentlichte 8K-BASIC fragte SIN, CON, TAN und ATN ab. Ob BASIC überhaupt eine Sünde darstellt, ist unter Software-Historikern umstritten.
Frage 2: Ja, Bill Gates ärgerte sich, als der IBM-PC vorgestellt wurde. Zwar kam der Rechner mit einem Microsoft-BASIC im ROM und einem DOS, das Microsoft trickreich erworben hatte. Aber, aber: Der IBM-PC kam, wie in der Original-Pressemeldung erwähnt, mit dem Textprogramm EasyWriter von Information Unlimited Software. EasyWriter war von John Draper, allgemein unter seinem Handle "Captain Crunch" (noch so ein schädliches Anonym) bekannt, programmiert worden. Komplett in Forth entwickelt, brauchte es kein DOS. Information Unlimited setzte beim Deal mit IBM auf eine Taktik, von der viele Firmen leben sollten: Programm kostenlos und ohne Handbuch (was IBM selbst korrigierte) , dafür kostenpflichtiger telefonischer Support für Endkunden, nur für IBM-Händler war es kostenlos.
Frage 3 zeigte eine PDP-10-Installation, die für die Genügsamkeit des Betriebssystems TOPS-10 und später TOPS-20 werben sollte. So wenig Personen und Personinnen. Der Centerfold stammt aus einer Anzeige, die für den Online-Dienst Compuserve wirbt, die Alternative zur Source, die IBM zum Start des PCs favorisierte. Compuserve schluckte die Source, AOL schluckte Compuserve.
Frage 4 nach Emacs hätte zwei, drei Antworten abrufen können, aber nichts dergleichen. Also: Emacs für DOS auf dem IBM PC wurde von einer Unipress Software für 375 US-Dollar verkauft, wer die Sourcen von Gosling haben wollte, musste 995 US-Dollar hinblättern. Das sorgte für Unmut und ist einer der Zünder in einer Geschichte, die uns die GPL bescherte.
Prospero aus Shakespeares Sturm wollte in Frage 5 gefunden werden, weil das Prospero-System in dem RFC 1630 zur Standardisierung der URL eine wichtige Rolle spielte.
Das Programm zum Ausmerzens des Dunkels im Internet beschloss den textlastigen Teil des zweiten Sommerrätsels. Frage 6 zielte auf die Software PERKEO, ausgeschrieben war dies das "Programm zur Erkennung relevanter kinderpornografischer eindeutiger Objekte", entwickelt vom BKA und LKA Hessen. Kinderpornografie im Internet habe keine Chancen mehr, hieß es anno 1997. Das Programm sei bei vielen Fahndern in der Welt im Einsatz. Heute ist es still um PERKEO. Die eindeutigen Objekte liegen nicht offen im Internet herum, so zwischen Google, Shop-Websites und Anonymisierungsservern. Das Internet ist etwas komplizierter aufgebaut, das wird auch der Hackepeter lernen müssen.
Die Fragen 7 bis 10 beantworteten KatiH und jjauthor, keine feigen Anonyme, sondern gewachsene Identitäten im Netz. Das nächste Rätsel beschäftigt sich mit den Benutzern der Benutzeroberflächen. (jk)