Überarbeitete GPL am Horizont

Laut Eben Moglen, Rechtsprofessor und Vorstandsmitglied der FSF, wird die Überarbeitung der mittlerweile fast fünfzehn Jahre alten GNU General Public License für freie Software ein hartes Stück Arbeit sein, das einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

vorlesen Druckansicht 319 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Thorsten Leemhuis

Der Rechtsprofessor Eben Moglen von der Columbia University sagte in einem Vortrag, das die Überarbeitung der mittlerweile fast fünfzehn Jahre alten GNU General Public License (GPL) ein hartes Stück Arbeit sein werde, das einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Das berichtet eWeek vom derzeit stattfindenden Enterprise-Summit des Open Source Development Labs (OSDL).

Derzeit liegt die GPL in der Version 2.2 vor, die sich nur in Details von der Version 2.0 unterscheidet. Die hatte Richard Stallman, bekannter Verfechter freier Software und Vorstands- sowie Gründungmitglied der Free Software Foundation (FSF), bereits 1991 veröffentlicht. Eine massive Überarbeitung sei laut Moglen, der ebenfalls Vorstandsmitglied der FSF ist, jedoch dringend nötig. Dabei helfen soll auch das von ihm geleitete und vor kurzem der Öffentlichkeit präsentierte Zentrum für Rechtsfragen rund um freie Software (Software Freedom Law Center).

Die unter dem Namen GPL3 geplante Überarbeitung befinde sich noch im Anfangsstadium; viele Dinge müssen noch geklärt werden, bevor sich konkrete Details zu den Neuerungen sagen ließen. Die neue Lizenz soll sich jedoch nicht signifikant von der alten unterscheiden und insbesondere nicht wesentlich länger als vorher sein. Vielmehr soll sie an die modernen Entwicklungen im Computer-, und Rechtsbereich angepasst werden. Auch Unklarheiten, die zu Missinterpretationen führen können, will man ausmerzen. Zudem soll sich die GPL3 besser in andere Sprachen übersetzen lassen, was die Akzeptanz und Rechtssicherheit weltweit verbessern soll.

Auch die Lesser GPL (LGPL), die häufig bei Software-Bibliotheken zum Einsatz kommt, soll eine Überarbeitung erfahren, die möglicherweise noch vor der GPL3 veröffentlicht wird. Unter der LGPL lizenzierte Software darf auch von nicht der GPL unterliegender Software genutzt werden -- daher kommt sie häufig bei Software-Bibliotheken (Libraries) zum Einsatz, was deren Verwendung in Closed-Source-Programmen erlaubt.

Für Kommentare und Anregungen seien Moglen und das Software Freedom Law Center offen. Aber nicht jeder könne bei der Überarbeitung alles bekommen, was er wolle -- auch Stallman nicht. Dazu seien zu viele Interessengruppen im Spiel, die dank des Erfolgs von freier und Open-Source-Software auch einige Milliarden Dollar hinter sich hätten. Den genauen Zeitrahmen für die Überarbeitung lässt Moglen offen, ein Jahr sei das Mindeste. In den 20 Jahren seiner Tätigkeit hat Moglen eigenen Angaben zufolge noch nie vor einem derart komplexen Problem gestanden. (thl)