Google im Visier der Kartellwächter: Android und Suche auf dem Prüfstand

Neben der Frage, ob Google in den Suchergebnissen und in Diensten wie Places und Finance eigene Produkte bevorzugt, untersuchen die US-Wettbewerbshüter die Bedingungen Googles für Hersteller von Android-Smartphones.

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Von
  • Jürgen Kuri

Die amerikanischen Wettbewerbshüter nehmen bei ihrer Untersuchung von Google Schlüsselbereiche wie das Geschäft mit der Internet-Suche und das Betriebssystem Android unter die Lupe. Unter anderem gehen sie der Frage nach, ob Google Hersteller von Android-Smartphones von einer Zusammenarbeit mit Konkurrenten abhält, berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf informierte Personen.

Außerdem prüfen die Mitarbeiter der Handelsbehörde FTC Vorwürfe, wonach Google in den Suchergebnissen eigene Dienste bevorzuge und in seinen Angeboten auf unfaire Weise von Konkurrenten gesammelte Informationen verwende, etwa Bewertungen von Restaurants oder Geschäften. Dabei sollen auch Dienste wie der Bewertungsdienst Places oder die Finanzinformationssite Google Finance genauer untersucht werden, da der Verdacht bestehe, auch hier bevorzuge Google eigene Produkte. Zudem soll Google Informationen, die Konkurrenten gesammelt haben, für die Aufwertung der eigenen Bewertungsdienste benutzen, gleichzeitig aber die Dienste der Konkurrenz in den Suchergebnissen abwerten.

Die FTC hatte die offizielle ÜberprüfungLinktext des Google-Geschäfts Ende Juni gestartet. Die genauen Ansatzpunkte wurden damals nicht bekannt. Weithin wurde vermutet, dass es um die Frage geht, ob der Konzern seine Vormachtstellung bei der Internet-Suche gegen Rivalen ausnutzt. Schon seit Monaten kursierten Medienberichte, wonach Googles Kerngeschäft mit der Internet-Suche im Mittelpunkt des Interesses der Wettbewerbshüter stehe. Sollte die Untersuchung in einem Kartellverfahren münden, könnte es für den Internet-Konzern gefährlich werden. Denn mit diesem Geschäft macht Google bis heute den Großteil seiner Milliardengewinne. Der Konzern verkauft Anzeigen passend zu den Suchergebnissen – mögliche Auflagen könnten das Unternehmen also Geld kosten.

In den USA laufen mehr als 60 Prozent des Internet-Suchanfragen über Google, in einzelnen Teilen Europas sind es sogar 90 Prozent. In diesen Regionen ist Microsofts Suchmaschine Bing die einzig verbliebene relevante Konkurrenz. Die EU-Kommission hat deshalb bereits Ende vergangenen Jahres eine eigene Untersuchung eingeleitet, nachdem sich Rivalen über ihrer Ansicht nach unlautere Geschäftsmethoden beschwert hatten – darunter auch Microsoft.

Google weist die Vorwürfe, die von Konkurrenten erhoben wurden und zu den Überprüfungen durch die Kartellwächter führten, natürlich weit von sich. Die wachsende Zahl der Wettbewerbsuntersuchungen sei wohl vor allem deswegen ausgelöst worden, da die Konkurrenz wegen der Erschließung neuer Märkte durch Google besorgt sei. "Wir verstehen schon, dass der Erfolg prüfende Blicke auf sich zieht", meinte eine Google-Sprecherin gegenüber dem Wall Street Journal. "Aber wir sind gerne bereit, alle Fragen über unsere Geschäfte zu beantworten." Um in dem Kartellverfahren die eigene Position abzusichern, hat Google Mitte des Jahres insgesamt 12 Lobby-Firmen angeheuert, die die Verteidigung in der Auseinandersetzung mit den Kartellwächtern organisieren sollen. (mit Material von dpa) / (jk)